Dank toller Moral und drei Joker-Toren haben die deutschen Fußball-Frauen ein neues Kapitel ihrer EM-Erfolgsstory geschrieben. Der ehemalige Weltmeister Norwegen ging vor 2765 Zuschauern in Helsinki bereits in der 10. Spielminute nach einem Torwartfehler von Nadine Angerer durch Isabell Herlovsen in Führung. Doch die DFB-Auswahl drehte die Halbfinalpartie gegen Norwegen noch und feierte mit dem hart erkämpften 3:1 (0:1)-Sieg den insgesamt siebten Einzug in ein EM-Finale. Und baute die unglaubliche Serie des sechsmaligen Titelträgers auf nunmehr 25 EM-Spiele ohne Niederlage seit 1995 aus.

Am Donnerstag (18 Uhr/ZDF und Eurosport) wartet England im Finale, das am Sonntag Holland mit 2:1 nach Verlängerung besiegte. Mit einem Erfolg könnte die DFB-Elf den fünften EM-Titel hintereinander feiern.

Die DFB-Auswahl, die Norwegen vor zwei Wochen zum EM-Auftakt mit 4:0 besiegt hatte, trat mit nur einer Veränderung gegenüber dem Viertelfinale an. Innenverteidigerin Ariane Hingst, die beim 2:1 gegen Italien einen Meniskus- und Knorpelschaden im linken Knie erlitten hatte, wurde durch ihre Frankfurter Klubkameradin Saskia Bartusiak ersetzt. 
Nach schwungvollem Beginn wurde das deutsche Team gleich bei der ersten norwegischen Aktion kalt erwischt: Eine von Ingvild Stensland getretene Ecke segelte über Torhüterin Nadine Angerer hinweg durch den Strafraum an den zweiten Pfosten, wo Herlovsen den Ball über die Linie bugsierte.

Nur wenige Minuten später trafen die Norwegerinnen beinahe erneut ins Tor des Welt- und Europameisters. Wiederum zeigte Angerer ungewohnte Unsicherheiten und konnte eine Stensland-Ecke nicht weit genug wegfausten, so dass die im Hinterhalt lauernde Lene Storlökken (21.) frei zum Schuss kam. Doch diesmal hatte die DFB-Keeperin Glück, dass der Ball nur am Pfosten landete.

Mittelfeldspielerin Linda Bresonik zog sich kurz vor der Pause im Zweikampf eine Kapselverletzung am linken Sprunggelenk zu und musste durch Laudehr ersetzt werden. 
Trainerin Neid hatte mit der durch Bresoniks Verletzung erzwungenen Einwechselung von Laudehr und der Hereinnahme von Okoyino da Mbabi ein äußerst glückliches Händchen. In der zweiten Hälfte warfen die DFB-Frauen alles nach vorn und wurden für ihren Mut und ihr Engagement belohnt.