Der Fußballweltverband Fifa stellt offenbar weitreichende Bedingungen an den Ausrichter der Weltmeisterschaft 2026. Wie der kanadische thebreaker unter Berufung auf Fifa-Unterlagen berichtet, fordert der Fußballverband von dem oder den potenziellen Gastgebern weitreichende Garantien und Ausnahmeregelungen. Diese hätten mittlerweile einige potenzielle WM-Städte dazu bewogen, ihre Bewerbung zurückzunehmen. Wer den Zuschlag für die Austragung bekommt, wird am 13. Juni auf einem Fifa-Kongress in Russland entschieden.

Dem Bericht zufolge fordert die Fifa Steuervergünstigungen für einen Zeitraum von zehn Jahren sowie die Zusage, unbegrenzt Geld in jeglicher Währung ein- und wieder ausführen zu können. Weiter müsse es Ausnahmeregelungen geben für all jene Firmen und Personen, die für die Weltmeisterschaft im Einsatz seien. Dies betreffe etwa Gesetze, die das Arbeitsrecht beträfen. Darüber hinaus müsse das Gastgeberland die gesamten Kosten für Sicherheitsmaßnahmen tragen – von den Hotelanlagen über Stadien bis hin zu Flughäfen, Bahnhöfen oder Fanmeilen. Auch stünden das oder die Gastgeberländer in der Pflicht für etwaige Vorfälle, die die Sicherheit gefährdeten, aufzukommen.

Für die WM 2026, bei der erstmals 48 statt wie bisher 32 Mannschaften teilnehmen werden, hat sich ein Verbund aus den USA, Mexiko und Kanada beworben. Ihre gemeinsame Bewerbung galt bislang als unschlagbar, dem Kontrahenten Marokko wurden keine Chancen ausgerechnet. Doch vor der Abgabe der Bewerbungsunterlagen am Freitag gibt es diverse Medienberichte, wonach das Land auf dem afrikanischen Kontinent mittlerweile ein ernstzunehmender Kandidat sei.

Trump hat viele Länder abgeschreckt

Die Politik des US-Präsidenten Donald Trump – mit seinem Mauerbau zu Mexiko oder seinem Einreiseverbot für Menschen aus ausgewählten muslimischen Ländern – habe die Bewerbung gefährdet, schreiben etwa ESPN oder der Kicker. Trumps Aussagen über die sogenannte Dritte Welt hätten demnach viele Länder verärgert. Deshalb gelte es mittlerweile als sicher, dass zum Beispiel die 54 Stimmen der afrikanischen Staaten und auch ein Großteil der Stimmen aus muslimischen Länder an Marokko gehen werden. Das Bewerberland für 2026 benötigt 104 Stimmen.

Auch die Anforderungen der Fifa stellen mittlerweile ein Problem dar: thebreaker berichtet, die kanadische Stadt Vancouver werde doch nicht wie geplant WM-Spiele austragen. Als Hauptgrund dafür wurden die hohen Kosten genannt. Weiter berichtet die Zeitung, die US-amerikanische Stadt Chicago habe ihre Zusage ebenfalls zurückgezogen. Bürgermeister Rahm Emanuel sprach von unkalkulierbaren Kosten für die Steuerzahler. Auch sei die Fifa nicht bereit gewesen zu verhandeln, berichtet die Chicago Sun-Times.

Die Fifa und ihr ehemaliger Chef Sepp Blatter waren in den vergangenen Jahren einer Vielzahl von Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Bis heute kämpft der Weltverband um sein Image. Auch damit könnte Marokko punkten, das Land kündigte eine "transparente Bewerbung" an. "Das Dossier wird von keinerlei Korruption beschmutzt sein. Die marokkanische Kandidatur wird vollkommen sauber sein", sagte vor Kurzem Marokkos Bewerbungschef Hicham El Amrani.