Bundesliga, 12. Spieltag Werder und HSV lassen Leverkusen ziehen

Ein Spieltag der Unentschieden: Bremen, Hamburg und Schalke lassen Punkte bei der Verfolgung von Spitzenreiter Leverkusen. Hertha setzt den freien Fall fort. Alle Spielberichte der Bundesliga

Brachte Werder vorübergehend in Führung: Mesut Özil

Brachte Werder vorübergehend in Führung: Mesut Özil

Werder Bremen – Borussia Dortmund 1:1

Die Serie hat gehalten, doch die große Chance hat Werder Bremen vertan: Zwar blieben die Hanseaten mit dem am Ende glücklichen 1:1 (1:0) gegen Borussia Dortmund auch im 19. Pflichtspiel hintereinander ungeschlagen, verloren aber in der Fußball-Bundesliga durch das Remis wertvollen Boden auf Spitzenreiter Bayer 04 Leverkusen.

Nationalspieler Mesut Özil (36.) hatte am Sonntag die Gastgeber vor 34.906 Zuschauern nach toller Vorarbeit von Aaron Hunt mit seinem fünften Saisontor in Führung gebracht. In der temporeichen, aber nicht immer hochklassigen Partie schaffte Torjäger Lucas Barrios (54.) den Ausgleich. Der BVB dominierte die zweite Halbzeit und hatte sogar noch Möglichkeiten zum verdienten Sieg gegen die immer mehr abbauenden Bremer. Werder behielt seinen zweiten Tabellenplatz, hat aber nunmehr drei Punkte Rückstand auf die Leverkusener. Die
Dortmunder stecken als Neunter weiter im Mittelfeld weg.

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Noch vor dem Spielbeginn waren die Werder-Fans bester Laune. Die Nachricht vom 2:2 des Erzrivalen und Tabellendritten Hamburger SV bei Hannover 96 löste auf den Rängen Jubel aus. Schon zwei Minuten nach dem Anpfiff hatte Özil die erste Chance, die Stimmung der Bremer Anhängerschaft weiter zu steigern, scheiterte aber an Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller. Vier Minuten später hatten auch die Gäste ihre erste Möglichkeit, als der Ex-Bremer Nelson Valdez aus halblinker Position schoss, der Ball aber am Tor vorbeiging.

Die beiden Szenen waren zunächst die einzigen Aufreger. Die Gastgeber waren häufiger im Ballbesitz, machten aber zu wenig daraus. Beide Mannschaften ließen sich kaum Raum im Mittelfeld. Es wurde gearbeitet, nicht gespielt. Die Folgen: viele Fehlpässe, wenig Strafraumszenen.

Werder war vor allem das Fehlen von Tor-Garant Claudio Pizarro anzumerken. Sein Ersatz Hugo Almeida konnte sich im ersten Spiel von Beginn nach seiner Gesundung kaum durchsetzen. Dagegen ließ Philipp Bargfrede den verletzten Torsten Frings im Mittelfeld fast vergessen. Die ersatzgeschwächten Dortmunder gefielen mit ihrer starken Defensive, doch nach vorn lief auch bei ihnen nur wenig.

Erst nach dem Geniestreich von Hunt und Özil nahm das Spiel an Fahrt auf: Hunt flankte von rechts auf Özil, der angeblich vom FC Arsenal aus London umworbene Nationalspieler nahm den Ball direkt und schoss gegen die Laufrichtung von Weidenfeller. Sieben Minuten später rettete Dortmunds Mohamed Zidan auf der Linie nach einem Schuss von Per Mertesacker. Auch der BVB meldete sich noch einmal: In der Nachspielzeit parierte Werder-Torwart Tim Wiese Nuri Sahins Freistoß.

Nach dem Wiederanpfiff schienen die Hanseaten zunächst weiter am Drücker zu bleiben. Dann häuften sich aber die Nachlässigkeiten. In der 53. Minute wurde ein Tor von Barrios wegen Abseitsstellung abgepfiffen - eine Fehlentscheidung. Nur wenige Sekunden später durften die Westfalen doch jubeln: Nach einem Schuss von Valdez staubte Barrios ab. Werder verlor seinen Rhythmus. Dortmund wurde mutiger. Neven Subotic (68.) und vor allem Valdez (81.), der an dem starken Wiese scheiterte, vergaben noch gute Möglichkeiten.

 Hertha BSC – 1. FC Köln 0:1

Der Absturz der Krisen-Hertha in der Fußball-Bundesliga setzt sich ungebremst fort. Drei Tage nach dem Holland-Hoch von Heerenveen unterlagen die schwer angeschlagenen Berliner im
Keller-Duell gegen den 1. FC Köln mit 0:1 (0:0) und sind damit seit 92 Tagen und elf Spielen in der Liga ohne Sieg. Milivoje Novakovic besiegelte mit seinem Tor in der 79. Minute am Sonntag die erneute Niederlage der Hertha, die mit vier Punkten fast schon aussichtslos am Tabellenende bleibt. Die Berliner erarbeiteten sich vor 48.623 Zuschauern im Olympiastadion gegen die Mauerkünstler aus dem Rheinland zwar klare Spiel- und Chancenvorteile, trafen aber das Tor nicht. Erfolgreicher waren die Kölner, die sich mit nun zwölf Punkten auf den 13. Platz verbesserten und mit deutlich mehr Hoffnung in die Länderspielpause gehen können.

Hertha-Trainer Friedhelm Funkel hatte sein Team nach dem als Hoffnungsmacher gedeuteten 3:2 in der Europa League in Heerenveen wenig verändert, blieb aber auch im fünften Bundesliga-Spiel als vermeintlicher Hertha-Retter ohne Sieg. Artur Wichniarek und Waleri Domowtschijski bildeten die Doppelspitze. Im Mittelfeld durfte allerdings Lukasz Piszczek statt Cicero ran. Patrick Ebert musste nach seiner UEFA-Sperre überraschend zunächst weiter draußenbleiben. Bei Köln fehlte Petit (Sperre). Podolski durfte wieder offensiver neben Novakovic agieren, betätigte sich aber oft als Pendler zwischen Angriff und Mittelfeld und versuchte mit mäßigem Erfolg, das Spiel schnell zu machen.

Beide Mannschaften begannen die wegweisende Partie eher konfus denn mit klarer Linie. Und der erste Aufreger passte in dieses Bild. Nach einem Freistoß von Podolski rammte Hertha-Kapitän Arne Friedrich seinen eigenen Torwart Jaroslav Drobny (6. Minute) förmlich um - der Keeper schimpfte wie ein Rohrspatz. In der Offensive war ein Raffael-Schüsschen (16.) die erste zarte Annäherung in Richtung FC-Tor. Auf der anderen Seite war ein Novakovic-Versuch (23.) für Drobny keine ernste Gefahr.

Die Kölner beschränkten sich auf eine ordentliche Defensive. Die Hertha war immerhin bemüht, mehr Vorwärtsdrang zu präsentieren. Die Verantwortung wurde aber immer wieder weitergeschoben. Nur Raffael hatte Ideen - jedoch auch grandioses Pech. In der 41. Minute traf er innerhalb weniger Sekunden zuerst den rechten und dann den linken Pfosten. Beim nächsten Hertha-Spiel in Stuttgart wird der Brasilianer nach seiner 5. Gelben Karte fehlen.

Hertha legte in der zweiten Halbzeit noch mal zu. Es fehlte aber an kollektiven Offensivaktionen, um den ersehnten Befreiungsschlag zu setzen. Die Harmlosigkeit wurde von den Kölnern gnadenlos bestraft. Als alle Zeichen auf eine Nullnummer deuteten, schlug Novakovic nach einem Podolski-Freistoß per Kopfball zu und versetzte die zuvor so biederen Kölner mit dem zweiten Torversuch überhaupt in einen Freudentaumel.

Hannover 96 – Hamburger SV 2:2

Der Hamburger SV hat nach einem erfolglosen Personal-Puzzle durch das 2:2 (2:1) bei Hannover 96 wertvollen Boden auf Spitzenreiter Bayer Leverkusen verloren. Durch das unnötige Unentschieden am Sonntag im Nord-Klassiker warten die Hanseaten weiter auf den ersten Ligasieg seit dem 4. Oktober und liegen nach der kleinen Schwächeperiode in der Tabelle der Fußball-Bundesliga jetzt drei Punkte hinter dem Werksclub. Vor 49.000 Zuschauern in der ausverkauften AWD-Arena trafen Marcell Jansen (15.) und der überragende Eljero Elia (44.) für die Gäste. Nach Didier Ya Konans zwischenzeitlichem Ausgleich (25.) rettete der Tscheche Jiri Stajner (88.) mit einem fragwürdigen Foulelfmeter den 96ern nach zwei Bundesliga-Dreiern in Folge ohne Gegentor wenigstens einen Zähler.

Seit dem 3:1 gegen Hertha BSC hatte der HSV in der Liga nicht mehr gewonnen. "Das ist ein ganz wichtiges Spiel für uns. Wir wollen uns oben festsetzen", forderte HSV-Coach Bruno Labbadia und rotierte vor dem 21. Pflichtspiel seiner Elf in dieser Saison überraschend gleich zwei neue Stürmer rein. Elia und Tunay Torun ersetzten Marcus Berg und Jonathan Pitroipa, die gegen Glasgow enttäuscht hatten. Und Elia drehte mächtig auf. Nach fünf Minuten schlenzte der niederländische Aushilfsstürmer knapp am langen Pfosten vorbei, zehn Minuten später bediente er nach einem schönen Doppelpass Marcell Jansen, der aus fünf Metern mühelos zur Führung einschob.

Die ballsicheren Gäste verknappten geschickt die Räume und kontrollierten mit geringem Aufwand die Partie. Die harm- und ideenlosen Hannoveraner fanden dagegen in der Offensive zunächst nicht statt. Die Partie plätscherte vor sich hin, bis die erste Ecke der 96er wieder für Aufregung sorgte. Ausgerechnet der 1,74 Meter kleine Ivorer Yo Konan köpfte mit seinem vierten Saisontreffer praktisch aus dem Nichts den Ausgleich (25.) - bereits das achte Kopfball-Gegentor für den HSV. In der 35. Minute musste der Torschütze mit einer Bauchmuskelzerrung ausgewechselt werden.

Statt durch den Ausgleich Sicherheit zu gewinnen, verlor Hannover aber erneut die defensive Ordnung. Vor allem 96-Verteidiger Karim Haggui erwies sich mehr als einmal als Sicherheitsrisiko. Nachdem der Türke Torun in der 33. Minute noch einen Hochkaräter ausgelassen hatte, machte es der starke Elia kurz vor der Pause besser. Bei seinem Kopfball-Tor nach einem Freistoß des schwachen Piotr Trochowski sah der zögerliche Nationaltorhüter Robert Enke allerdings unglücklich aus.

Sehr präsent kam der HSV auch aus der Kabine. Torun scheiterte in der 53. Minute nach einer schönen Einzelleistung am Pfosten, Elias Rebound lenkte Enke mit Mühe zur Ecke. 67 Stunden nach dem mageren 0:0 gegen Celtic Glasgow in der Europa League schwanden den Hamburgern mit zunehmender Spieldauer sichtlich die Kräfte. Hannover drängte, aber die großen Chancen fehlten. Ze Roberto wäre dagegen bei einem Konter beinahe das 3:1 gelungen, doch Stajner rettete kurz vor dem Ende das verdiente Remis. 

 FC Bayern München – FC Schalke 04 1:1

Felix Magath setzte einen Bundesliga-Neuling ein und schlug damit dem FC Bayern München und dessen Trainer Louis van Gaal ein Schnippchen. Ausgerechnet der 18-jährige Joel Matip erzielte in der 43. Minute mit dem Kopf den Treffer des FC Schalke 04 in der ausverkauften Münchner Arena. Der FC Bayern war durch den Abwehrchef Daniel van Buyten in Führung gegangen (31.). Anders als beim 0:2 gegen Bordeaux zeigte van Gaals Team Wille und Leidenschaft. Magath aber hatte mit Matips Nominierung für die Überraschung des Nachmittags gesorgt. Der hünenhafte Jugendspieler überzeugte erst als abgeklärter Abräumer vor der Abwehr und später auch mit Zweikampfstärke in der Innenverteidigung. Höhepunkt war schließlich sein Kopfballtor.

Auf Seiten der Bayern hatte Philipp Lahm mit einem Interview in der Süddeutschen Zeitung für einige Aufregung gesorgt. In einem verbalen Rundumschlag hielt er insbesondere der Vereinsführung Planlosigkeit und eine verfehlte Transfer-Politik vor – die klaren Worte auch in Richtung der Teamkollegen im Mittelfeld werden nicht ohne disziplinarische Konsequenzen bleiben, kündigte Uli Hoeneß an.

Die Bilder des Spieltages: Louis van Gaal im Stress

Die Bilder des Spieltages: Louis van Gaal im Stress

Louis van Gaal hatte auf die Heimpleite gegen Bordeaux reagiert. Van Buyten und der erstmals für ein Länderspiel nominierte Thomas Müller kehrten nach ihrer Champions-League-Sperre zurück, in der Abwehr rückte Holger Badstuber aus dem Zentrum nach links außen. Deutlich erkennbar war das Bemühen der Bayern, das Mittelfeld schneller zu überbrücken, das ewige Quer- und Rückpass-Spiel zu unterlassen. Die erste Chance hatte Schalke durch Kevin Kuranyi, aber Bayern-Torwart Jörg Butt parierte prächtig (5.). Auf der Gegenseite hielt Schalke-Torwart Manuel Neuer – der von den Bayern stark umworben wird – einen schwachen Schuss von Miroslav Klose. Es war Neuers 100. Bundesligaspiel. Am gefährlichsten waren die Standardsituationen: Erst traf van Buyten per Kopf nach Freistoß von Badstuber, dann Matip nach einem ruhenden Ball von Lukas Schmitz. Und in der Nachspielzeit der ersten Hälfte verhinderte Marcelo Bordon nach einem Freistoß von Badstuber mit einer Rettungstat kurz vor der Linie das Münchner 2:1.

Mit Arjen Robben erhöhte van Gaal nach der Pause Tempo und Druck im Münchner Offensivspiel. Zunächst aber hatte der niederländische Nationalspieler Glück, dass er für ein Revanchefoul nur die Gelbe Karte sah. Das Spiel wurde rasanter, Miroslav Klose verfehlte per Kopf knapp (62.). Auch Schalke versteckte sich nicht, konterte, allerdings auch ohne Erfolg. Bayerns letzte große Chance zum Siegtor hatte Anatoli Timoschtschuk auf dem Fuß, aber er schoss in der 77. Minute vorbei.

1899 Hoffenheim – VfL Wolfsburg 1:2

Der VfL Wolfsburg hat sich mit einem Sieg im Rennen um die Herbstmeisterschaft zurückgemeldet: Vor 29.400 Zuschauern brachte Vedad Ibisevic die Hoffenheimer in der 23. Minute in Führung. Zvjezdan Misimovic (52.) und Grafite (57.) schlugen nach der Pause aber für den deutschen Meister zurück.

Die Hoffenheimer dominierten das Geschehen in der ersten Halbzeit und hätten zur Pause deutlicher als mit 1:0 vorne liegen können. Bereits in der 1. Minute hatte Abwehrchef Josip Simunic die Führung auf dem Fuß, doch der Kroate verzog den Schuss wie auch vier Minuten später aus aussichtsreicher Position. Die Gäste agierten zaghaft und spielten selten offensiv. Zunächst vergab der Brasilianer Grafite, der erstmals nach seinem Heimaturlaub wieder in der Startformation stand, einen Kopfschuss. Dann kam der Torschützenkönig der Vorsaison im Zweikampf mit dem Torwart von 1899 Hoffenheim, Timo Hildebrand, im Strafraum zu Fall. Doch der Schiedsrichter wertete die Aktion nicht als Foul und ließ weiterspielen.

Praktisch im Gegenzug gingen die Gastgeber in Führung. Maicosuel flankte von rechts auf den Kopf von Ibisevic, der sich die Chance zu seinem fünften Saisontor nicht entgehen ließ. Erst danach tat der Deutsche Meister etwas mehr für das Spiel. Ein Freistoß von Misimovic (26.) strich knapp am Pfosten vorbei, Edin Dzeko (33.) scheiterte an Hildebrand. Auf der Gegenseite hätten Maicosuel (28.), Ibisevic (39.) und Sejad Salihovic (45.), dessen Freistoß an den Pfosten klatschte, die Führung für die Hoffenheimer ausbauen können.

Nach dem Wechsel drehten die Gäste auf und innerhalb von fünf Minuten die Partie. Zunächst traf Misimovic aus spitzem Winkel per Direktschuss, dann brachte Grafite die Gäste mit einem abgefälschten Schuss nach vorn. Zuvor hatte Sascha Riether (49.) bereits eine hundertprozentige Chance vergeben. Wolfsburg ließ nun gekonnt Ball und Gegner laufen, während die TSG völlig den Faden verlor. Ibisevic (60.) hatte zwar das 2:2 auf dem Fuß, aber ansonsten ging in der Offensive nicht mehr viel. Der VfL konterte dagegen immer wieder gefährlich. Kurz vor Schluss verstolperte Dzeko aus vier Metern das dritte Wolfsburger Tor.

VfL Bochum – SC Freiburg 1:2

Der VfL Bochum hat auch die Heimpremiere unter dem neuen Trainer Heiko Herrlich verpatzt. Stefan Reisinger bescherte den Breisgauern mit seinem Treffer in der Nachspielzeit nach vier Niederlagen in Serie den erhofften Sieg. Zuvor hatte der ehemalige Bochumer Heiko Butscher (23.) Freiburg in Führung gebracht, ehe Diego Klimowicz (65.) per Kopf vor 20.403 Zuschauern den Ausgleich erzielte. Während die Bochumer in der unteren Tabellenhälfte der Bundesliga schweren Zeiten entgegen sehen, fand der Aufsteiger aus dem Breisgau Anschluss ans Mittelfeld.

Die Bochumer mussten verletzungsgeplagt in das wichtige Duell gehen. Heiko Herrlich fehlten gleich sieben Spieler, darunter die beiden gesperrten Shinji Ono und Christoph Dabrowski. SC-Coach Robin Dutt konnte auf seine beste Formation zurückgreifen, veränderte seine Startelf aber auf einigen Positionen.

Die Bochumer übernahmen zunächst die Initiative und hatten durch Stanislav Sestak (18.) auch die erste gute Möglichkeit. Kurz darauf prüfte Zlatko Dedic SC-Schlussmann Simon Pouplin. Doch gerade als der VfL die Partie im Griff zu haben schien, musste er einen Rückschlag hinnehmen: Gleich die erste gute Möglichkeit nach einer Ecke von Ivica Banovic nutzten die Gäste zur Führung. Ausgerechnet der ehemalige VfL-Profi Butscher lenkte einen Schuss von Daniel Caligiuri aus kurzer Distanz über die Linie. Nach dem Rückstand verloren die Bochumer etwas den Faden. VfL-Keeper Philipp Heerwagen musste in höchster Not das mögliche 0:2 im Herauslaufen verhindern (21.). Bochums Torwart stand bis zur Pause noch einmal im Mittelpunkt, als er einen Schuss von Julian Schuster reaktionsschnell zur Ecke lenkte.

Nach dem Wechsel hatten die Breisgauer zunächst mehr vom Spiel und die besseren Chancen. Bochums Dennis Grote, der auf der Linksverteidiger-Position spielte, musste für den schon geschlagenen Heerwagen einen Ball auf der Linie retten. Doch nachdem die Freiburger Banovic (58.) und Stefan Reisinger (64.) weitere gute Möglichkeiten ausgelassen hatten, kam der Revierklub wieder besser ins Spiel. Der Lohn der Mühen war der Ausgleich durch Klimowicz, der Pouplin nach einer Flanke von Dedic mit einem platzierten Kopfball überwand. Einen zweiten Treffer von Klimowicz erkannte der Schiedsrichter wegen einer angeblichen Abseitsstellung nicht an. In der turbulenten Schlussphase sicherte Reisinger nach einem Konter den Bochumern in letzter Sekunde den Sieg. 

Borussia Mönchengladbach – VfB Stuttgart 0:0

Drei Tage nach dem 1:1 gegen den FC Sevilla in der Champions League war den von großen Personalsorgen geplagten Stuttgartern die Mehrfachbelastung anzumerken. Insgesamt acht Spieler musste Markus Babbel ersetzen, in der Startformation standen im Vergleich zu Mittwoch drei neue Spieler. Die Gladbacher entschieden sich für ein schnelles, direktes Spiel. In Rob Friend und Karim Matmour standen zwei neue Stürmer im Team der Borussen, Raul Bobadilla und Kapitän Filip Daems fehlten dagegen verletzungsbedingt. Vor den 47.053 Zuschauern im Borussia-Park waren die Gladbacher dennoch über weite Strecken die spielbestimmende Mannschaft

In der Anfangsphase hatten die Gladbacher gleich nach acht Minuten eine Doppelchance durch Marco Reus und Matmour. Beide trafen nur knapp neben das Tor. In der 22. Minute war es erneut Reus, der nach einem sehenswerten Solo ebenfalls um Haaresbreite scheiterte. Die Gäste verhielten sich lange Zeit sehr passiv und hatten durch den Russen Pawel Pogrebnyak die beste Möglichkeit (19.), doch der Mittelstürmer vergab aus kurzer Distanz. Kurz vor der Pause hatte VfB-Verteidiger Georg Niedermeier Pech mit einem Kopfball, der das Tor verfehlte.

Babbel reagierte auf die schwache Offensive und brachte in Julian Schieber den besten Stuttgarter Torschützen als zweite Sturmspitze. Doch der gut aufgelegte Reus verpasste nach 48 Minuten aus aussichtsreicher Position wiederum den Führungstreffer. Kurz darauf scheiterte Friend mit einem Kopfball an Jens Lehmann, der den Ball an den Pfosten lenkte (50.).

Auf der Gegenseite scheiterte auch Stuttgarts Zdravko Kuzmanovic (73.) am Torpfosten. Die Gladbacher drängten weiter auf die Führung, doch am Ende retteten die Gäste ein glückliches Remis über die Zeit.  

FSV Mainz 05 – 1. FC Nürnberg 1:0

Der FSV Mainz 05 bleibt auch nach sechs Heimspielen im eigenen Stadion weiter ungeschlagen. Vor 20.000 Zuschauern im nicht ausverkauften Bruchwegstadion sorgte der Kolumbianer Elkin Soto in der 38. Minute mit seinem ersten Saisontreffer für den Sieg. Die Nürnberger bleiben damit auswärts sieglos und nach einer insgesamt schwachen Vorstellung im Tabellenkeller.

Die Mainzer, bei denen André Schürrle den an Grippe erkrankten Chadli Amri ersetzte, starteten deutlich besser. Bereits nach zwei Minuten hatte Andreas Ivanschitz eine große Chance zur frühen Führung. Doch nach Flanke von Tim Hoogland scheiterte der Mittelfeldspieler aus kurzer Distanz am stark reagierenden Raphael Schäfer im Nürnberger Tor. Auch in der Folgezeit bestimmten die Mainzer das Geschehen. Aggressiv in den Zweikämpfen, setzte der FSV die Franken unter Druck und kam durch Hoogland (6.) und Schürrle (26.) zu weiteren Möglichkeiten. Die Gäste, bei denen Daniel Gygax den Grippe kranken Marek Mintal ersetzte, wurden hingegen nach mehr als einer halben Stunde erstmals gefährlich, doch Peer Kluges Kopfball ging vorbei. Zwei Minuten später hätte Albert Bunjaku den FCN aber in Front bringen müssen. Nach einem katastrophalen Fehler von Niko Bungert lief der Angreifer allein aufs Mainzer Tor zu. Er schoss jedoch vorbei.

Statt in Führung zu gehen lagen die Nürnberger wenig später zurück. Im Anschluss an die sechste Mainzer Ecke kam Soto an der Strafgrenze an den Ball und schoss ihn zur 05-Führung ins Tor. Der Einsatz des Mittelfeldspielers war bis kurz vor Spielbeginn wegen Beschwerden an der Patellasehne unsicher gewesen.

Nach dem Seitenwechsel verflachte die Partie zusehends. Die Nürnberger waren zwar um den Ausgleich bemüht. Im Spiel nach vorne fehlten den Franken aber Ideen und Durchschlagskraft. Lediglich Bunjaku prüfte einmal den Mainzer Torhüter Heinz Müller (47.). Die Mainzer beschränkten sich eine Woche nach dem begeisternden 3:3 gegen den VfL Wolfsburg auf das Verteidigen der Führung und offenbarten ihrerseits im Konterspiel eklatante Schwächen. Pech hatte das Team von Trainer Michael Oenning, da Kluges Treffer in der 87. Minute wegen Abseits abgepfiffen wurde. Für Mainz vergab Aristide Bancé in der Nachspielzeit das 2:0. 

Bayer 04 Leverkusen – Eintracht Frankfurt 4:0

Bayer 04 Leverkusen bleibt dem Vereinsrekord von 14 Bundesliga-Spielen in Folge ohne Niederlage auf der Spur. Mit dem 4:0 (3:0) gegen Eintracht Frankfurt bewahrte die Werkself den Nimbus der Unbesiegbarkeit. Vor 30.000 Zuschauern brachten Stefan Kießling (2. Minute), Stefan Reinartz (6.) und Toni Kroos (11.) binnen elf Minuten die Gastgeber auf die Siegerstraße, der kurz zuvor eingewechselte Lars Bender (86.) traf zum Endstand von 4:0. Während Bayer nach drei Remis hintereinander den siebten Sieg der Saison verbuchte, kassierten die Hessen an der alten Wirkungsstätte ihres Fußball-Trainers Michael Skibbe die vierte Saisonniederlage.

Bayers Nationaltorwart René Adler musste wegen einer Augenentzündung auf einen Einsatz verzichten. Da auch die etatmäßige Nummer zwei, Benedikt Fernandes, nach einer Meniskusoperation nicht zur Verfügung stand, feierte der 19-jährige Fabian Giefer seine Erstliga-Premiere. Ernsthaft geprüft wurde er von den harmlos agierenden Gästen nicht, hätte aber um ein Haar in der 60. Minute ein Gegentor verschuldet: Beim Versuch des Rausschlagens traf er den Ball nicht richtig und schoss ihn den vor ihm stehenden Frankfurter Nikolas Liberopoulos in die Füße, warf sich ihm aber entgegen und machte seinen Fehler so wieder wett.

Neben Adler fehlten bei Leverkusen in Kapitän Simon Rolfes, Renato Augusto, Michal Kadlec und Patrick Helmes vier weitere Stammkräfte. Dennoch trumpfte Bayer 04 groß auf und hatte die Partie schnell im Griff: In der 2. Minute setzte sich Kießling am energischsten im Frankfurter Strafraum durch und erzielte aus Nahdistanz seinen 50. Bundesligatreffer und das achte Saisontor. Vier Minuten später köpfte Reinartz nach einer Ecke von Tranquillo Barnetta zum 2:0 ein. Der erneut stark agierende Kroos markierte wie eine Woche zuvor auf Schalke mit einem schönen Fernschuss aus knapp 20 Meter das 3:0. Die einzige Chance der Frankfurter in der ersten Halbzeit bescherte der Eintracht Leverkusens Arturo Vidal mit einem Fehlpass im eigenen Strafraum auf Liberoupoulos (20.). Der Stürmer vergab aber kläglich.

Michael Skibbe, der von Oktober 2005 bis Mai 2008 in Leverkusen tätig war, fand seine Prophezeiung ("Bayer spielt auf einem anderen Niveau") bestätigt. Seine Mannschaft habe jegliche taktische Ordnung nach dem 3:0-Schock in der Anfangsphase über den Haufen geworfen, beklagte er. Zudem musste er kurz vor dem Spiel auf den Stammtorwart Oka Nikolov verzichten, der wegen eines angeschwollenen Knies nicht spielen konnte. Für ihn stand der ehemalige Schalker Ralf Fährmann erstmals im Tor der Eintracht.

In der zweiten Halbzeit hatte er nicht all zu viel zu tun, da die weiter dominierenden Leverkusener nach der klaren Führung einen Gang zurückschalteten. Kurz vor Schluss durfte sich allerdings dann noch der Nchwuchsspieler Bender über sein Tor zum 4:0-Endstand freuen.

 
Leser-Kommentare
    • jokus1
    • 08.11.2009 um 14:32 Uhr

    Für mich ist Philipp Lahm schon jetzt Spieler des Jahres 2009. Er verkörpert einen neuen Typus von intelligent-(selbst)kritischen Fußballern, die sich nicht nur nach dem Spiel ausgezeichnet ausdrücken können und mutig ihre Meinung vertreten. Den Anpfiff von Hoeneß wird er überstehen, ob Hoeneß die jetzige Bayern-Krise übersteht ist eine andere Frage.
    Zu dieser "Lahm" - Generation zähle ich auch Thomas Hitzlsberger, Andreas Beck und Tobias Levels. Sie alle zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie "außer Fußball" noch andere Interessen und Ansichten haben und vertreten.
    So habe ich mir mündige Fußballer immer vorgestellt!

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