Joachim Löw Erfolg unter schwierigen Vorzeichen
Der Sieg in Moskau stärkt die Position von Nationaltrainer Löw. Nun darf er nicht mehr aus Rücksicht auf die Liga auf Fitnesstests verzichten. Ein Kommentar
© Nigel Treblin/AFP/Getty Images

Lächelnder Diplomat: Joachim Löw
Joachim Löw hat den Sieg von Moskau still gefeiert, das spricht für ihn und seine Bescheidenheit. Jetzt sollte er ihn offensiver auf einer Hinterbühne nutzen: in der Auseinandersetzung mit der Liga.
Das Verhältnis des Bundestrainers zu den Klubs ist momentan zwar harmonischer als unter Jürgen Klinsmann, doch inhaltlich nicht ohne Reibung. Stets melden sich Manager oder Trainer brummelnd zu Wort, Einmischung verbitten sie sich. Die Interessen zwischen Bundesliga und Nationalmannschaft sind selten die gleichen.
Der Nationaltrainer ist auf das angewiesen, was er geschickt bekommt. Oft sind das Spieler in schlechter Form und ohne Selbstvertrauen. Der VfB Stuttgart, bei dem sich Löw gerne bedient, hat diesmal vor allem Problemfälle gesandt. Und wüsste man es nicht besser, müsste man annehmen, dass es der FC Bayern darauf angelegt hätte, deutsche Stürmer zu schwächen. In München sitzen Mario Gomez und Miroslav Klose auf der Ersatzbank, in der Nationalelf jagt Klose den ewigen Gerd-Müller-Rekord.
Trotz dieser Vorzeichen hat Löw die Qualifikation vorzeitig abgeschlossen – und das mit zwei Siegen gegen die starken Russen. In der Abrechnung spielt es keine große Rolle mehr, dass sich die Mannschaft im vergangenen Jahr schwer tat. Gegen Aserbajdschan und Wales muss man jedoch nicht unbedingt höher gewinnen als 2:0. Und Glück wie in Moskau, als der Schiedsrichter einen Elfmeter übersehen hat, darf man mal haben.
Ein Signal des Vertrauens hat nun DFB-Präsident Theo Zwanziger gesendet und angekündigt, über 2010 hinaus an Löw festhalten zu wollen. Seit 2004 ist der DFB Vorreiter in der Trainerfrage. Durch die Besetzung des Trainerpostens mit Klinsmann und Löw, seit 2006 nur noch mit Löw, ist es der Verband, der die Modernisierung deutscher Trainingsmethodik vorantreibt – zunächst begleitet vom Ächzen einiger Konservativer in der Branche. Seit dem Sommer 2006 ist vieles einfacher geworden. Doch einiges muss Löw mit den Magaths und Schaafs immer wieder neu aushandeln, etwa das zusätzliche Fitnesstraining für Nationalspieler.
Auch zur EM 08 hatte sich Löw problemlos qualifiziert, im Turnier aber nicht das Maximale aus der Elf herausgeholt. Auch weil er zu stark auf seine Taktik und sein System vertraute. Der zweite Platz war ein sehr gutes Resultat, aber die Leistungen blieben zum Teil deutlich unter Löws Anspruch. Seinen Fehler aus der Vorbereitung auf die EM muss Löw im nächsten Jahr unbedingt meiden: Im Frühjahr 2008 verzichtete er auf seine Fitnesstests. Aus Rücksicht auf die Vereine.
- Datum 12.10.2009 - 15:45 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Super Idee, schließlich zahlt der DFB den ganzen Spielern ihr Salär! Nicht die Clubs, die profitieren ja nur davon und haben keinerlei Kosten! Da stört es auch nicht, wenn ein Schlüsselspieler eines Vereines sich bei einem belanglosen Freundschaftsspiel gegen den Angstgegner Liechtenstein verletzt und 2 Monate während der heißen Phase in der BuLi oder der CL ausfällt!
Ich hoffe die Erwähnung Schaafs und Magaths ist nur eine Anspielung an die erfolgreichsten Trainer der Branche, nicht weil hier pauschal angenommen wird, dass deren Trainingsmethoden altmodisch seien.
Wolfsburg war letztes Jahr die mit Abstand fitteste Mannschaft und der Erfolg Schaafs in den letzten Jahren mit dem bescheidenen Budget Werders sollte auch ihm Recht geben.
Ich kann die Kritik Löws und Klinsmanns an den Fitness-Werten der Spieler nicht nachvollziehen - diese Spieler sind nunmal darauf angewiesen, eine ganze Saison über regelmäßig fit zu sein, nicht nur für eine handvoll Spiele. Deshalb sind Waldläufe und Medizinbälle (was als altmodisch im modernen Fußball angesehen wird) genauso wichtig wie das Training mit Gummi-Seilen.
Lieber Herr Fritsch,
ich schließe mich #2 im Grunde an und versche es auf den Punkt zu bringen:
Sie führen ausgerechnet Magath, im Volksmund der "Schleifer", und Schaaf, dessen Werderaner gemeinhin den "attraktivsten Fußball der Liga" spielen, als Gegenspieler Löws an? Das sollten sie näher erläutern...
Im voraus danke & Grüße
Es ist ja auf den ersten Blick irgendwie einleuchtend, dass Nationalspieler noch zusätzlich etwas für ihre Fitness, Beweglichkeit, etc tun könnten. Auf den zweiten Blick ist es albern. Die Trainingsabläufe sind in den meisten Profivereinen so weit optimiert, dass zusätzliche private Übungen nur noch schaden können. Eventuell schlechte Werte bei Tests rühren auch daher, dass selten ein Spieler unverletzt durch die Saison kommt, sich entweder in einer Aufbau- oder Überlastungsphase befindet. Gerade bei Überlastung nutzt zusätzliches Training gar nichts. Die entsprechenden Vorgaben an Nationalspieler für Zusatzschichten könnte sich der DFB-Trainerstab getrost sparen. Sie bringen nichts, und stören nur das Verhältnis zu den Vereinen.
Außerdem vermittelt der letzte Absatz, dass die deutsche Nationalmannschaft bei der EM (und seither) wieder nur den üblichen langweiligen Ergebnisfußball gespielt hat, weil die Spieler nicht lange genug rennen konnten ?!
Fußball gearbeitet wird in Deutschland weiß Gott genug, besser wäre, auch mal zu spielen.
Ich persönlich seh ja lieber langweiligen Ergebnisfussball meiner Mannschaft als Spassfussball der in einer Niederlage endet einer Mannschaft die mich nicht die Bohne interessiert.
Ich persönlich seh ja lieber langweiligen Ergebnisfussball meiner Mannschaft als Spassfussball der in einer Niederlage endet einer Mannschaft die mich nicht die Bohne interessiert.
Ich persönlich seh ja lieber langweiligen Ergebnisfussball meiner Mannschaft als Spassfussball der in einer Niederlage endet einer Mannschaft die mich nicht die Bohne interessiert.
Die Nationalelf hat wieder spielerisches Potential und auch junge Spieler mit Perspektive. Die Leistung in Russland war so ziemlich das Optimum, was möglich war. Ohne Glück hätten wir da nie gewinnen können.
Taktisch war die Mannschaft voll auf der Höhe, hat Russland das Leben schwer gemacht und weitgehend das Spiel kontrolliert.
Dass die Vereine nicht alle Nationalspieler immer einsetzen ist eben seit Bosman so und wird so bleiben.
die arbeit zwischen bundesliga und nationalmannschaft muss viel besser aufeinander abgestimmt werden. wie wäre es z.b. mit zusätzlichen trainingseinheiten, auch wenn gerade keine nationalspiele auf dem plan stehen? sagen wir, alle 2-3 monate? dann könnte auch ruhig mal ein wochenende spielfrei sein. die trainingseinheiten könnten dann u.a. zur taktischen abstimmung genutzt werden. das würde der deutschen nationalmannschaft doch nur zu gute kommen! natürlich gibt es vor den großen turnieren trainingslager, aber zusätzliche trainingseinheiten würden meiner meinung nach wirklich nicht schaden!
@hülägü: ich denke da an holland. die spielen wunderschönen fußball, scheitern aber spätestens im viertelfinale. ;)
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