Fussball-Presseschau Ein Scheitern Babbels wäre ein Scheitern Heldts

Stuttgart bleibt erfolglos und hält am Trainer fest, die Bayern gewinnen wieder, haben aber keinen Plan, in Mönchengladbach sehen nüchterne Zuschauer eine trockene Nullrunde.

Dein Schicksal ist auch meins: Markus Babbel und Horst Heldt

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Roger Repplinger (taz) analysiert die Erfolglosigkeit des VfB Stuttgart, 0:1-Verlierer in Hannover: "Die Mannschaft spielte nicht gegen den Trainer. Sie spielte gar nicht. Wenn das, was der VfB in Hannover zeigte, nicht Verunsicherung ist, dann gibt es keine."

Jan Christian Müller (FR) rät Manager Horst Heldt dazu, an Trainer Markus Babbel festzuhalten: "Ein Scheitern von Babbel wäre noch viel mehr ein Scheitern von Heldt. Nur: Der VfB braucht den Manager." Das übrige Personal habe nicht die nötigen sportlichen Verbindungen. "Deshalb muss Heldt derzeit auch im eigenen Interesse stark sein. Schon nach dem Titel 2007 floppten seine Einkäufe allesamt. Zwei Jahre später könnte es passieren, dass der Manager beim Einkauf wieder daneben gegriffen hat: Hleb, Kuzmanovic und Progrebnjak standen aus guten Gründen allesamt am Ende nicht mehr auf dem Platz."

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Markus Lotter (Berliner Zeitung) nimmt frühere Fehler der Stuttgarter ins Programm: "Der VfB ist aufgrund seiner Neigung zum Unbeständigen ein Mysterium der Bundesliga. Kein anderer Stammgast in der obersten deutschen Spielklasse hat eine derart unruhige Erfolgskurve vorzuweisen wie der Verein für Bewegungsspiele. Das Problem Stuttgarts ist aber grundsätzlich kein Trainerproblem. Allzu oft haben die Stuttgarter die üblichen Reflexe gezeigt und sich viel zu früh von ihrem Trainer getrennt, getreu der Kausalität: wenn wir nicht wissen, woran es liegt, trifft es halt den Trainer."

Kein Plan?

Bayern München gewinnt sehr knapp nur durch ein Tor in der vorletzten Minute gegen Eintracht Frankfurt. Sebastian Gierke (Berliner Zeitung) schildert Stimmung und analysiert: "Die Erleichterung erfüllte das Stadion bis in den letzten Winkel, wurde zu vibrierender Energie, umhüllte die Spieler, den Trainer wie einen Heiligenschein. Doch auch der konnte nicht darüber hinwegtäuschen: Die Bayern sind von alter Souveränität noch weit entfernt." Dennoch, heißt es weiter: "Das Team wirkt stabiler als unter Klinsmann."

Katrin Weber-Klüver (Financial Times Deutschland) sucht nach einer Strategie: "Wenn Bayern keinen Plan hat, gibt der Verein Geld aus. Jüngst hat er sehr viel Geld ausgegeben. Aber verfügt er deswegen tatsächlich über keinen Plan? Wenn man das bloß wüsste. Zwingend ist es nicht. Vielleicht war und ist van Gaals Masterplan einfach, mit Arjen Robben und Franck Ribéry auf den Flügeln die 4-3-3-Chose schon titeltauglich zu schaukeln. Empirisch gibt es da eine Schwachstelle, genauer gesagt zwei: die Körper von Robben und Ribéry. Das eine ist die Idee, das andere die Realität."

Sehnsucht nach Entschleunigung

Bernd Müllender (taz) berichtet von einem Novum beim Spiel Mönchengladbach gegen Köln: "Erstmals wurde bei einem Fußballspiel in Deutschland ein flächendeckendes Alkoholverbot verhängt. Natürlich funktionierte die Null-Komma-null-Strategie nicht wirklich. In den Zügen galt vorsorgliche Druckbetankung. Parole: Schnell zuschütten bis der Bahnhof kommt. Bei der Prohibitionspremiere kamen wohl mehr betrunkene Fans zu einem Spiel als je zuvor." Fußball gespielt wurde übrigens auch noch, zumindest wurde es versucht: "Es war ein gemeinschaftliches Fehlpassfestival, mit dem Unterhaltungswert einer Lesung aus dem örtlichen Telefonbuch. Bei der Borussia spielte einer hektischer als der andere. Köln hatte eine komplette Offensivallergie. Lukas Podolski joggte herum, als wäre er ein verkappter Borusse."

Anders wertet Richard Leipold (FAZ) die Sicherheitsmaßnahme: "Angesichts der Ausschreitungen im Vorjahr zeigte die Polizei eine Präsenz, die auf eine Konferenz hochrangiger Politiker schließen ließ, brauchte aber nur bei kleineren Zwischenfällen einzugreifen. Das Alkoholverbot, das auf vielen Straßen bis zum Anpfiff galt, hatte die gewünschte Wirkung erzielt."

Eine Kooperation mit dem Indirekten Freistoß

Immer montags und freitags veröffentlichen wir auf ZEIT ONLINE unsere Fußball-Presseschau zu den wichtigsten Themen der aktuellen Fußballberichterstattung. Die Presseschauen werden von unserem Kooperationspartner indirekter-freistoss.de erstellt.

indirekter-freistoss.de ist ein Fußball-Blog, das täglich die besten und wichtigsten Textausschnitte aus der deutschen Fußball-Presse sammelt, zitiert, verlinkt und kommentiert. Gegründet wurde das Blog im Jahr 2001 von Oliver Fritsch, der seit dem Jahr 2008 für ZEIT ONLINE als Autor arbeitet.

Daniel Theweleit (Berliner Zeitung) bemerkt eine Änderung bei der Borussia: "Die Fußballmenschen von Mönchengladbach sind müde nach Jahren der selbstzerstörerischen Personalrotation. Seit im Frühjahr 2004 der Unternehmer Rolf Königs zum Präsidenten gewählt wurde, kamen und gingen sieben Trainer, vier Sportdirektoren und über siebzig Spieler. Mittlerweile gibt es eine tiefe Sehnsucht nach einer Entschleunigung. Im Gegensatz zum Vorjahr wirkt die Mannschaft entwicklungsfähig, es gibt gute Einzelspieler, einen klar erkennbaren spielerischen Ansatz und keine Profis, die grundsätzlich überfordert sind. Das Engagement stimmt, nur die Effizienz fehlt."

 
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