Keine Stürmer HSV kämpft ohne Waffen

Im Spitzenspiel gegen Leverkusen zeigte sich: Dem HSV fehlen die Stürmer zum Siegen. Der Vorstand bangt, dass es bald zur ersten Niederlage kommt.

An dieser Geste sollte man sich in Hamburg besser gewöhnen: Tunay Torun nach einer vergebenen Großchance

An dieser Geste sollte man sich in Hamburg besser gewöhnen: Tunay Torun nach einer vergebenen Großchance

 

Nach dem 0:0 gegen Spitzenreiter Leverkusen hat der HSV nach wie vor nur ein Tor Abstand zur Tabellenführung. Knapper geht es kaum. Doch der Klub blickt nicht nach oben, sondern beschränkt sich auf die Hoffnung, vorerst nicht zu viel Boden auf die Konkurrenz zu verlieren. "Bis Weihnachten wollen wir irgendwie über die Runden kommen", sagt Vorstand Bernd Hoffmann.

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Diese Aussage mag strategisches Understatement sein, entspringt aber einer realistischen Sicht. Die Mannschaft hat nämlich alles: einen erfahrenen Tormann, gute Verteidiger, ballfertige Mittelfeldspieler – alleine fehlt es ihr derzeit an gefährlichen Stürmern.

Die beiden besten Schützen, Paolo Guerrero und Mladen Petric, sind noch lange verletzt. Ihr Ersatz zählt zum Unerfahrensten der ganzen Liga: Marcus Berg mangelt es an Wettkampfhärte und Tempo, Jonathan Pitroipa an Jagdinstinkt; Tolgay Arslan und Tunay Torun sind Talente, über die man noch nicht urteilen kann, auf deren schnellen Durchbruch man aber nicht wetten sollte. Arslan schied zudem in der ersten Halbzeit humpelnd aus, in der zweiten vergab Torun schüchtern die größte HSV-Chance.

Für die Leverkusener war das Verteidigen keine große Aufgabe. Immer wieder nahm der Finne Sami Hyypiä Marcus Berg wie einem Kind den Ball weg. Die Bundesliga, sagte der ehemalige Liverpool-Profi nach Abpfiff in der Mixed Zone, sei eine gute Liga, aber die Premier League sei ein bisschen mehr "demanding". Berg gab nach dem Spiel Interviews in Hyypiäs Trikot. Das ist nichts Ungewöhnliches, war aber symbolhaft.

Defensiv stark war Leverkusen auch in anderer Hinsicht: Nachtritte gegen Bruno Labbadia haben sich Spieler und Verantwortliche verkniffen. Kritik an ihm versteckten sie im Lob für dessen Nachfolger, den "Fußballlehrer" Jupp Heynckes. Labbadia war im Mai im Unfrieden aus Leverkusen geschieden und hat nach Auffassung einiger den Absturz in der Rückrunde und nach Meinung vieler die Pokalfinalniederlage zu verantworten. Es ist eine der spannendsten Fragen der Bundesliga, wie lange Labbadia den Erfolg in Hamburg halten wird.

Sollte es in den nächsten Wochen und Monaten bergab gehen, hätte er jedenfalls ein gutes Alibi. Der HSV, der Tabelle nach das torreichste Team (20), kämpft bis zum Winter ohne Waffen. Erst wenn dann die Transferperiode beginnt, kann man gute neue Stürmer kaufen. Bereits beim 3:1 in Berlin vor zwei Wochen hatte die Hertha das Toreschießen übernommen, durch ein Eigentor und zwei pechvogelhafte Ausflüge ihres jungen Tormanns. Vor einem Monat gegen Stuttgart (3:1) fielen alle Tore durch Distanzschüsse.

Wenn die Gegner merken, dass man selbst in Hamburg riskanter spielen kann, wird die erste Saisonniederlage wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Leverkusen spielte für einen Sieg an diesem Spieltag zu vorsichtig.

 
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