Fussball-Presseschau Der Künstler Mesut Özil und sein Fuß, der nie rumpelt

Der Bremer Spielmacher weckt beim 2:0 gegen Südafrika die Sehnsucht der Chronisten nach einem Spielmacher – und muss sich Vergleiche mit der DFB-Ahnenreihe gefallen lassen

Setzt inzwischen vorsichtig Zeichen: Mesut Özil

Setzt inzwischen vorsichtig Zeichen: Mesut Özil

"Endlich ein Künstler", jubelt die FAZ, und Peter Heß lässt sich beim 2:0-Sieg der Deutschen gegen Südafrika von Mesut Özil ans Licht führen: "Plötzlich ist er da – der Sonnenstrahl, der das monotone Bild erhellt. Zuletzt bot bei Länderspielen der Blick auf den Rasen ein tristes Grau aus mal mehr, mal minder ausgeprägtem läuferischem Bemühen und schnellem spielerischem Scheitern. Und dann dreht dieser Mesut Özil in einer Weise auf, die den Fan jauchzen und sogar die Mitspieler applaudieren lässt."

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Andreas Lesch (Berliner Zeitung) besingt Özil in einem Gedicht: "Er hat bewiesen, dass er die Kunst beherrscht, mit einer Drehung, einem Pass, einer Idee eine völlig neue Situation aufs Feld zu zaubern. Er hat einen Fuß, der niemals rumpelt. Er hat getanzt, fast hat es ausgesehen, als schwebte er. Er hat so schwerelos gewirkt, so undeutsch, so leicht. Özil hat mit seinem Debüt als deutscher Spielmacher Sehnsüchte befriedigt und Stoff zum Träumen geboten, er hat beängstigend gut funktioniert."

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Philipp Selldorf (SZ) rückt ihn in eine ehrwürdige Ahnenreihe des deutschen Fußballs: "Özils Trikot trug die Nummer 22, doch auf einmal waren sich alle darüber einig, dass die deutsche Elf den Sieg einem wahren 10er verdankte – einem klassischen Regisseur moderner Prägung. Und auf diese sakrosankte Spielfigur hat man hierzulande ungefähr seit den Zeiten des großen, kleinen Thomas Häßler verzichten müssen. Wobei Özils Fertigkeiten auf vielerlei Vorfahren verweisen: Von Häßler etwa hat er die erfüllte Liebe zum Ball und von Uwe Bein die Fähigkeit, mitten durch die unruhig umeinanderlaufende Menge die Bahn für den finalen Pass zu finden."

Als ein weiteres Zeichen gelungener Integration wertet Markus Lotter (Berliner Zeitung) Özils Streben: "Er ist der Regisseur aus der Tiefe des multikulturellen Raumes, der glücklicherweise immer mehr Spieler hervorbringt, die deutsche Tugenden und fremdländische Finesse in sich vereinen. Fortsetzung folgt mit einer Achse der Internationalität: Serdar Tasci, Deutschtürke, Sami Khedira, Deutschtunesier, Mesut Özil, Deutschtürke, Mario Gomez, Deutschspanier. Die Welt spielt für Deutschland."

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Christian Gödecke (Spiegel Online) motiviert Bastian Schweinsteiger mit einem Özil-Vergleich: "Was für ein Kontrast! Özil hat das deutsche Spiel bestimmt, Schweinsteiger lieferte eine Leistung zum Wegschauen: Ballverluste, Kullerpässe, Schlappschüsschen. 25 Jahre alt ist Schweinsteiger jetzt, er spielt immer noch in München. Es gibt auch Menschen, die fragen, warum der hoch talentierte Spieler noch nicht ins Ausland gewechselt ist. Oder zu einem Bundesliga-Klub mit Ambitionen, bei dem Schweinsteiger regelmäßig auf einer Position spielen kann. Und nicht Verschiebemasse ist wie in München, wo sie jetzt erst mal alle 'Robbéry' bejubeln."

 
Leser-Kommentare
  1. Er ist zwar keine Leuchte, aber bzgl. Özil hatte Lothar Matthäus wirklich mal recht, als er sagte man sollte ihm erstmal Zeit geben und ihn nicht nach EINEM Spiel in alle Höhen loben. Die deutsche Medienlandschaft lässt ihn dann nach einem schlechten Spiel genauso schnell wieder im Boden versinken...gebt ihm Zeit, der Kerl hat sehr viel Potential, aber ist gerade mal 20.

  2. ...typisch deutsch. Ganz im Gegenteil. Typisch deutsch war die Zeit unter Mayer-Vorfelder, als die DFB-Elf eben kein Abbild der deutschen Gesellschaft war.

    Das hat sich endlich, zumindestens auf dem Platz, geändert. Und dass die Medien danach lechzen, einen Spieler "hochzusterelisieren" oder zu verdammen, ist mitnichten "typisch deutsch".

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