Philipp Lahm über Deisler "Sebastian hatte es nicht immer leicht bei Bayern"
Im Kolumnengespräch blickt Philipp Lahm auf seinen gemeinsamen Weg mit Sebastian Deisler zurück und denkt über Leistungsdruck und Konkurrenzkampf im Profifußball nach.
© Sandra Behne/Bongarts/Getty Images

Gute Kollegen
ZEIT ONLINE: Herr Lahm, vier Tage, nachdem Sie sich für Südafrika qualifiziert hatten, wurden Sie und Ihre Mannschaftskollegen gegen Finnland ausgepfiffen. Ärgert Sie das?
Philipp Lahm: Ich kann die Pfiffe verstehen. Die Leute haben bezahlt und sind von weit angereist. Wir haben uns zwar bemüht, doch nicht gut gespielt. Freundschaftsspiel hin oder her – die Fans wollen unterhalten werden. Als Nationalspieler repräsentiert man das Land.
ZEIT ONLINE: Kann die dauerhaft hohe Erwartung der Fans nicht auch eine Belastung sein?
Lahm: Fußball ist nun mal ein leistungsorientierter Sport. Der Druck auf die Spieler beginnt übrigens nicht erst als Profi. Schon in der Jugend kämpft man um einen Platz in der Startelf und um den Aufstieg in die höhere Klasse. Man wächst damit auf, ständig verglichen zu werden: mit den Kollegen, mit dem Gegner. Als Profi dann vor den Augen von Millionen. Da steht man unter Druck.
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ZEIT ONLINE: Sebastian Deisler hat unter diesem Druck gelitten. Sie haben mit ihm zwischen 2005 und 2007 in der Nationalmannschaft und beim FC Bayern gespielt. Wie reagierten Sie, als Sie von Deislers Depression erfuhren?
Lahm: Wir in der Mannschaft wussten schon vorher von Sebastians Krankheit. Als sie öffentlich wurde und er seine Karriere beendete, war ich sehr traurig. Wir verloren einen Kollegen und einen genialen Fußballer.
ZEIT ONLINE: In einem Interview mit der ZEIT und in seiner Biografie sprach Deisler von einigen Spielern, die ihn immer verstanden, die er mochte. Er nannte unter wenigen anderen Sie. Waren Sie befreundet?
Lahm: Freundschaft wäre zu viel gesagt. Wir haben immer miteinander geredet, auch mal gelacht und sind anständig miteinander umgegangen. Wir waren sehr gute Kollegen.
ZEIT ONLINE: Das galt offenbar nicht für alle. In seinem Buch heißt es: "In der Bayern-Kabine Mensch zu sein, ist gar nicht so leicht. Das schaffst du nur, wenn du dir sagst: Ich bin der Größte. Du baust auf dich und unterdrückst deine Gefühle."
Lahm: Ich bin auch in der Kabine Mensch. Bei Bayern München gibt es einen großen Konkurrenzkampf, dem stelle ich mich gerne.
ZEIT ONLINE: Von einigen Spielern soll er "die Deislerin" genannt worden sein. Ist Mobbing verbreitet im Fußball?
Lahm: Sebastian hatte es zugegebenermaßen nicht immer leicht. Aber ich denke, Mobbing gibt’s im Fußball nicht mehr als woanders in der Gesellschaft. Klar ist, jeder kämpft erst mal für sich selbst. Bedenken muss man auch: Wir sind eine Gruppe von Männern.
ZEIT ONLINE: Hat sich Deisler damals tatsächlich nicht von der Mannschaft verabschiedet?
Lahm: Nein, als er das Gelände verließ, waren wir gerade im Training.
ZEIT ONLINE: Gab es rückblickend einen Zeitpunkt, von dem Sie heute sagen würden, da hätte man den "Basti" besser unterstützen können?
Lahm: Depressionen sind eine Krankheit, und ich bin kein Arzt, kann das also nicht beurteilen. Ich glaube, es gibt keinen Schuldigen.
ZEIT ONLINE: Liegt sein Buch auf Ihrem Nachttisch?
Lahm: Nein, aber vielleicht werde ich es mir besorgen. Es interessiert mich, was er zu berichten hat. Gesehen habe ich ihn im Fernsehen. Ich war geschockt, dachte, die Auszeit hätte ihm gut getan. Doch Sebastian wirkt noch immer unsicher und labil.
ZEIT ONLINE: Wie schaffen Sie es, dem Druck standzuhalten?
Lahm: Viel kommt auf das Privatleben an, da muss man mal abschalten können, da müssen andere Regeln gelten. Sebastian fühlte sich nur auf dem Fußballfeld wohl.
ZEIT ONLINE: Und Sie?
Lahm: Ich führe insgesamt ein sehr glückliches Leben.
- Alles Außer Fußball
Alles außer Fußball ist die Kolumne von Katja Kraus, Corny Littmann, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Alle zwei Wochen geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Die vier sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Littmann, Hitzlsperger, Friedrich und Kraus wollen ihre Meinung sagen, beispielsweise zu den Herausforderungen der Bundesregierung, zum Alltag in der Bundesliga und darüber, wie das zusammenhängen kann.
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ZEIT ONLINE: Als bekannt wurde, dass Joachim Löw über die Berufung von Thomas Müller, 20, in die Nationalmannschaft nachdenkt, warnte Uli Hoeneß. Verstehen Sie seine Pädagogik?
Lahm: Uli Hoeneß ist erfahren und weiß, was er tut. Ich kann aber auch den Bundestrainer verstehen. Er möchte junge Spieler einsetzen und an die Nationalmannschaft heranführen. Ich selbst war auch bereits mit 20 Nationalspieler. Es hat mir nicht geschadet.
Die Fragen stellten Oliver Fritsch und Tobias Reitz.
- Datum 20.10.2009 - 18:04 Uhr
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- Serie Alles außer Fußball
- Quelle ZEIT ONLINE
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Liebe ZEIT,
was ist denn an Phillip Lahm so interessant, dass er ständig auf ZEIT online erscheint? Ich weiß nicht, ob man nicht auch mal andere Spieler oder Trainer präsentieren könnte - vielleicht auch Sportler, die nicht gerade Werbung für die BILD-Zeitung machen und auch was interessantes beizutragen haben? Lahms glatte, streberhafte Antworten sind nun wirklich nicht relevant - zumal man nur vorgekochtes Medienberater-Geschwafel bekommt.
Leicht verwundert,
PK
Lieber Herr Kennedy.
Philipp Lahm ist Kolumnist unserer Serie "Alles außer Fußball". Einmal pro Woche geben wir ihm, Andreas Beck, Thomas Hitzlsperger oder Tobias Rau abwechselnd das Wort. (http://www.zeit.de/themen...) Deshalb finden Sie einmal im Monat ein Interview mit Herrn Lahm bei uns. Viele Grüße, die Redaktion
Lieber Herr Kennedy.
Philipp Lahm ist Kolumnist unserer Serie "Alles außer Fußball". Einmal pro Woche geben wir ihm, Andreas Beck, Thomas Hitzlsperger oder Tobias Rau abwechselnd das Wort. (http://www.zeit.de/themen...) Deshalb finden Sie einmal im Monat ein Interview mit Herrn Lahm bei uns. Viele Grüße, die Redaktion
Lieber Herr Kennedy.
Philipp Lahm ist Kolumnist unserer Serie "Alles außer Fußball". Einmal pro Woche geben wir ihm, Andreas Beck, Thomas Hitzlsperger oder Tobias Rau abwechselnd das Wort. (http://www.zeit.de/themen...) Deshalb finden Sie einmal im Monat ein Interview mit Herrn Lahm bei uns. Viele Grüße, die Redaktion
Alleine die Tatsache, dass Herr Lahm im Zusammenhang mit dem Spiel gegen Finnland von einem "Freundschaftsspiel" spricht, erklärt die erbrachte Leistung der Mannschaft. Vielen scheint wohl nicht klar gewesen zu sein, dass man in Hamburg noch ein letztes Qualifikationsspiel bestritt. Nicht zuletzt deshalb waren die Pfiffe der zahlenden Zuschauer berechtigt.
Was ich allerdings gar nicht mehr hören kann, ist das ständige Wehklagen der Profis. Sicher haben sie es nicht leicht, stehen unter permanenter Beobachtung und müssen dem Druck aus Öffentlichkeit und Verein Woche für Woche standhalten. Aber dafür erhalten sie ein mehr als angebrachtes "Schmerzensgeld". Die Krankheitsgeschichte von Sebastian Deisler ist tragisch und sehr schade zugleich. Denn mit ihm hat der deutsche Fußball sicher eines der größten Talenter der vergangenen 20 Jahre verloren. Aber die Bundesliga ist eben auch nur ein repräsentativer Querschnitt durch unsere Bevölkerung. Und auch hier gibt es Menschen, die unter Depressionen leiden - manchmal sogar ein Leben lang.
Nicky G.
Man muss mit Lahm keine Interviews mehr führen, nachdem er für die "Bild"-Zeitung geworben hat. Das war einfach falsch.
...Alice Schwarzer auch nicht mehr reden.
Man kann auch päpstlicher als der Papst sein; oder deutscher als deutsch; oder verkniffener als verkniffen.
...Alice Schwarzer auch nicht mehr reden.
Man kann auch päpstlicher als der Papst sein; oder deutscher als deutsch; oder verkniffener als verkniffen.
die ZEIT scheint ein recht entspanntes Verhältnis zum Springer Verlag zu haben (siehe Anzeige zur "Computer Bild" im Artikel"). Ökonomischer Druck oder einfach egal? Vielleicht mal wieder im Bild-Blog lesen, um die Perspektive zu schärfen?
...ist ein Verlag ist ein Verlag.
capice?
...ist ein Verlag ist ein Verlag.
capice?
Aussagen, die Phillip Lahm in der Öffentlichkeit tätigt wirken in der Tat emotionslos und berechnet.
Wenn man jedoch gar nicht gewillt ist seine Meinung kund zu tun, was in der heutigen Medienlandschaft ja nicht per se falsch sein kann, drängt sich jedoch die Frage auf: Wieso nimmt man dann an dieser Kolumne teil? Eine Frage des Geldes kann es ja wohl nicht sein bei geschätzten 5 Mio. €/Jahr.
Dass er sich sehr geschickt im Umgang mir der Presse verhält ist ihm allerdings auch nicht vorzuwerfen, stellt sich nur die Frage nach dem Sinn solcher öffentlicher Aussagen, wenn man mal von den Interviews zu den Fußballspielen absieht. Warum Werbung für die Bild, scheint mir da eher verständlich.
Ich halte Phillip Lahm für einen exzellenten Fußballer und gleichermaßen intelligenten Menschen. Leider schließen sich nur Intelligenz und (ökonomischer)Opportunismus nicht unbedingt aus - manchmal glaube ich eher, sie bedingen einander, wenn ich mir die Welt heute so anschaue...
...doch den Loddar bereit. Sie dürfen sich nun wirklich nicht beschweren.
...doch den Loddar bereit. Sie dürfen sich nun wirklich nicht beschweren.
Bislang haben sich nicht viele zu diesem Thema geäußert. Ich finde, dass Lahm durchaus offen Auskunft gibt. Und keineswegs opportunistisch oder von Beratern gesteuert. Die Gespräche mit ihm verlaufen stets flüssig und direkt.
Hinweis an Froanz: Lahm hat generell von Freundschaftsspielen gesprochen, er meinte in dem Fall nicht das Finnland-Spiel. Dass das missverstanden werden kann, nehme ich auf meine Kappe. Aber wenn ich das mal sagen darf: In Krümeln wird man immer fündig.
Ich wollte auch keine "Krümel-Pickerei" betreiben - mir ist das lediglich aufgefallen. Und ganz im Ernst: Auch wenn ich mir das bereits gedacht habe, wäre es doch ein schöner Freudscher Versprecher gewesen. Schade, dass Sie mich meiner Illusion berauben...
Ich wollte auch keine "Krümel-Pickerei" betreiben - mir ist das lediglich aufgefallen. Und ganz im Ernst: Auch wenn ich mir das bereits gedacht habe, wäre es doch ein schöner Freudscher Versprecher gewesen. Schade, dass Sie mich meiner Illusion berauben...
...Alice Schwarzer auch nicht mehr reden.
Man kann auch päpstlicher als der Papst sein; oder deutscher als deutsch; oder verkniffener als verkniffen.
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