Verträge im Profifussball Wenn beim Fußball der Fußball ins Spiel kommt
Zwischenzeitig wurde Markus Miller Opfer einer nicht unüblichen Vertragsklausel - und des Zufalls im Sport. Heute Abend darf der beste der drei Karlsruher Torhüter wieder spielen.
© Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Wieder da, wo er hingehört: KSC-Goalie Markus Miller
Karlsruhe - Markus Miller hatte in dieser Woche gute Laune. Beim Training, das er zuvor ein paar Wochen lang unfreiwillig versäumt hatte, scherzte er mit dem dritten Torwart Kristian Nicht, als wäre nichts gewesen. Jeff Kornetzky, der die ersten Saisonspiele bestritten hatte, schien nicht ganz so gut gelaunt. Auch er weiß, dass beim Zweitliga-Topspiel heute Abend in Cottbus (20.15, DSF) wieder Miller im Tor stehen wird. Jener Miller, der als Stammtorwart aussortiert worden war, obwohl er einen gültigen Vertrag hatte. Und obwohl er im Verein beliebt ist.
In den Wochen zuvor hatte der 27-Jährige alleine trainieren müssen. Wenn seine Mannschaftskameraden den Trainingsplatz verließen, betrat Miller ihn. Auch das reduzierte Einzeltraining gewährte man ihm wohl nur, weil der Klub arbeitsrechtlich dazu verpflichtet war.
In der Stadt hatte sich längst ein wilder Streit darüber entfesselt, wer an der misslichen Situation schuld ist: Der Verein, der einen verdienten Spieler ins Abseits stellte, weil er einen Vertrag, den er selbst ausgehandelt hatte, nicht mehr erfüllen konnte? Oder ein Spieler, der sich maßlos überschätzt hatte und nun die gerechte Strafe für seinen Hochmut bekommt? Miller hatte bis zuletzt gehofft, doch noch zu einem Erstligisten im In- oder Ausland wechseln zu können, und sich geweigert, über Korrekturen am gültigen Vertrag zu verhandeln.
Als Miller im Januar seinen Vertrag verlängerte, galt er als einer der besten deutschen Torhüter. Einige Kommentatoren hatten ihn gar in die Nähe der Nationalmannschaft gelobt. Es hieß, Interessenten aus der Premier League hätten angeklopft; das Interesse zahlreicher Bundesligisten ist verbürgt. Tatsächlich hatte Miller in der Aufstiegssaison der Karlsruher 2007/08 hervorragend gehalten.
Kein Wunder, dass der Verein unbedingt mit ihm verlängern wollte. Offiziell, um ihn an den KSC zu binden. Inoffiziell, um bei seinem Weggang wenigstens eine Ablösesumme zu kassieren. Denn die muss der interessierte Verein nur bei einem Spieler mit gültigem Arbeitsvertrag zahlen. Die fixierte Ablöse von 1,2 Millionen Euro hätte dem notorisch klammen KSC weitergeholfen und Miller einen Wechsel zu so gut wie jedem halbwegs solventen Verein ermöglicht. 1,2 Millionen galten im Januar als sehr moderate Summe für einen Keeper von Millers Klasse. Ein guter Deal für alle Beteiligten.
- Datum 14.09.2009 - 15:29 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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