Champions League Bayern so gut wie ausgeschieden
Am vierten Spieltag in der Champions League hat Bayern München durch das 0:2 gegen Bordeaux seine Chance aufs Achtelfinale nahezu vertan. Wolfsburg siegt 3:0 in Istanbul.
© Oliver Lang/AFP/Getty Images

Luca Toni in einer derzeit typischen Münchner Haltung
Bayern München – Girondins Bordeaux 0:2
Nach einer schockierenden 0:2-Heimniederlage gegen Girondins Bordeaux steht der FC Bayern München kurz vor dem Aus in der Champions League. Beim verzweifelten Aufbäumen nach der Pause verpasste der lange desaströs aufspielende deutsche Vizemeister den noch mehrfach möglichen Ausgleichstreffer. Yoann Gourcuff hatte vor 66.000 am Ende sehr enttäuschten Zuschauern in der 37. Spielminute per Kopf das Tor zur Halbzeitführung für den destruktiv spielenden französischen Meister erzielt. Das Debakel für die Bayern machte Marouane Charmakh (90.) nach einem Fehler von Holger Badstuber und Torwart Hans-Jörg Butt perfekt.
Nach vier Punkten aus vier Spielen benötigen die Münchener zwei Siege aus den nächsten beiden Partien gegen Haifa und in Turin, um doch noch als zweites Team neben den bereits qualifizierten Franzosen ins Achtelfinale einzuziehen. Unter dem neuen Trainer Louis van Gaal wäre es erst das zweite Mal nach 2002, dass die Münchener schon nach der Vorrunde ausscheiden würden.
Die Bayern waren schwach. Ohne den verletzten Franck Ribery, ohne den zunächst auf der Bank sitzenden Arjen Robben, ohne den angeschlagenen Ivica Olic und ohne den gesperrten Thomas Müller tat sich ein kreatives Vakuum auf. Die Bayern ließen jeden Esprit, jede Entschlossenheit, jedes Konzept vermissen – und das gegen einen defensiv eingestellten Gegner, der auf ein 0:0 aus war.
Dabei hatte Edson Braafheid (3.) mit seiner Flanke, die Girondins-Torwart Cedric Carrasso an die Latte lenkte, schon früh das Startsignal zum Angriffselan der Bayern gesetzt. Gefahr kam aber nur bei ruhenden Bällen auf: Braafheid (19.) verfehlte das Tor noch. In der 32. Minute parierte Carrasso einen Freistoß von Bastian Schweinsteiger aus zwanzig Metern prächtig. Im Anschluss hatte Miroslav Klose Pech: Sein Schuss aus kurzer Entfernung wehrte Michael Ciani den Ball kurz vor der Linie mit der Hand ab. Doch der Pfiff von Schiedsrichter Pedro Proença blieb aus. Das Lebenszeichen der Münchener war nur leise.
Fünf Minuten später kam es ganz schlimm. Mit ihrer einzigen gefährlichen Aktion gingen die Franzosen in Führung: Ein Freistoß des Brasilianers Wendel kurz hinter der Mittellinie segelte in den Bayern-Strafraum, Gourcuff stahl sich hinter Münchens Kapitän Mark van Bommel, der sich in dieser Situation aufs Foulen beschränken wollte, weg und köpfte ein. Butt sah ebenfalls unglücklich aus. Zur Pause vernahm man ein gellendes Pfeifkonzert der Zuschauer.
Trainer van Gaal reagierte: Robben kam zur zweiten Halbzeit für den harmlosen Klose und mit ihm mehr Schwung und Tempo. Endlich bäumte sich der FC Bayern auf, während Girondins nur noch auf Ergebnisverwaltung aus war. So erspielten sich die Deutschen mehr und mehr Chancen: Nach Pass Schweinsteigers vergab der einstige Knipser Luca Toni (47.) die Möglichkeit zum Ausgleich. Kurz später wurde van Bommel (53.) im letzten Moment von Ciani geblockt. Robben (62.) und der kurz zuvor eingewechselte Nationalstürmer Mario Gomez vergaben innerhalb von einer Minute gute Gelegenheiten. Doch den Bayern fiel nichts mehr ein, Bordeaux hatte kaum noch Mühe, den Sieg nach Hause zu bringen. In der 90. Minute verbitterte Charmakh den Abend für die Münchner.
Besiktas Istanbul – VfL Wolfsburg 0:3
Minimalziel erreicht und das Achtelfinale der Champions League zum Greifen nahe – der VfL Wolfsburg darf nach dem 3:0 (1:0) bei Besiktas Istanbul auf jeden Fall im europäischen Fußball überwintern. Nach dem Erfolg in der "Hölle von Istanbul" durch Tore von Zvjezdan Misimovic (14. Minute), Christian Gentner (80.) und Edin Dzeko (87.) hat der Deutsche Meister in der Vorrunden-Gruppe B Platz 3 sicher, der zum Weiterspielen in der Europa League reicht. Die Mannschaft von Trainer Armin Veh besitzt allerdings auch eine gute Ausgangsposition für die K.o-Runde. In zwei Wochen kommt es am vorletzten Spieltag bei ZSKA Moskau zum Schlüsselspiel.
Bei kühlen Temperaturen und teilweise strömendem Regen kam die zuletzt so schwache VfL-Abwehr vor 30.000 Zuschauern im Inönü-Stadion kaum in Verlegenheit. Der allerdings stark ersatzgeschwächte dreizehnmalige türkische Meister Besiktas blieb gegen defensivstarke Wolfsburger harmlos und wartet weiter auf seinen ersten Sieg.
Wolfsburg, dessen Geschäftsführer Jürgen Marbach vor dem Spiel die Spekulation über die Verpflichtung von Dieter Hoeneß als Manager dementiert hatte, spielte mit der erwarteten Anfangself: Für den gesperrten Grafite stürmte Obafemi Martins an der Seite von Dzeko. Die Türken mussten gleich vier Ausfälle verkraften: Unter anderem fehlten der ehemalige Nationalspieler Fabian Ernst (Bauchweh) und Torhüter-Urgestein Rüstü, dafür stand Ex-Bundesligaprofi Ugur Inceman von Beginn auf dem Platz.
Rüstü-Vertreter Hakan Arikan machte von Beginn einen unsicheren Eindruck und hatte bei Möglichkeiten durch Christian Gentner (7.) und Zvjezdan Misimovic (10.) Schwierigkeiten. Beim platzierten 25-Meter-Schuss von Misimovic aus zentraler Position war Arikan jedoch ohne Chance. Nach der frühen Wolfsburger Führung nahm das Spiel weiter an Fahrt auf: Rodrigo Tabata prüfte kurz darauf VfL-Tormann Diego Benaglio, auf der Gegenseite vergaben Martins und erneut Misimovic das mögliche Wolfsburger 2:0.
Die Wolfsburger spielten druckvoll und standen sicher in der Abwehr, Besiktas kam nach stürmischen ersten fünf Minuten lange nicht einmal mehr zu Kontern. Erst nach einer guten halben Stunde fing sich Besiktas, Wolfsburg drängte nicht mehr so stark und überließ dem Gegner zunehmend Raum, Serdar Özkan (34.) und Bobo (38.) vergaben. Auf der Gegenseite konnten sich trotz Wolfsburger Überlegenheit im Mittelfeld die VfL-Stürmer kaum noch durchsetzen.
In der zweiten Halbzeit verflachte die Partie. Wolfsburg handelte bei den wenigen Konter-Möglichkeiten zu harmlos. Umgekehrt ließ der VfL auch wenig zu, nur bei Einzelaktionen durch Tabata (53.) und Michael Fink (62.) kam Besiktas gefährlich in die Nähe des Wolfsburger Tores. Die erste echte Möglichkeit hatte Dzeko zehn Minuten vor Schluss: Der Torjäger scheiterte am heraus geeilten Arkan, der Ball kam zu Gentner, der von der Strafraumgrenze ins leere Tor schoss. Einen Konter verwertete Dzeko zum dritten Tor.
- Datum 04.11.2009 - 06:21 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 4
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










Ich habe das Spiel gestern bei Sky in voller Länge gesehen. Was mir aufgefallen ist: die Bayern spielen wesentlich langsamer, als es international üblich ist. Dadurch kann sich der Gegner immer in seiner Grundordnung aufstellen und es kommt dann nur zu Chancen durch Einzelaktionen.
Ein System lassen die Bayern erkennen, aber das Tempo fehlt. Gerade in der Rückwärtsbewegung nach Ballverlusten sieht das fatal aus.
In der Bundesliga reicht es eben gegen die meisten Mannschaften durch die tollen Einzelspieler - außerdem haben dort die Teams zu viel Respekt vor den Bayern. Bordeaux hat in der letzten halben Stunde fast lässig sein 1:0 verwaltet.
Die teuersten Spieler sind nicht immer die besten, vor allem, wenn auf dem Platz kein Spieler als Boss akzeptiert wird - auch im sog. Systemfussball. Genau ein solcher Charismatiker fehlt bei Bayern; Lahm ist es nicht, van Bommel nicht, andere auch nicht - und auch nicht der schwierige Trainer. Mit Ribery und einem gesunden Robben (aber wann war er das mal in den letzten Jahren)ist das Team natürlich eine klasse besser, aber nicht reif für Europa. Aber auch der Vorstand ist nicht reif für Europa, kaum ein Verein hat in den letzten Jahren soviel Geld verbrannt, insbesondere mit ungeduldiger Trainersuche...Bordeaux zeigt seit 3 Jahren, wie es mit wenig Geld und besonderen Leuten geht!
wenn der mut fehlt um moderne konzepte und trainingsmethoden durchzuziehen. auch ein general wie van gaal kann aus einer zusammen gestückelten individualisten truppe keine mannschaft machen. er würde irgendwann erfolg haben wenn er die zeit dazu bekommt. eine mannschaft zu formen geht nicht in ein paar monaten. den umweg über van gaal hätte man sich sparen können in dem man klinsmann mehr zeit gibt. doch der hat ja mit seinen ideen nicht zum erzkonservatien fcb gepasst.
Mir wäre es ja lieber die Münchner marschierten souveräm durch die CL und bleiben in der BuLi chancenlos. So aber werden sie wohl wieder Meister (gähn) (4 Punkte und noch 23 Spieltage Zeit, die aufzuhohlen). Wo ist der Fussballgott??
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren