Audi-Einstieg beim FC BayernWird die Bundesliga zur VW-Betriebsmeisterschaft?

Steigt die VW-Tocher Audi bei Bayern ein, könnte die Uefa Wolfsburg von der Champions League ausschließen. Die DFL offenbart nicht nur in Beteiligungsfragen Rechtslücken. von Florian Zerfaß

Wer sitzt am Lenkrad von Fußballdeutschland?

Wer sitzt am Lenkrad von Fußballdeutschland?  |  © Bongarts/Getty Images

Die Nachricht ließ aufhorchen: Mitte September wurde bekannt, dass die Audi AG planen soll, sich mit 10 Prozent an der FC Bayern München AG zu beteiligen. Uli Hoeneß hat das zumindest nicht bestritten. Bisher gehören dem FC Bayern München e.V. 90 Prozent an der AG, 10 Prozent wurden bereits 2001 an Adidas verkauft. Noch ist der Deal nicht bestätigt.

Der geplante Einstieg von Audi hat eine besondere Note: Audi ist eine Tochter des Volkswagen-Konzerns, dem bereits 100 Prozent an der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH gehören. Eine Überkreuzbeteiligung also. Fehlt nur noch, dass Porsche beim VfB Stuttgart einsteigt, dann wird die Bundesliga zur VW-Betriebsmeisterschaft. Derzeit geht das zwar noch nicht, weil der VfB nach wie vor als eingetragener Verein antritt. Doch bei einer Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft stünde einem weiteren VW-Engagement keine Regel der Deutschen Fußball-Liga (DFL) im Wege. Auch Porsche gehört zum Volkswagen-Konzern.

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Die DFL hatte früh bekannt gegeben, keinen Einwand gegen den Audi-Deal der Bayern zu hegen. "Wir sehen keinen Grund, uns zu dieser Meldung zu äußern. In den Statuten gibt es es kein Verbot für mehrfache Beteiligungen", sagt Christian Müller, DFL-Geschäftsführer Finanzen und Lizenzierung.

Kritiker wenden ein, dass die DFL kein Instrument besitzt, bedenkliche Investitionen zu verhindern. "Bei der DFL herrscht Wunschdenken darüber, was man hofft, aus den Statuten lesen zu können", sagt der Frankfurter Anwalt Thomas Dehesselles, ein Spezialist für Sport- und Wirtschaftsrecht. "Das DFL-Statut sieht für Überkreuzbeteiligungen keine Schranke vor. 49 Prozent der Stimmen, mehr verbietet die 50+1-Regel, können Sie an beliebig vielen Klubs erwerben. Wenn die Unternehmen darüberhinaus der Hauptsponsor sind, haben Sie das Sagen, auch wenn Sie keine Mehrheit besitzen."

Anders handhabt dies die Uefa, die in Artikel 3 des Champions-League-Reglements zumindest Mehrheitsbeteiligungen an mehr als einem Klub explizit verbietet. Doch es muss nicht zwingend eine Mehrheitsübernahme sein. Die Uefa verbietet Personen oder Firmen, an mehreren Klubs beteiligt zu sein, wenn sie "in der Lage sind, Einfluss auf  Entscheidungen auszuüben." Also auch bei einer Minderheitsbeteiligung, wie im Fall Bayern.

Wo die Grenze ist, bedarf der Auslegung. "Ab 10 Prozent Beteiligung wird es interessant", sagt Dehesselles, "da besteht ein signifikantes Risiko. Ich würde das nicht eingehen, ohne das Vorgehen mit der Uefa abzustimmen." Die Uefa hält sich noch bedeckt. "Der FC Bayern hat uns noch nicht kontaktiert. So lange uns keine konkreten Informationen vorliegen, werden wir uns dazu nicht äußern", sagt Marcel Benz, der Leiter des sportrechtlichen Dienstes der Uefa. Er weist aber darauf hin: "Kapitalgesellschaften, die an Wettbewerben der Uefa teilnehmen, sind verpflichtet, uns Änderungen der Besitzverhältnisse mitzuteilen. Wenn es soweit ist, werden wir die Angelegenheit genau prüfen."

Im schlimmsten Falle wäre die Konsequenz, dass entweder Wolfsburg oder Bayern aus der Champions League ausgeschlossen wird. Schließlich stiege durch eine Überkreuzbeteiligung nicht zuletzt die Gefahr sportlicher Manipulation. Eine derart harte Sanktion hält Benz für möglich, wenn auch unwahrscheinlich.

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