Haxen, Hendel und Humpen "Bei Blasmusik steh ich auf dem Tisch"
Er liebt Haxen, Hendel und Humpen, lebt Tradition und mag's zünftig. Das vollblutbayerische Herz Philipp Lahms schlägt schneller, denn nächste Woche beginnt das Oktoberfest
© Johannes Simon/Bongarts/Getty Images

Mir san so froh wenn die Musi spuit - Philipp Lahm und seine Freundin Claudia vor dem Käfer-Zelt
ZEIT ONLINE: Herr Lahm, wie viele Maß haben Sie im vergangenen Jahr auf der Wiesn ... geklaut?
Philipp Lahm: Also bitte! Gar keins, natürlich.
ZEIT ONLINE: Okay, wie viele getrunken?
Lahm: Ich bin ein Freund der Radlermaß. Davon kann man schon mal eine oder zwei trinken.
ZEIT ONLINE: Nicht mehr?
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Lahm: Nicht mehr.
ZEIT ONLINE: Sie sind doch echter Münchner.
Lahm: Als echter Münchner geh ich in Tracht auf die Wiesn. Das ist eine schöne Tradition, die ich gerne pflege. Schon als kleiner Junge war ich mit meinen Eltern auf dem Oktoberfest, und wir haben uns zusammen den Trachtenumzug angeschaut. All die Pferde, Wägen, Trachten, das ist doch höchst vergnügsam.
ZEIT ONLINE: Wie ist das mit "die Ausländer"? Müssen Sie Luca Toni in die Lederhose zwingen?
Lahm: Von wegen! Für den ist das eine Freude. Wie für alle. Ich erinnere mich noch an Zé Roberto. Der hat sich gefreut wie ein Bub, wenn er die Lederhosen anzog.
ZEIT ONLINE: Louis van Gaal können wir uns nur schwer in den Dingern vorstellen.
Lahm: Da täuschen Sie sich. Bei einem Fotoshooting hat er sie längst angehabt. Beim FC Bayern ist das Vorschrift. Da gibt es keine Diskussion.
Die Frauen kommen im Dirndl. Wie es sich gehört.
ZEIT ONLINE: Das werden wir Preußen ja nie verstehen.
Lahm: Ihr werdet’s schon noch begreifen. Wir gehen in Tracht selbst auf Hochzeiten. Und die Frauen kommen im Dirndl. Wie es sich gehört.
ZEIT ONLINE: Ja, des is fesch, stimmt schon. Wir haben uns schlau gemacht. Testfrage: Wissen Sie, welche Bedeutung die Position der Schleife am Dirndl einer Frau hat?
Lahm: Eine Seite bedeutet Single, die andere Seite bedeutet vergeben. Nur welche Seite was meint? ... Ich bin mir nicht sicher. Aber ich bin ja in festen Händen, ich muss das nicht wissen.
ZEIT ONLINE: Gerade dann sollten Sie es wissen, Herr Lahm. Drauf achten: rechts bedeutet vergeben. Links heißt: Aufforderung zum Angriff.
Lahm: (Pause) Danke, das könnte in der Tat ein nutzvoller Hinweis sein.
ZEIT ONLINE: Sie haben zwei Jahre in Stuttgart gespielt. Was ist der Cannstatter Wasen gegen das Oktoberfest?
Lahm: Pah! Der Wasen und die Wiesn sind zwei Welten. Das Oktoberfest ist gewaltig: die Zelte, die Stände, die Fahrgeschäfte, es kommen Millionen von Besuchern. Den Wasen kann man vielleicht mit dem Frühlingsfest in München vergleichen.
ZEIT ONLINE: Keine Angst, dass Sie es sich im Moment, wo Sie das sagen, mit alten Freunden verscherzen?
Lahm: Der Wasen ist im Vergleich zur Wiesn eine Kirmes. Den kann man nicht großreden.
ZEIT ONLINE: Sie haben in diesem Jahr vier Oktoberfest-Heimspiele. Ist das etwas Besonderes?
Lahm: Ja. Viele Fans gehen nach den Spielen auf die Wiesn. Die wollen feiern, und deshalb sollte man schon gewinnen. Auch die Mannschaft freut sich auf das Oktoberfest.
Der Wasen ist im Vergleich zur Wiesn eine Kirmes.
ZEIT ONLINE: Wie läuft ein Besuch des FC Bayern auf der Wiesn ab?
Lahm: Wir treffen uns sonntags um 13 Uhr im Käfer-Zelt mit Frauen und Familie. Bis 19 Uhr haben wir reserviert. Es gibt Kaffee, Kuchen und Essen.
ZEIT ONLINE: Und Sie wollen uns wirklich erzählen, dass Sie in sechs Stunden nur eine bis zwei Radlermaß trinken?
Lahm: Ich gebe es zu: Es gab auch bei mir Tage, an denen ich (Funkstörung) Maß mehr getrunken hab.
ZEIT ONLINE: Aha, da kommen wir der Sache schon näher. Zwischen 8,30 Euro und 8,60 Euro kostet die Maß Bier in diesem Jahr. Guter Preis?
Lahm: In diesem Jahr wurden die Preise wieder erhöht. Hendel, Maß und Fahrgeschäfte sind in der Tat ein teures Vergnügen. Als Normalverdiener ist es schwer geworden, da geht man höchstens ein Mal. Für manche reicht es nur für eine Fischsemmel. Unseren Nachmittag spendiert natürlich der FC Bayern. Für die anderen Besucher ist das Oktoberfest ein teurer Spaß.
ZEIT ONLINE: Fahren Sie Schiffschaukel, Geisterbahn oder Auto-Scooter?
Lahm: Ich bin eher der Typ, der an Ständen rumlungert. Dort, wo man mit Bällen auf Büchsen ...
ZEIT ONLINE: ... schießt ...
Lahm: Wirft. Früher bin ich auch schon mal Wilde Maus gefahren. Aber fünf Loopings nacheinander brauch ich nicht mehr.
ZEIT ONLINE: Schon mal 100 Euro gelatzt, um ne Kapelle zu dirigieren?
Lahm: Nein, aber Blasmusik find ich zünftig. Ich mag die Musik in den Zelten. Eine traditionelle, bayerische Blaskapelle ist super. Und wenn ein Wiesn-Klassiker wie Fürstenfeld von STS gespielt wird, dann singe ich mit.
ZEIT ONLINE: Laut?
Lahm: Nicht selten.
ZEIT ONLINE: Auf dem Tisch?
Lahm: Auch schon mal.
ZEIT ONLINE: Andreas Beck hat uns gesagt, dass viele Fußballer nicht die besten Tänzer sind. Schwingt Philipp Lahm im Bierzelt die Hüften?
Lahm: Ich bin zugegebenermaßen ein schlechter Tänzer. Ich geh gerne zum Essen aufs Oktoberfest.
ZEIT ONLINE: Von der bayerischen Küche brauchen Sie uns nicht zu überzeugen, doch dürfen Sie das als Nationalspieler überhaupt?
Lahm: Was denken Sie denn? Ich liebe Deftiges: Braten, Schnitzel, Knödel. Und in der Sonne ein Hendel im Garten zu essen, ist das schönste an der Wiesn. Man muss eben darauf achten, dass man nicht nur zünftig isst, sondern alles ausgewogen bleibt.
Es ist immer wieder schön zu hören, wenn Hitze mit seiner Mama telefoniert.
ZEIT ONLINE: Geht auch ne Schweinshaxen?
Lahm: Es geht auch ne Schweinshaxen. Vielleicht schaffe ich es dieses Jahr ja gelegentlich zum Mittagessen?
ZEIT ONLINE: Gehen Sie auch privat auf die Wiesn?
Lahm: Ja, aber eher mittags. Dann verstecke ich mich unter einem großen Trachtenhut, damit ich nicht gleich erkannt werde. Abends können viele Leute nicht mehr gerade laufen. Dennoch: Ich liebe das Oktoberfest. Weil’s für alle da ist, ob Italiener, Japaner, Amerikaner oder Preußen.
- Alles Außer Fußball
Alles außer Fußball ist die Kolumne von Katja Kraus, Corny Littmann, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Alle zwei Wochen geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Die vier sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Littmann, Hitzlsperger, Friedrich und Kraus wollen ihre Meinung sagen, beispielsweise zu den Herausforderungen der Bundesregierung, zum Alltag in der Bundesliga und darüber, wie das zusammenhängen kann.
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Die Gespräche mit Philipp Lahm, Thomas Hitzlsperger, Andreas Beck und Corny Littmann stehen Ihnen auch als E-Book nach dem Download jederzeit und überall zur Verfügung.
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ZEIT ONLINE: Apropos, können Sie uns ein wenig Nachhilfe geben? Wie macht man der Kellnerin Komplimente, und wie beschwert man sich, wenn die Maß nicht richtig voll ist? Auf Bairisch, bitte!
Lahm: Das soll mal schön der Hitzlsperger machen. Ich bin in München groß geworden und musste in der Schule immer Hochdeutsch reden. Der Hitze kommt vom Land und spricht besser bairisch als ich. Es ist immer wieder schön zu hören, wenn er mit seiner Mama telefoniert.
Die Fragen stellten Oliver Fritsch und Tobias Reitz.
- Datum 10.02.2010 - 14:43 Uhr
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- Serie Alles außer Fußball
- Quelle ZEIT ONLINE
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Griabig!
»Auf Bayerisch, bitte!«
Es ist glaube ich nun das vierte oder fünfte Mal, daß ich das schreibe, ich gebe trotzdem die Hoffnung nicht auf, daß ihr Hanseaten euch das irgendwann mal merkt:
Das Land: Bayern
Das Adjektiv: bayerisch
Die Sprache: Bairisch.
Hawe d'Ehre.
der cannstatter wasen heißt weiterhin wasen und wird von nix und niemanden im schwabenland als "wasn" bezeichnet. wo kommen wir denn da hin?!?
Danke, wir werdens schon no begreifen. Gilt "Bairisch" nur für die Sprache oder auch für die Küche und das Herz?
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