Nach Enkes Tod "Scheut euch nicht, Hilfe zu suchen!"Seite 2/2
Depressionen werden heute als Schwäche und Versagen ausgelegt, was insbesondere im Profifußball Ängste schürt bei Betroffenen. Es sind Ängste vor einem Ansehensverlust in der Mannschaft und in der breiten Öffentlichkeit. Die Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV) fordert psychologische Unterstützung für Spieler – nicht zum ersten Mal. VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky sagte, die Vereine als Arbeitgeber müssten den Spielern zur Seite stehen und Angebote schaffen.
Er lobte Klubs, die Psychologen beschäftigten, doch längst haben sich nicht alle Vereine dieser Thematik geöffnet. Nur der FC Bayern München hat einen Psychologen fest angestellt. Vereine wie die TSG Hoffenheim und der VfL Bochum arbeiten mit einem solchen Experten auf Honorarbasis zusammen. Die restlichen Bundesligaklubs bieten ihren Spielern Hilfe bei der Vermittlung von Experten an.
Doch allein die Hinzuziehung eines Psychologen würde das Problem nicht lösen (wenn man mal von der Frage absieht, ob der Betroffene überhaupt die Bereitschaft besitzt, sich auch zu öffnen). Im Gegenteil, die Hinzuziehung eines Psychologen könnte sich sogar als kontraproduktiv erweisen, sagt Isabella Heuser dem Tagesspiegel. Die Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité befürchtet, dass der Einsatz eines Psychologen "die Stigmatisierung" noch weiter vorantreiben würde. Es hieße dann doch nur: Guck mal, der geht zum Psychiater!
"Im besten Falle muss eine psychische Verletzung im Fußball so normal werden wie eine Muskel- oder Bänderverletzung", sagt Heuser. Ihrer Meinung nach müsse der Mannschaftsarzt verstärkt bei den Spielern auf Anzeichen für psychische Auffälligkeiten achten. "Er muss das affektive Verhalten der Spieler im Auge haben und sie aktiv darauf ansprechen." Dafür aber müsste sich der eine oder andere Mannschaftsarzt weiterbilden.
Sollte schließlich tatsächlich eine ernsthafte Erkrankung bei einem Spieler vorliegen, bliebe immerhin noch die Zeit, einen Fachmann hinzuzuziehen, möglicherweise auch im Verborgenen. Natürlich schadet ein Psychologe im Verein nicht, sagt Heuser, doch vielleicht sollte er vorrangig präventiv tätig werden. Denn es gehe darum, "Resistenzen bei den jungen Menschen zu stärken".
Theo Zwanziger möchte den Umbruch im Fußball von der Spitze befördern. Und er will nachdenken, darüber wie ein Profi so viel Angst vor einer Öffnung hatte, mehr als vor dem Tod. "Wir werden die Frage nicht ganz schnell beantworten können. Aber wir sind es Robert Enke schuldig, eine Antwort zu finden", sagt der DFB-Präsident. "Wir dürfen, soweit wir es können, nie zulassen, dass ein Mensch in eine absolut alternativlose Entscheidung kommt."
Klare Konzepte und Strategien gibt es noch keine. Alle Beteiligten sind sich aber sicher, dass ein Mehr an Sensibilität und Behutsamkeit im Fußballgeschäft Einzug halten muss. Dazu gehört neben Verein und Mannschaft auch das Umfeld des einzelnen Spielers, also dessen Elternhaus und die Berater, auch die Medien. Es ist problematisch, wie sehr Enkes Tod in diesen Tagen zum Medien-Ereignis geworden ist. Sollte diese Aufmerksamkeit dem Zweck dienen, das Thema Depression zu enttabuisieren, wäre es positiv.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 13.11.2009)
- Datum 13.11.2009 - 14:38 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Depression ist inzwischen eine schwere und stark ausgebreitete Krankheit geworden, die leider von vielen unter uns nicht nur auf die leichte Schulter genommen, sondern auch erheblich unterschätzt wird. In jedem Fall ist unbedingt ärztliche Hilfe erforderlich, da viele Betroffene Selbstmordgedanken entwickeln. Depressionen sind keine eingebildeten Leiden, sondern schwere, immer wiederkehrende Tiefs oder chronische Erkrankungen. Ähnlich wie bei einem Grippekranken, zieht sich der depressive Mensch immer mehr von seiner Umwelt zurück.
Lass dich nicht so hängen oder Stell dich nicht so an wird dann schnell gesagt ohne zu wissen, was den depressiv Kranken wirklich belastet und meistens möchten diese sich auch nicht dazu äußern. Solche Aussagen verschlimmern seinen Zustand nur noch unnötig. Der Depressive ist nicht unwillig, er ist durch diese Krankheit einfach nur handlungsunfähig.
Genau das ist der erste Punkt, der es allen Beteiligten am aller schwierigsten macht. Wenn ein Betroffener nicht reden möchte oder auch über das Problem nicht reden kann, dann ist hier schon der Anfang vom Ende gemacht. Da nützt es auch nichts, wenn Sie einem depressiv kranken Menschen einreden wollen, es gehe ihm doch gut. Wenn das so wäre, dann wüsste er es am besten, denn nur er kann in seinen Körper schauen, Sie nur davor!
Und woher sollen Ärzte, Familien und Mitmenschen wissen was mit einem depressiven Menschen los ist, wenn dieser nicht den Mund aufmacht?
Die allgemeine Betroffenheit kann ich nicht verstehen. Die Leute, die so betroffen und traurig sind saßen vorher auf den Rängen und haben gepfiffen, wenn Spieler gepatzt oder gar ein ganzes Spiel "vergeigt" haben, denn sie wollen für ihr Geld ein gute Leistung sehen.
Der Spieler stellt sich ungezwungen dieser Situation und verlangt eine entsprechenden Preis. Er kann, ist ihm der Druck zu hoch, aussteigen - Deisler u.a. haben es getan.
Mir tut die Ehefrau und das Kind leid, die mit der Situation l e b e n müssen.
"Die Leute, die so betroffen und traurig sind saßen vorher auf den Rängen und haben gepfiffen ..."
Ja! Und exakt das macht jetzt so viele so ehrlich betroffen. Vielen hat Robert Enkes Schicksal die Augen mit Skalpell geöffnet.
1. Man pfeift doch in Stadien keine Menschen, man pfeift nur irgendwelche imaginäre Gestalten (überwiegend Projektionsflächen der eigenen Träume) aus, man beschimpft sie als verwöhne Millionären-Truppen, Söldner, Weicheier die sich nicht durchsetzten können und nur jammern (München lässt grüßen) ... Im besten Fall werden sie als Versager abgestempelt und von Klub weiter verkauft. Apropos "verkaufen": Dass man Menschen verkauft und so gut wie nichts über der "Ware mit zwei Beinen" weißt, ist jetzt vielen bewusst worden und macht betroffen.
2. Keineb der Stempel könnte man in Deutschland in den letzten Jahren Robert Enke verpassen. Das macht betroffen.
"Der Spieler stellt sich ungezwungen dieser Situation und verlangt eine entsprechenden Preis. Er kann, ist ihm der Druck zu hoch, aussteigen ..."
Nein, leider eben nicht immer, denn dem einem ist Fußball ein Lebenselixier, wie Teresa Enke es geschildert hat, und der andere erst nach 3 Jahren "Ich werde nie mehr etwas so gut können" (Sebastian Deisler) formulieren kann. Ich bin sicher, es gibt kein Geld der Erde mit dem man solche Lücken zukleistern kann.
"Preis-Leistung Prinzip" und "Knopf zum Abschalten im besten Fußballalter" sind doch eben denen unterstellt, die man in Stadien so gerne auspfeift ...
Bei allem Entsetzen bleibt einer außen vor, der offensichtlich in der Öffentlichkeit keine Fangemeinde hinter sich hat: Der Zugführer, dem sich Robert Enke in den Weg stellte. Wer denkt an ihn und sein Entsetzen? Wer nimmt sich seiner Ängste an, wenn er demnächst wieder in den Führerstand klettern muss, um wesentlich weniger Geld zu verdienen, als Robert Enke? Ihm ist durch den Selbstmord auch ein Mühlstein um den Hals gehängt worden. Wenn er daran zerbrechen sollte - versammeln sich dann auch tausende von Menschen in Hannover, um ihr Mitgefühl auszudrücken? Ich hoffe, dass ihm geholfen werden wird. Denn auch er muss weiter leben.
Der Zugführer, dem sich Robert Enke in den Weg stellte, war laut Statistiken einer von drei Betroffenen an diesem Tag. Nach Informationen der DB AG sind es jährlich 1.000 Menschen, die den Tod auf den Gleisen suchen und finden: Reiche, arme, kluge und dumme, alte, junge, ... alle gleichermaßen in aussichtsloser Verzweiflung. Dementsprechend hat die DB ihre Maßnahmen ausgearbeitet und verfügt (muss!) über Therapeuten und entsprechend ausgebildetes Fachpersonal. Wie die Betreuung in der Praxis aussieht, erfährt man nicht so schnell, die DB lässt keine Interviews zu, man konnte es aber bei den letzten Streiks der Lokführer aus den Forderungen der Gewerkschaften auslesen. Vielen hilft es mit Sicherheit, sonst hätte DB längst kein Personal mehr. Es sind also a/ die DB selbst und b/ die Gewerkschaften die den Lokführer zur Seite stehen müssen.
In der Fußball-Welt – um zurück zum Thema zu kommen – sind es eben DFB, DFL und die Klubs mit ihren (Tausenden) Fans diejenigen, die sich mit Thema Depressionen und Offenheit in der Öffentlichkeit beschäftigen.
Für beide gilt aber das Gleiche, ob der Betroffene wesentlich mehr oder wesentlich weniger Geld verdienen mag:
KEIN GELD der Welt kann unsere Psyche beschützen, für kein Geld der Welt kann man sich Gesundheit kaufen und kein Geld der Welt kann Verluste ausgleichen.
Bin auch Zugführer (U-Bahn) und hatte bereits zwei Überführungen (Suizide). Jeder davon kerbt sich in meiner Psyche ein, und man fragt sich, wann sich der Nächste auf die Schienen legt oder springt.
Kleines unbedeutendes Rädchen im immer härter werdenden Job. Auch Übergriffe in den Zügen sind ein Thema!
Anerkennung, Gefühl für den Mitmenschen und Zivilcourage sollten in unserer (wegschauenden) Gesellschaft viel mehr present sein.
Der Zugführer, dem sich Robert Enke in den Weg stellte, war laut Statistiken einer von drei Betroffenen an diesem Tag. Nach Informationen der DB AG sind es jährlich 1.000 Menschen, die den Tod auf den Gleisen suchen und finden: Reiche, arme, kluge und dumme, alte, junge, ... alle gleichermaßen in aussichtsloser Verzweiflung. Dementsprechend hat die DB ihre Maßnahmen ausgearbeitet und verfügt (muss!) über Therapeuten und entsprechend ausgebildetes Fachpersonal. Wie die Betreuung in der Praxis aussieht, erfährt man nicht so schnell, die DB lässt keine Interviews zu, man konnte es aber bei den letzten Streiks der Lokführer aus den Forderungen der Gewerkschaften auslesen. Vielen hilft es mit Sicherheit, sonst hätte DB längst kein Personal mehr. Es sind also a/ die DB selbst und b/ die Gewerkschaften die den Lokführer zur Seite stehen müssen.
In der Fußball-Welt – um zurück zum Thema zu kommen – sind es eben DFB, DFL und die Klubs mit ihren (Tausenden) Fans diejenigen, die sich mit Thema Depressionen und Offenheit in der Öffentlichkeit beschäftigen.
Für beide gilt aber das Gleiche, ob der Betroffene wesentlich mehr oder wesentlich weniger Geld verdienen mag:
KEIN GELD der Welt kann unsere Psyche beschützen, für kein Geld der Welt kann man sich Gesundheit kaufen und kein Geld der Welt kann Verluste ausgleichen.
Bin auch Zugführer (U-Bahn) und hatte bereits zwei Überführungen (Suizide). Jeder davon kerbt sich in meiner Psyche ein, und man fragt sich, wann sich der Nächste auf die Schienen legt oder springt.
Kleines unbedeutendes Rädchen im immer härter werdenden Job. Auch Übergriffe in den Zügen sind ein Thema!
Anerkennung, Gefühl für den Mitmenschen und Zivilcourage sollten in unserer (wegschauenden) Gesellschaft viel mehr present sein.
Der Zugführer, dem sich Robert Enke in den Weg stellte, war laut Statistiken einer von drei Betroffenen an diesem Tag. Nach Informationen der DB AG sind es jährlich 1.000 Menschen, die den Tod auf den Gleisen suchen und finden: Reiche, arme, kluge und dumme, alte, junge, ... alle gleichermaßen in aussichtsloser Verzweiflung. Dementsprechend hat die DB ihre Maßnahmen ausgearbeitet und verfügt (muss!) über Therapeuten und entsprechend ausgebildetes Fachpersonal. Wie die Betreuung in der Praxis aussieht, erfährt man nicht so schnell, die DB lässt keine Interviews zu, man konnte es aber bei den letzten Streiks der Lokführer aus den Forderungen der Gewerkschaften auslesen. Vielen hilft es mit Sicherheit, sonst hätte DB längst kein Personal mehr. Es sind also a/ die DB selbst und b/ die Gewerkschaften die den Lokführer zur Seite stehen müssen.
In der Fußball-Welt – um zurück zum Thema zu kommen – sind es eben DFB, DFL und die Klubs mit ihren (Tausenden) Fans diejenigen, die sich mit Thema Depressionen und Offenheit in der Öffentlichkeit beschäftigen.
Für beide gilt aber das Gleiche, ob der Betroffene wesentlich mehr oder wesentlich weniger Geld verdienen mag:
KEIN GELD der Welt kann unsere Psyche beschützen, für kein Geld der Welt kann man sich Gesundheit kaufen und kein Geld der Welt kann Verluste ausgleichen.
Bin auch Zugführer (U-Bahn) und hatte bereits zwei Überführungen (Suizide). Jeder davon kerbt sich in meiner Psyche ein, und man fragt sich, wann sich der Nächste auf die Schienen legt oder springt.
Kleines unbedeutendes Rädchen im immer härter werdenden Job. Auch Übergriffe in den Zügen sind ein Thema!
Anerkennung, Gefühl für den Mitmenschen und Zivilcourage sollten in unserer (wegschauenden) Gesellschaft viel mehr present sein.
Mindestens 6 Monate Wartezeit muß einen Kassenpatient bis zum Therapiebeginn akzeptieren.Als Langzeitarbeitsloser muß er trotz AU zu Terminen erscheinen , wird vom Amtsarzt des Jobcenters für erwerbsunfähig erklärt , zum Sozialamt geschickt die die Diagnose prinzipiell nicht anerkennen da sie ihre Kunden zur Rentenversicherung verweisen , wissend dass die dortige Kassenlage jeden der nicht gerade den Kopf unter dem Arm trägt wieder durch ihre Amtsärtzte als "mindestens 3-6 Std.erwerbsfähig" einstuft und der Druck im Jobcenter beginnt aufs Neue..Alltag in deutschen Amtsstuben, wieviele Arbeitslose oder Bankrotteure sind teil der 10 000 jährlichen Suizidfälle und wieviel Betroffenheit erfahren deren Angehörige?
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