Hertha-Torwart im Pech Götterzorn trifft Sascha Burchert

Das 1:3 Herthas gegen den HSV entzieht sich jeder Analyse. Dieses Spiel wurde von Schicksalsgöttinnen heimgesucht, die sich einen jungen Tormann als Opfer wählten.

Im Netz der Schicksalsgöttinnen: Sascha Burchert

Im Netz der Schicksalsgöttinnen: Sascha Burchert

Auch das noch! In der Pause muss sich Sascha Burchert vor den Hamburger Fans warm machen, die den Berliner Ersatztorwart mit Applaus und einer Welle begrüßen, bejubeln, verhöhnen. Diesen armen Tropf, für den an diesem Abend nur dunkle Sterne brennen. Auf den es an diesem Abend die Parzen, die antiken Schicksalsgöttinnen, abgesehen haben.

Bis dahin ist alles Erzählenswerte passiert: Burchert wird in der ersten Halbzeit für den verletzten Timo Ochs unvorbereitet und kalt eingewechselt, um seinem Team, dem Tabellenletzten, das 1:1 gegen den Favoriten aus Hamburg zu sichern. Burcherts erste Aktion ... nein, von Handlung darf im Nachhinein nicht die Rede sein – der erste Zornesgruß an Burchert: Er wird aus dem Strafraum gelockt, um mit dem Kopf per Hechtsprung zu retten. Gut gemacht, daher lauter Beifall seiner Fans für diese scheinbare und scheinbar heroische Tat. Doch werden Tausende Stimmen unmittelbar danach verstummen, denn den Ball lenken unsichtbare Kräfte einem Gegner Burcherts vor die Füße: David Jarolim, von dem nicht bekannt war, dass er so weit schießen kann, lupft aus über dreißig Metern ins verlassene Berliner Tor.

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Doch die Parzen belassen es nicht bei diesem grausigen Willkommen. Keine zwei Minuten später jagen sie Burchert erneut durch dieselbe Wüste: wieder raus aus dem Strafraum, wieder Hechtsprung, wieder Kopfball. Diesmal senden sie den Ball zu ihrem Günstling Zé Roberto, der am Mittelkreis wartet. Der HSV macht innerhalb von zwei Minuten zwei empty net goals, einer im Fußball unüblichen Tor-Art. Man muss mit Superlativen vorsichtig sein, aber das dürfte einmalig in der Geschichte dieses Sports sein.

Das Mitgefühl aller Menschenkinder ist nach dem Abpfiff auf Seiten des Gequälten. Frank Rost, das Pendant im HSV-Tor, hält seinen Fans die "unnötige Häme" gegenüber seinem jungen Kollegen vor. Trainer Bruno Labbadia kann sich nicht erinnern, Ähnliches erlebt zu haben. Herthas ungarischer Mittelfeldarbeiter Pal Dardai erklärt Journalisten mit beiden Händen: "Ist wie, wenn dein Chef deinen Artikel in Fetzen reißt. Ist wie, wenn dein Chef deinen Artikel mit Feuerzeug anzündet." Doch Dardais profane Veranschaulichung, so lebhaft sie ist, wird der Berliner Geisterstunde nicht gerecht.

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