Champions League Das Vielnullenspiel

Da Geld eben doch Tore schießt, will die Uefa ab 2012 finanzielle Chancengleichheit zwischen den großen Vereinen Europas gewährleisten. Das wird kaum gelingen

Vor dem Champions-League-Spiel gegen den FC Zürich jongliert Real Madrids Cristiano Ronaldo den Ball auf dem Kopf. Ob seine Kunststückchen 94 Millionen Euro Ablöse wert waren, bezweifelt die Fußballwelt

Vor dem Champions-League-Spiel gegen den FC Zürich jongliert Real Madrids Cristiano Ronaldo den Ball auf dem Kopf. Ob seine Kunststückchen 94 Millionen Euro Ablöse wert waren, bezweifelt die Fußballwelt

Trotz zweier Siege zum Auftakt - kaum ein Experte traut dem VfL Wolfsburg, dem FC Bayern München oder dem VfB Stuttgart in der Champions League mehr zu als das Erreichen des Viertelfinales. Die Großen der Bundesliga sind in der höchsten europäischen Spielklasse nur kleine Nummern im Vergleich zu Real Madrid oder Manchester United.

"Das Beispiel Real Madrid beweist einmal mehr, dass das Geld gerade diesen Wettbewerb mehr und mehr verzerrt", schreibt Felix Magath in seiner Kolumne im Kicker. "Die Voraussetzungen sind durch die immensen Fernsehgelder so unterschiedlich geworden, dass von einem fairen Wettbewerb schon lange nicht mehr die Rede sein kann."

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Real Madrid also. Über 250 Millionen Euro investierte Präsident Florentino Perez nach einer weiteren enttäuschenden Saison ohne Titel in neue Spieler: 94 Millionen Euro für den portugiesischen Weltfußballer Cristiano Ronaldo, 65 Millionen Euro für den Brasilianer Kaká, 35 Millionen Euro für den französischen Stürmer Karim Benzema, weitere Millionen für Ezequiel Garay, Raúl Albiol, Xabi Alonso.

Ein Irrsinn angesichts folgender Zahlen: Zwischen 7,1 Millionen und 31,2 Millionen Euro wird jeder Champions-League-Teilnehmer in dieser Saison allein an Spiel- und Siegprämien von der Uefa erhalten. Hinzu kommen Zuschauer- und Fernseheinnahmen. Doch selbst mit diesen immensen Summen lassen sich die neuen Stars in Madrid nicht refinanzieren.

Spiel- und Siegprämien

1,1 Milliarden Euro nimmt die Uefa in dieser Saison mit der Champions League ein. 750 Millionen Euro davon werden an die 32 Teilnehmer ausgeschüttet. Eine Erhöhung des Startgeldes garantiert den Vereinen bereits in der Gruppenphase mindestens 7,1 Millionen Euro an Prämien. Zusätzlich können in den sechs Vorrundenpartien jeweils 800.000 Euro für einen Sieg beziehungsweise 400.000 Euro für ein Unentschieden eingespielt werden. Das Erreichen des Achtelfinales wird mit drei Millionen Euro belohnt, das Viertelfinale mit 3,3 Millionen und mit vier Millionen das Halbfinale. Im Finale am 22. Mai 2010 in Madrid winken dem Sieger neun Millionen, der unterlegene Finalist darf sich mit 5,2 Millionen Euro trösten. Die Höchstsumme, die über Prämien zu erlösen ist, beträgt 31,2 Millionen Euro.

Marktpool

Zusätzlich zu den Spiel- und Siegprämien erhalten die Vereine Zahlungen aus dem sogenannten Marktpool, der unter anderem vom Wert der nationalen Fernsehmärkte abhängig ist. Von den insgesammt 337,8 Millionen Euro bekommen die deutschen Vereine 38 Millionen Euro, die folgendermaßen aufgeteilt werden: Eine Hälfte richtet sich nach der Platzierung in der letzten Bundesliga-Saison. Wolfsburg erhält als Meister etwa 8,55 Millionen, Bayern als Vizemeister 6,65 Millionen und Stuttgart als Dritter 3,8 Millionen. Der Rest wird erfolgsabhängig ausgezahlt. Zusammen mit diesen Geldern ist jeder deutschen Mannschaft allein durch die Teilnahme an der Champions League ein zweistelliger Millionenbetrag sicher.

Damit soll nun Schluss sein. Das Uefa-Exekutivkomitee hat am Dienstag die Einführung eines kontinentalen Kontrollverfahrens beschlossen. Es soll dem finanziellen Wettrüsten der Top-Klubs ein Ende setzen. Von der Saison 2012/13 an müssen die Klubs belegen, dass Investitionen in Spieler, Transfersummen und Gehälter, refinanziert werden können – zum Beispiel durch Sponsoring-Einnahmen, Trikotverkäufe und Sachwerte wie Stadion oder Vereinsgelände. Die Millionen der reichen Geldgeber wie Dietmar Hopp oder Roman Abramowitsch werden nicht einberechnet. Bis die Regelung in Kraft tritt, sollen mit Blick auf die weltweite Finanzkrise die Ausgaben für Transfers, Gehälter und Beraterhonorare reduziert werden.

Verstöße gegen die Vorschriften der Uefa können in Zukunft auch für die Vorzeigevereine zu harten Strafen führen; bis hin zum Ausschluss aus der Champions League. Uefa-Präsident Michel Platini scheint seinen Plan für eine strengere Prüfung der Vereins-Bilanzen und für mehr Chancengleichheit im Europapokal durchgesetzt zu haben. Doch wie fair ist das finanzielle Fair-Play-Konzept der Uefa wirklich? Wird es die Chancen auf einen Champions-League-Titel für deutsche Mannschaften erhöhen?

Es werde wieder leichter, Titel in den europäischen Wettbewerben zu gewinnen, so sieht DFB-Präsident Theo Zwanziger die national schon streng kontrollierten deutschen Klubs als Gewinner der neuen Regeln.

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