Bundesliga, 11. Spieltag Bochum bleibt Punktelieferant
Die Verpflichtung von Heiko Herrlich als Trainer brachte den VfL-Profis noch keinen Leistungsschub. Hoffenheim nutzt die Patzer der Konkurrenz. Alle Spielberichte
© Vladimir Rys/Bongarts/Getty Images

Bochums Torwart Philipp Heerwagen streckt sich vergeblich. Seine Mannschaft verlor mit 1:2 in Frankfurt
Eintracht Frankfurt - VfL Bochum 2:1
Heiko Herrlich hat bei seinem Trainerdebüt den Absturz der Bochumer nicht stoppen können und ist gleich als Krisenmanager gefordert. Durch die siebte Saisonniederlage bleibt der VfL mit mageren acht Punkten Tabellen-Vorletzter, während sich die Hessen (16) auf Platz neun vorschoben. Vor der Saison-Minuskulisse von 37.500 Zuschauern in der Commerzbank-Arena sorgten Caio (14. Minute) und Maik Franz (25./Eigentor) für den Pausenstand; danach avancierte Pechvogel Franz mit seinem siegbringenden Kopfballtreffer zum Glückspilz (53.). Ein seltenes "Kunststück" lieferte Bochums Shinji Ono ab: Zwischen Gelb und Gelb-Rot für den Japaner lagen nicht einmal 60 Sekunden.
In der ersten Halbzeit stellte Frankfurt noch die bessere von zwei schwachen und verunsicherten Mannschaften, Bochum hatte bei der vierten Niederlage in Serie kaum mehr als kämpferischen Einsatz zu bieten - und in 92 Minuten keinen einzigen Torschuss. Die Eintracht spielte zwar engagierter, zündende Ideen blieben aber vor der Pause Mangelware. Nikos Liberopoulos hatte Pech, als sein Kopfball nur auf der Latte landete (12.), zwei Minuten später zielte Kollege Caio genauer: Aus knapp 30 Metern versenkte der zuletzt viel geschmähte Brasilianer einen direkten Freistoß im Tor - VfL-Keeper Philipp Heerwagen reagierte zu spät. Mit der Aufstellung von Caio, der neu ins Team rückte, bewies Eintracht-Coach Michael Skibbe ein glückliches Händchen.
Als der Grieche Liberopoulos mit einem Kopfball den Pfosten (25.) traf, war das diesmal nicht das Signal zum nächsten Treffer. Beim Gegenstoß der Gäste flankte Joel Epallé vor das Eintracht-Tor, Franz fälschte den Ball mit dem rechten Knie ins eigene Netz ab. Schon bei der 0:4-Niederlage der Hessen im Pokal-Achtelfinale gegen Bayern München hatte der Verteidiger einen schwarzen Tag erwischt und ein Tor verschuldet.
Die Frankfurter agierten nach dem unglücklichen 1:1 keineswegs demoralisiert und machten weiter Druck: Nach einer Flanke von Patrick Ochs vergab Caio die erneute Führung nur knapp (42.). Beim 2:1 avancierte Pechvogel Franz zum Glückspilz: Mit einem Kopfball aus drei Metern machte er seinen Fehler wieder gut. Die Steigerung der Skibbe-Elf nach der Pause zahlte sich aus, Alexander Meier hatte nach einem energischen Solo das 3:1 auf dem Fuß (65.).
Fünf Tage nach seiner Verpflichtung für Marcel Koller schickte Herrlich eine auf drei Positionen veränderte Startelf auf den Rasen: Für Paul Freier, Mimoun Azaouagh und Diego Klimowicz bekamen zunächst Epallé, Dennis Grote und Zlatko Dedic ihre Chance. Doch zwingende Aktionen gelangen dem Abstiegskandidaten, der nach zuvor drei Niederlagen und dem Trainerwechsel höchst verunsichert und planlos wirkte, nicht.
SC Freiburg - 1899 Hoffenheim 0:1
Ralf Rangnicks Mannschaft ist der große Gewinner des Spieltages. Mit dem verdienten Erfolg im badischen Derby gelang den Hoffenheimern als einzigem Team aus dem oberen Tabellendrittel ein Sieg. Ein genialer Schuss des Brasilianers Maicosuel (39.) von der Strafraumgrenze sorgte schon vor dem Wechsel für die Entscheidung.
Nach dem ersten Erfolg in der Fremde nach zwei Auswärtspleiten liegen die Hoffenheimer als Tabellenfünfte nur noch drei Punkte hinter Spitzenreiter Bayer 04 Leverkusen. Immerhin steigerten sich die Freiburger vor 24.000 Zuschauern nach einer völlig desolaten Leistung in der ersten Halbzeit und sorgten dafür, dass die Fans zumindest im zweiten Abschnitt ein unterhaltsames Spiel sahen. Doch die Gastgeber konnten die vierte Niederlage hintereinander und das Abrutschen in die Abstiegszone nicht mehr verhindern.
Bedenklich war der Auftritt des Aufsteigers vor der Pause. Die Breisgauer ließen jede Bundesliga-Reife vermissen - mit Ausnahme von Torwart Simon Pouplin. Das Abwehrverhalten war bisweilen kurios, Fehlpässe wurden ohne Not produziert, dazu gab es noch technische und taktische Unzulänglichkeiten en masse. Nach 30 Minuten schickte Trainer Robin Dutt seine Ersatzspieler unter dem Jubel der SC-Fans geschlossen zum Aufwärmen.
Ganz anders die Hoffenheimer: Von Beginn an dominierten sie. Kombinationssicher, gedankenschneller und mit technischen Finessen führten sie ihren Gegner vor. Einziger Kritikpunkt: Sie machten zu wenig aus ihrer Überlegenheit. Bei den Chancen von Maicosuel (4.) und Torjäger Vedad Ibisevic (8./18./38.) ließen die Kraichgauer, die ohne ihre verletzten Starstürmer Demba Ba und Chinedu Obasi antraten, zunächst die Konsequenz vermissen. Erst der Geniestreich des Neuzugangs Maicousel, der aus dem Stand von der Strafraumgrenze in den Winkel traf, brachte die längst erwartete Führung für das Rangnick-Team.
SC-Coach Dutt reagierte in der Pause. Erste Maßnahme: eine klare Ansage in der Kabine; zweite Maßnahme: Für die schwachen Tommy Bechmann und Du-Ri Cha kamen Cedrick Makiadi und Stefan Reisinger. Beide Aktionen wirkten. Die Gastgeber zeigten endlich Leidenschaft, schauten nicht mehr bewundernd dem Gegner zu. Plötzlich waren die Freiburger überlegen.
Die Hoffenheimer agierten defensiver und lauerten auf Konter. Diese liefen zumeist über das brasilianische Duo Carlos Eduardo und Maicosuel. Carlos Eduardo (60.) und Andreas Ibertsberger (61.) verfehlten jeweils nur knapp das Tor. Auch die Freiburger kamen zu Möglichkeiten: Die besten hatten Mohamadou Idrissou (62.) per Kopf und Makiadi (67.) mit einem abgefälschten Schuss. Obwohl den Hoffenheimer am Ende die Konzentration fehlte, schafften sie es, den Sieg über die Zeit zu retten.
Schalke 04 - Bayer Leverkusen 2:2
Trotz 2:0-Führung musste sich das Team von Trainer Jupp Heynckes beim Revierclub am Ende mit dem Unentschieden zufriedengeben, bleibt damit aber nach dem 11. Spieltag als einziges Team der Eliteliga noch ungeschlagen. Toni Kroos (29.) und Stefan Kießling (44.) brachten den Tabellenführer vor 61.673 Zuschauern in der ausverkauften Veltins-Arena in Führung, doch die Schalker legten ihren Respekt vor dem Angstgegner aus Leverkusen in der 2. Hälfte ab. Kevin Kuranyi (83.) mit seinem sechsten Saisontor und der Uruguayer Vicente Sanchez (88.) belohnten die erneut starke Moral der Gastgeber, die bereits gegen den HSV zweimal einen Rückstand aufgeholt hatten.
"Die Tabellenführung interessiert mich erstmal nicht. Für mich ist wichtig, dass wir nach dem Unentschieden gegen den HSV zu Hause mal wieder drei Punkte holen", hatte Schalke Trainer Felix Magath vor dem Spitzenspiel erklärt, nachdem die besser platzierten Rivalen aus Hamburg und Bremen ihre Partien nicht hatten gewinnen konnten. Doch statt Schalke nutzte Leverkusen die Gunst der Stunde.
Der in der gesamten Woche wegen eines grippalen Infekts flach gelegene Bayer-Coach Jupp Heynckes musste bei seiner Rückkehr nach Gelsenkirchen weiter auf die verletzten Simon Rolfes, Michal Kadlec und Renato Augusto verzichten. Bei den "Knappen" fehlten nur die Langzeitverletzten Jermaine Jones und Christian Pander. Magath brachte gegenüber dem 3:0-Pokalsieg am Mittwoch bei 1860 München lediglich Jefferson Farfan für Halil Altintop neu ins Team.
Das Spiel kam schwer in Gang, auch weil Fouls immer wieder zu Unterbrechungen führten. Große Torgefahr entwickelten zunächst weder die Rheinländer, noch die zu vorsichtig und ideenlos zu Werke gehenden "Königsblauen". Dennoch hatte Schalke erste Möglichkeiten durch Farfan (20.) und Kuranyi, der eine schöne Hereingabe von Lewis Holtby (24.) jedoch nicht nutzen konnte.
Die kalte Dusche für den Gastgeber folgte fünf Minuten später: Bayern-Leihgabe Kroos verwertete einen Abpraller mit einem trockenen Volleyschuss aus gut 20 Metern zur Führung. Kurz vor der Pause dann der zweite Schock für Schalke. Kießling bescherte der jetzt noch wesentlich zielstrebiger agierenden Bayer-Elf, die viel Raum zum Kombinieren hatte, die verdiente 2:0-Führung. Nach einem Freistoß von Tranquillo Barnetta wuchtete Kießling (44.) den Ball per Kopf zu seinem siebten Saisontor vorbei an Manuel Neuer ins Netz. Der "Knappen"-Keeper musste kurz darauf sogar den nächsten Treffer gegen den erneut gefährlich köpfenden Kießling verhindern.
Der bärenstarke Bayer-Angreifer erhielt als "Belohnung" in der Halbzeitpause von Tribünengast Joachim Löw prompt die Zusage für die Einladung zu den anstehenden Länderspielen gegen Chile in Köln (14. November) und Elfenbeinküste (18.) in Gelsenkirchen. "Kießling wird dabei sein. Ich sehe ihn wirklich gut, er geht weite Wege", sagte der Bundestrainer, der vom Niveau der Partie aber nicht erbaut war.
In der Kabine mussten sich die Schalker von Magath wohl einiges anhören, denn wenigstens bemühten sie sich nun, den Gegner unter Druck zu setzen. Und es wurde noch einmal dramatisch. Schiedsrichter Michael Weiner erkannte einen Treffer von Farfan (60.) wegen eines vorausgegangenen Fouls des Peruaners zu Recht nicht an. Nach Kuranyis Stochertor zum 1:2 rettete Sanchez der 04-Elf den verdienten Punkt.
Hamburger SV - Borussia Mönchengladach 2:3
Es war der erste Sieg für die Gladbacher beim HSV seit 15 Jahren und gleichzeitig die erste Saisonniederlage für die Hanseaten. Die bisher auswärts sieglosen Gäste gewannen durch Tore von Marco Reus (39.), Dante (76.) und Rob Friend (82.). Die frühe Führung der Hamburger durch Piotr Trochowski nach 13 Minuten und einem Traum-Freistoß von Zé Roberto (47.) zahlte sich nicht aus.
Mit nur einer Veränderung gegenüber dem 3:3 auf Schalke - Stamm-Innenverteidiger Jerome Boateng kehrte nach der Roten Karte von David Rozenahl zurück - ging der heimstarke HSV in die Partie vor mit 57.000 Zuschauern ausverkauftem Haus. Gegen die zunächst äußerst defensiv eingestellten Borussen tat sich das Team von Trainer Bruno Labbadia schwer. Gladbach ging mit der gleichen Anfangself wie beim 0:0 gegen den 1. FC Köln in die Begegnung. Jean-Sebastien Jaures vertrat erneut den angeschlagenen Kapitän Filip Daems (Knieprobleme).
Ein sehenswerter Spielzug brachte dem HSV die verdiente Führung gegen lange Zeit harmlose Gäste, die kaum vor das Gehäuse von Frank Rost kamen. Labbadia hatte sich für Trochowki in der Startaufstellung entschieden, der Ex-Gladbacher Marcell Jansen musste zunächst auf die Bank.
Ein blitzschneller Gegenzug über Michael Bradley und den engagierten Roberto Colautti auf Reus brachte den überraschenden Ausgleich. Der 20 Jahre alte Stürmer nutzte seine Chance ganz cool, kümmerte sich nicht um den herauseilenden Rost und lupfte den Ball ins Tor. Nicht einmal zwei Minuten nach der Pause bekam der HSV kurz vor der Strafraumgrenze eine Freistoß, den Zé Roberto beherzt über die gegnerische Mauer ins rechte obere Eck schoss und dabei Keeper Logan Bailly keine Chance ließ. Der Brasilianer avancierte mit seinem fünften Tor der Saison zum erfolgreichsten Schützen seines Teams, das die meisten Treffer aller Bundesligisten markierte.
Kapitän David Jarolim war in seinem 250. Bundesliga-Spiel eine verlässliche Größe und prüfte in der 72. Minute Bailly. In Bedrängnis kamen die Hausherren nach einem Konter durch Raul Bobadilla, der erst von drei Hamburgern gemeinsam gestoppt werden konnte. Nach einem Eckball nutzte Dante die Chance zum erneuten Ausgleich mit einem beherzten Kopfball und ließ Boateng schlecht aussehen. Der Innenverteidiger, der wegen erneuter Knieschmerzen mitten im Spiel eine Schmerztablette gereicht bekam, wäre fast erneut Schuld am Treffer durch Bobadilla gewesen, bügelte seinen Fehler in letzter Minute noch aus. Nach einem schönen Konter und Pass von Juan Fernando Arango traf Friend zum ersten Mal in dieser Saison und zeigte, dass die Borussia doch auswärts gewinnen kann.
1. FC Nürnberg - Werder Bremen 2:2
Das 17. Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage bescherte Werder Bremen zumindest für drei Stunden die Tabellenführung. Nach zuletzt vier Siegen in Folge büßte die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf zwar erstmals wieder zwei Punkte ein, setzte aber ihre Erfolgsserie fort. Christian Eigler (3. Minute) und der Schweizer Albert Bunjaku (33.) brachten vor 42.258 Zuschauern im Nürnberger WM-Stadion den kampfstarken und auch spielerisch überzeugenden "Club" in Führung und auf einen Nichtabstiegsplatz. Aaron Hunt (72./90.+2) rettete die Bremer nach einem furiosen Schlussspurt vor der zweiten Saisonniederlage.
Ohne den am Sprunggelenk verletzten Torjäger Claudio Pizarro strahlte der vierfache deutsche Meister aus Bremen im Angriff keine Gefahr aus. Da auch im Mittelfeld wenig Kreatives zustande kam und die Abwehr einige Schwächen zeigte, schien die zweite Bundesliga-Niederlage seit dem 0:1 gegen Frankfurt am 8. August besiegelt. Die Nürnberger knüpften an ihre starke Leistung beim 3:0 vor zwei Wochen gegen Hertha BSC Berlin an und überzeugte durch leidenschaftlichen Kampf und Siegeswillen, vergab aber zu viele Torchancen.
Die Überraschung, die "Club"-Trainer Michael Oenning gegen den Favoriten von der Weser versprochen hatte, stellte sich schon nach drei Minuten ein. Eigler nutzte ein Werder-Missverständnis zwischen Naldo und Torhüter Tim Wiese und brachte Nürnberg mit seinem ersten Saisontor in Führung. Nach dem Bremer Torgeschenk hätte Bunjaku (12.) das 2:0 machen müssen. Der Schweizer scheiterte jedoch freistehend am glänzend reagierenden Wiese. Clemens Fritz, der einen weiten Abschlag von FCN-Schlussmann Raphael Schäfer falsch berechnete, hatte die Großchance ermöglicht. Zwei Minuten später jubelte die "Club"-Fans zum zweiten Mal, doch Schiedsrichter Guido Winkmann (Kerken) gab den Treffer von Bunjaku wegen Handspiels des Schützen nicht.
Vom Pokalsieger aus Bremen war in der ersten Halbzeit wenig zu sehen. Bis zum Pausenpfiff erspielten sich die im Angriff schwachen Hanseaten nur eine einzige Torchance durch Markus Rosenberg (34.). Die kontrolliert nach vorne stürmenden Franken besaßen dagegen weitere gute Möglichkeiten, aber Peer Kluge (28.) traf nur den Pfosten und Marek Mintal (29.) zielte knapp am Tor vorbei. Danach markierte Bunjaku nach Eckstoß von Mike Frantz per Kopf sein viertes Saisontor, und diesmal zählte der Treffer.
Ohne Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier, der zuletzt wegen einer Gras-Allergie fehlte und in der 36. Minute für Juri Judt Platz machte Nürnberg auch nach der Pause Druck. Doch Werder wehrte sich. Naldo traf mit einem Kopfballversuch nur die Latte (51.). Im Gegenzug vergab Marek Mintal gegen den starken Wiese das 3:0. Aber Bremen gab nicht auf - Judt (60.) kratzte einen Schuss von Mesut Özil von der Torlinie, ehe Hunt Bremen mit seinen Toren vor der ersten Auswärtsniederlage der Saison rettete.
VfL Wolfsburg - FSV Mainz 05 3:3
Die Wolfsburger treten auf der Stelle. Der deutsche Meister kam trotz einer 2:0-Führung gegen den Aufsteiger aus Mainz nicht über ein enttäuschendes Unentschieden hinaus und verliert den Anschluss an die Spitzengruppe. Vor 28.309 Zuschauern in der Volkswagen Arena gaben die Gastgeber nach den Treffern von Obafemi Martins (7./20. Minute) und Zvjezdan Misimovic (64.) das Spiel noch aus der Hand und verpatzten somit die Generalprobe für das Champions-League-Gruppenspiel am Dienstag gegen Besiktas Istanbul. Die Rheinhessen, für die am Samstag Chadli Amri (35.), Andreas Ivanschitz (41.) und Tim Hoogland (85.) trafen, verbuchten hingegen mit verdienten Punktgewinn den nächsten Achtungserfolg.
Wolfsburgs Coach Armin Veh hatte in der Konstellation "Meister gegen Aufsteiger" sein Team klar auf Sieg eingestellt. Und diese Vorgabe setzten die Niedersachsen zunächst konsequent um. Bereits nach 57 Sekunden hatte Misimovic die Führung auf dem Fuß, scheiterte aber an FSV-Schlussmann Heinz Müller. Besser machte es Grafite-Ersatz Martins. Nach einer punktgenauen Flanke von Misimovic köpfte der zuletzt gescholtene Nigerianer zur verdienten Führung ein.
Der formschwache Grafite saß nach seinem einwöchigen Heimaturlaub wie von Veh angekündigt nur auf der Tribüne. "Mir geht es gut und ich freue mich darauf, bald wieder ins Training einzusteigen", sagte der Torschützenkönig und bestaunte zunächst das temporeiche und kombinationssichere Spiel seiner Teamkollegen. Die Mainzer, denen Schiedsrichter Marco Fritz (Korb) ein Tor von Tim Hoogland wegen Abseits verweigerte, konnten sich nur selten befreien. Folgerichtig fiel das 2:0. Nach einem präzisen Steilpass von Edin Dzeko umkurvte Martins den Mainzer Schlussmann und vollendete sicher.
Die Wolfsburger gingen mit der vermeintlich komfortablen Führung im Rücken nicht mehr so entschlossen in die Zweikämpfe. Diese Nachlässigkeit rächte sich: Beim Anschlusstreffer von Amri sah die Abwehr der Niedersachsen ganz schlecht aus. Amri hatte 60 Sekunden nach seinem Treffer die Chance zum Ausgleichstor, scheiterte aber an Benaglio. Kurz darauf überwand Ivanschitz den Schweizer Nationalkeeper. Bei seinem 25-Meter-Freistoß genau in den Winkel hatte Benaglio keine Chance.
Die Souveränität der Wolfsburger war nach dem Ausgleich wie weggeblasen. Das Team von Trainer Thomas Tuchel wurde nun immer stärker und drängte die "Wölfe" zusehends in die Defensive. Doch genau in dieser Sturmphase schlugen die Niedersachsen durch Misimovic zurück. Mainz ließ sich auch durch den erneuten Rückstand nicht entmutigen und wurde durch den Treffer von Kapitän Hoogland belohnt.
VfB Stuttgart - Bayern München 0:0
Der VfB hat seine Talfahrt gestoppt und zugleich die Aufholjagd des Rekordmeisters zur Tabellenspitze abgebremst. Im allenfalls kämpferisch überzeugenden Süd-Schlager der Liga trotzten die seit Wochen schwächelnden Schwaben den Bayern hochverdient ein 0:0 ab. Allerdings verpassten die Stuttgarter drei Tage nach der Bestätigung von Markus Babbel als Teamchef vor 42.000 Zuschauer in der ausverkauften Mercedes Benz-Arena den erhofften Befreiungsschlag.
Bei Bayern fehlten die verletzten Franck Ribéry und Ivica Olic; zudem schonte Trainer Louis van Gaal Arjen Robben im Hinblick auf die Champions-League-Partie gegen Bordeaux. Dafür dürfte der zuletzt nur ein Ersatzspieler-Dasein fristende Mario Gomez gegen seinen ehemaligen Club von Beginn an für Luca Toni stürmen. Für weitere Einsätze konnte sich der Nationalspieler aber nicht empfehlen. Die VfB-Anhänger pfiffen ihren einstigen Liebling dazu bei fast jeder Aktion gnadenlos aus.
Babbel musste auf die verletzten Sami Khedira und Cacau verzichten. Ciprian Marica stand überraschend in der Startformation, obwohl der Rumäne bei der Pokal-Pleite gegen Zweitligist SpVgg Greuther Fürth zahlreiche Chancen kläglich "versiebt" hatte. Zudem schlüpfte Alexander Hleb anstelle von Elson in die Rolle des Spielmachers.
Die Stuttgarter starteten völlig unbeeindruckt von der jüngsten Niederlagenserie und den Turbulenzen um ihren Teamchef mit stürmischen Attacken und - wie von Babbel gefordert - ohne Angst vor dem Favoriten. Schüsse von Christian Träsch (3.) und Julian Schieber (6.) parierte jeweils der aufmerksame Münchner Torhüter Jörg Butt. Zudem schoss Abwehrchef Daniel van Buyten (5.) den Ball nach einem Versuch von Marica aus der Gefahrenzone.
Die Bayern benötigten einige Zeit, um sich von dem Druck zu befreien und selbst nach vorne zu agieren. Nach einem Abpraller wehrte VfB-Schlussmann Jens Lehmann gedankenschnell den Ball ab (17.). Für die einzig weitere Gefahr sorgte Anatoli Timoschtschuk mit einem Distanzschuss, den Lehmann zur Ecke abwehren konnte (25.). Ansonsten neutralisierten sich beide Teams bei dem allenfalls durchschnittlichen Süd-Gipfel.
Auch nach dem Seitenwechsel bot sich dem VfB durch einen von Butt parierten Kopfball von Roberto Hilbert (51.) die erste Chance. Der erst kurz zuvor für Miroslav Klose eingewechselte Luca Toni verpasste nach einer scharfen Hereingabe knapp den Ball (67.). Insgesamt sorgten aber beide Teams kaum für Torgefahr. Beide Abwehrreihen hatten die gegnerische Offensive jeweils gut im Griff.
1. FC Köln - Hannover 96 0:1
Fußball-Nationalkeeper Robert Enke hat nach 63 Tagen Zwangspause ein tolles Comeback gefeiert. Im ersten Bundesligaspiel des Torhüters seit dem 29. August gelang den Niedersachsen vor 45.000 Zuschauern beim heimschwachen 1. FC Köln der zweite Auswärtssieg der Saison. Dank des Treffers von Jan Rosenthal (37. Minute) verbesserte sich Hannover auf 15 Punkte und kann in der Tabelle den Blick nach oben richten. Der FC, der bei neun Zählern bleibt, erlitt nach zuletzt vier Pflichtspielen ohne Niederlage und Gegentor mit der vierten Heimpleite dieser Spielzeit einen heftigen Rückschlag.
Sechsmal hintereinander musste Florian Fromlowitz den 32-jährigen Enke nach dessen Virus-Erkrankung vertreten, in Köln schenkte Andreas Bergmann seiner Nummer 1 in einem stark ersatzgeschwächten Team wieder das Vertrauen. Doch Enke, einer von drei Neuen in der Startformation des Tabellen-Elften, bekam gegen überaus schwache Kölner vor der Pause fast nichts zu tun.
Auf der Gegenseite war nicht nur bei Rosenthals erstem Saisontor wesentlich mehr los: Pedro Geromel verhinderte gegen Didier Ya Konan (11.) auf der Linie die frühe Gästeführung, in der 33. Minute hatte auch der ehemalige Kölner Hanno Balitsch einen Treffer auf dem Fuß. Für die FC-Profis, bei denen Maniche nach vier Spielen Rot-Sperre wieder dabei war, gab es zur Halbzeit zu Recht lautstarke Pfiffe.
Es war bezeichnend, dass die in der Offensive versagenden Kölner als torschwächste Mannschaft der Liga durch Sebastian Freis erst in der 47. Minute das erste Mal einen Schuss Richtung Enke-Gehäuse abgaben. Zehn Minuten danach scheiterte Ya Konan an Faryd Mondragon, ehe Enke beim Versuch von Youssef Mohamad (62.) erstmals ernsthaft geprüft wurde. Mondragon bewahrte sein Team mit einer Parade gegen den starken Rosenthal vor einem höheren Rückstand (66.). Fünf Minuten vor Spielende musste der Kolumbianer bei einem Schuss von Jacek Krzynowek nochmals die Fehler seiner Vorderleute ausbügeln.
Borussia Dortmund - Hertha BSC Berlin 2:0
Das Bundesliga-Schlusslicht Herta BSC Berlin blieb zum zehnten Mal in Serie ohne Sieg und wartet seit 351 gespielten Minuten auf ein Tor. Alle Hoffnungen auf eine schnelle Trendwende unter der Regie des vor knapp einem Monat eingestellten Trainers Friedhelm Funkel erwiesen sich bisher als Wunschdenken. Die Tore von Nuri Sahin (70. Minute/Foulelfmeter) und Barrios in der Nachspielzeit besiegelten vor 77.000 Zuschauern im Signal Iduna Park die bereits neunte Saisonschlappe der Berliner. Die Borussen rehabilitierten sich mit Mühe und Not für die peinliche Pokal-Schlappe am Dienstag beim Drittligisten Osnabrück und verbuchten aus den vergangenen vier Bundesliga-Spielen zehn Punkte.
Die Nachwirkungen der Pleite von Osnabrück waren den BVB-Profis jedoch lange anzumerken. Sichtlich verunsichert leisteten sie sich zu Spielbeginn eine Reihe von Fehlpässen. Dagegen erwischte die ohne die verletzten Profis Pal Dardai, Cicero, Maximilian Nicu und Florian Kringe ins Spiel gegangene Hertha den besseren Start. Bereits in der 2. Minute mussten die Dortmunder Roman Weidenfeller und Dede in höchster Not gegen Lukasz Piszczek klären. Dabei zog sich Abwehrspieler Dede eine Kopfverletzung zu und musste 15 Minuten später durch Marcel Schmelzer ersetzt werden.
Erst mit zunehmender Spielzeit übernahm die Borussia die Kontrolle über das Spiel. Doch wie schon im Pokalspiel schlug sie aus dem Plus an Ballbesitz zu wenig Kapital. Bis auf einen Schuss von Mohamed Zidan (33.) und einen Kopfball von Neven Subotic (39.) über das Tor blieben Chancen lange Mangelware. Gleichwohl kamen die Gäste angesichts des wachsenden Drucks kaum noch zu Entlastungsangriffen und beschränkten sich in den letzten Minuten bis zur Pause zumeist auf Torsicherung. Zahlreiche Zuschauer quittierten die dürftige Darbietung mit Pfiffen.
Auch nach Wiederanpfiff blieb der Unterhaltungswert der Partie mäßig. Zwar mühte sich der BVB redlich, ließ aber im Spiel nach vorn Kreativität und Präzision vermissen. Das ermutigte die Gäste zu eigenen Angriffen: So vergab Gojko Kacar (52.) die große Chance zur Führung, als er den Ball aus kurzer Distanz über das Tor schoss. Erst ein Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Felix Brych erlöste den BVB: Nach Foul von Kacar an Owomoyela verwandelte Sahin den fälligen Strafstoß zum umjubelten 1:0. Mehr Sicherheit gab das nicht. So stand den Gastgebern bei einem Pfostenschuss von Piszczek (74.) das Glück zur Seite. In der ersten Minute der Nachspielzeit schnappte sich der Argentinier Barrios im Strafraum der Herthaner den Ball und überwand Torwart Drobny mit einem harten Schuss. "Es war wichtig, nach dem DFB-Pokal ein Zeichen zu setzten", sagte Torschütze Sahin. Hertha-Kapitän Arne Friedrich flüchtete sich in Durchhalteparolen: "Wir haben gut angefangen. Insgesamt hätte mehr drin sein können."
- Datum 01.11.2009 - 19:36 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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