Robert Enke Tormann ohne Eskapaden

Robert Enkes Paraden waren nie spektakulärer als nötig. Er galt als bescheiden und fair. Deswegen genoss er den Respekt der Mit- und Gegenspieler. Von Oliver Fritsch

Torwart Robert Enke war nicht nur bei den Fans beliebt

Torwart Robert Enke war nicht nur bei den Fans beliebt

Florian Fromlowitz ist ein großes und ehrgeiziges Talent, auch ist er nicht für übermäßige Bescheidenheit bekannt. Als er im Herbst für mehrere Wochen den kranken Robert Enke im Tor von Hannover 96 teils großartig vertreten hatte, wäre man nicht überrascht gewesen, wenn er die Chance zum Angriff genutzt hätte. Stattdessen sagte er: "Ich habe mir die Sicherheit im Training geholt, das ist auch ein Verdienst von Robert Enke. Ich schaue mir viel bei ihm ab. Er hat mich weitergebracht. Ich hoffe, dass er schnell wieder auf die Beine kommt und im Sommer für Deutschland im Tor steht."

Robert Enke genoss größten Respekt bei Mit- und Gegenspielern. Das lag zum Ersten an seinen konstanten Leistungen und seinen Paraden, die nie spektakulärer als nötig waren. Er war der Typ moderner Schlussmann, der auch Fußballspielen konnte. Zum Zweiten war er ein Tormann ohne Eskapaden: Keine Rote Karte, kein grobes Foul, keine Unsportlichkeiten sind in Erinnerung. Von anderen Torwartgrößen der Branche kann das nicht behauptet werden. In Interviews ließ er seine Ellenbogen anliegen, meldete nie Ansprüche vor laufenden Kameras an. Im Profifußball, speziell in der Torwartbranche, ist so viel Sachlichkeit selten und daher wohltuend.

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Seine Erlebnisse im Ausland sind wechselhaft. In der Türkei wird er verhöhnt und mit Bierflaschen und Mobiltelefonen beworfen, weil ihm im ersten Spiel für Fenerbahce Istanbul ein Fehler unterläuft. In den letzten fünf Jahren seines Lebens spielt er für einen Verein, der nicht über das Mittelmaß hinauskommt. Enke hatte sicher bessere Angebote, doch er hielt Hannover 96 die Treue. Enke kassierte in der vergangenen Saison die meisten Gegentore der Liga. Bemerkenswert, welche Geduld er mit seinen Vorderleuten hatte. Nun verliert Hannover seinen einzigen Spieler von internationalem Format und noch viel mehr: eine Identifikationsfigur für die Fans.

In der Nationalmannschaft kam Enke über acht Einsätze nicht hinaus. Spät, mit 29 Jahren, debütierte er vor zweieinhalb Jahren in der DFB-Elf. Nach dem Abgang von Jens Lehmann im August 2008 ernannte ihn Joachim Löw zur Nummer eins. Doch Enke hatte Pech. In den beiden wichtigsten Duellen der WM-Qualifikation musste er wegen Verletzungen und Krankheit absagen: die Spiele gegen Russland. Statt seine Position für 2010 zu festigen, machte sein Konkurrent René Adler durch zwei starke Spiele Boden gut. Laut Joachim Löw wäre das Rennen um die Stammposition in Südafrika offen gewesen. Allerdings ist anzunehmen, dass der Bundestrainer Adler den Vorzug gegeben hätte. Doch auch das hätte Enke sicherlich klaglos hingenommen.

Für eine große Karriere wäre es für ihn wohl ohnehin zu spät gewesen. Die jungen Mitstreiter Adler (24) und Manuel Neuer (23) waren ihm ebenbürtig. Doch dass sie auch seinen Sportsgeist und seine Fairness verkörpern können, müssen sie erst noch beweisen.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Bei einem Nationaltorwart davon zu reden, dass ihm die grosse Torwartkarriere versagt geblieben ist halte ich für lächerlich.

    Das Durchlesen des Restartikels habe ich mir erspart.

  2. Der Autor O.Fritsch sollte sich in dieser Situation solche Zeilen vielleicht besser spare: "... Vielleicht blieb ihm deshalb eine große Torwartkarriere versagt."
    Was soll denn eine größere Karriere sein, als bei Istanbul, Barcelona und in der Nationalmannschaft zu spielen? Nur weil Enke nicht bei den "bescheidenen" Bayern spielt? Vielleicht sind es genau solche Erwartungshaltungen die einen Sportler wie Robert Enke krank machen...!?!

    • mühli
    • 11.11.2009 um 18:46 Uhr

    lieber Herr "Tollpatsch" Fritsch!

    "Für eine große Karriere wäre es für ihn wohl ohnehin zu spät gewesen."

    Sowas pietätloses von einem Zeit-Journalisten zu lesen, ist ziemlich erschreckend! Ausserdem hat es Robert Enke wie wenige überhaupt zum Fussballprofi geschafft und war durchaus bei nahmhaften internationalen Vereinen wie z. B. Barcelona, Benfica Lissabon oder Fenerbahce! Aber als ob das seinen Tod würdiger oder "wichtiger" machen würde! So ein Unfug!

    [...]

    [Gekuerzt, bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. /Die Redaktion pt.]

  3. Hat ihm ein streich gespielt.........

  4. na ja, unser Land braucht eben solche Journalisten, das verstehe ich schon, denn wo kämen wir sonst nur hin??!

  5. Redaktion

    Ich hätte vielleicht schreiben können. "Für eine ganz große Karriere". Stimmt. Bitte auch bedenken: da steht "wäre" und "wohl".

    Aber wie können Sie meine würdigenden Worte überlesen? Es kommt mir eben nicht drauf an, ob er eine große oder eine Weltkarriere gemacht haben wird. Sondern dass er ein großer, fairer Sportsmann war - und ein sehr guter Tormann. Die barsche Kritik verstehe ich also nicht. Das ist Wortklauberei.

    @Deutschtrotzdemnichtdoof: Wenn Sie den Artikel nicht lesen, dann sparen Sie uns doch allen bitte Ihre Kommentare.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Mich bewegt in erster Linie nicht, ob Robert Enke ein fairer Sportsmann oder ein guter Tormann war. Auch nicht ob das andere Tormänner nicht sind. Mich bestürzt, dass ein 32 Jahre junger Mann Selbstmord begeht. Der Artikel erweckt bei in mir den Eindruck, dass der Autor um Robert Enke trauert, weil er besonders gut Fußball spielen konnte:

    "Nun verliert Hannover seinen einzigen Spieler von internationalem Format und noch viel mehr: eine Identifikationsfigur für die Fans."

    Zunächst einmal verliert eine Ehefrau ihren Ehemann und eine Tochter ihren Vater. Sie verlieren einen Menschen und keinen Fußballspieler.

    Trauer mit unsachlichen Sätzen aus dem Sportjournalismus "schmücken", finde ich nicht angebracht. Eine Würdigung oder ein Rückblick kann man angemessener schreiben, und sich auf die Person fokussieren.
    Es ist dabei bedeutungslos ob andere nicht so sind wie der Verstorbene:
    "Von anderen Torwartgrößen der Branche kann das nicht behauptet werden."

    ...dass es aus Ihrer Sicht 'Wortklauberei' war. Es mag sein, dass Sie es nicht so gemeint haben. Jedenfalls haben es Andere genau so wie ich verstanden.

    Nehmen wir einmal an, Robert Enke wäre Ihr Sohn gewesen, glauben Sie Sie hätten geschrieben: "die grosse Karriere war ihm evtl. wegen seiner Bescheidenheit versagt geblieben" ?
    Vermutlich nicht, im Gegenteil, Sie wären stolz auf das gewesen, was er erreicht hat.

    Manchmal verstehe ich die Erwartungshaltung nicht, die in der Presse suggeriert wird. Deswegen habe ich mir das Durchlesen des Restartikels zunächst gespart.

    Positiv finde ich, dass Sie den Titel ja jetzt geändert haben.

    Mich bewegt in erster Linie nicht, ob Robert Enke ein fairer Sportsmann oder ein guter Tormann war. Auch nicht ob das andere Tormänner nicht sind. Mich bestürzt, dass ein 32 Jahre junger Mann Selbstmord begeht. Der Artikel erweckt bei in mir den Eindruck, dass der Autor um Robert Enke trauert, weil er besonders gut Fußball spielen konnte:

    "Nun verliert Hannover seinen einzigen Spieler von internationalem Format und noch viel mehr: eine Identifikationsfigur für die Fans."

    Zunächst einmal verliert eine Ehefrau ihren Ehemann und eine Tochter ihren Vater. Sie verlieren einen Menschen und keinen Fußballspieler.

    Trauer mit unsachlichen Sätzen aus dem Sportjournalismus "schmücken", finde ich nicht angebracht. Eine Würdigung oder ein Rückblick kann man angemessener schreiben, und sich auf die Person fokussieren.
    Es ist dabei bedeutungslos ob andere nicht so sind wie der Verstorbene:
    "Von anderen Torwartgrößen der Branche kann das nicht behauptet werden."

    ...dass es aus Ihrer Sicht 'Wortklauberei' war. Es mag sein, dass Sie es nicht so gemeint haben. Jedenfalls haben es Andere genau so wie ich verstanden.

    Nehmen wir einmal an, Robert Enke wäre Ihr Sohn gewesen, glauben Sie Sie hätten geschrieben: "die grosse Karriere war ihm evtl. wegen seiner Bescheidenheit versagt geblieben" ?
    Vermutlich nicht, im Gegenteil, Sie wären stolz auf das gewesen, was er erreicht hat.

    Manchmal verstehe ich die Erwartungshaltung nicht, die in der Presse suggeriert wird. Deswegen habe ich mir das Durchlesen des Restartikels zunächst gespart.

    Positiv finde ich, dass Sie den Titel ja jetzt geändert haben.

  6. Mich bewegt in erster Linie nicht, ob Robert Enke ein fairer Sportsmann oder ein guter Tormann war. Auch nicht ob das andere Tormänner nicht sind. Mich bestürzt, dass ein 32 Jahre junger Mann Selbstmord begeht. Der Artikel erweckt bei in mir den Eindruck, dass der Autor um Robert Enke trauert, weil er besonders gut Fußball spielen konnte:

    "Nun verliert Hannover seinen einzigen Spieler von internationalem Format und noch viel mehr: eine Identifikationsfigur für die Fans."

    Zunächst einmal verliert eine Ehefrau ihren Ehemann und eine Tochter ihren Vater. Sie verlieren einen Menschen und keinen Fußballspieler.

    Trauer mit unsachlichen Sätzen aus dem Sportjournalismus "schmücken", finde ich nicht angebracht. Eine Würdigung oder ein Rückblick kann man angemessener schreiben, und sich auf die Person fokussieren.
    Es ist dabei bedeutungslos ob andere nicht so sind wie der Verstorbene:
    "Von anderen Torwartgrößen der Branche kann das nicht behauptet werden."

    Antwort auf "Wortklauberei"
  7. Redaktion

    Ich bin Robert Enke nie begegnet, ich habe mit Robert Enke nie ein Wort gewechselt. Sie wollen, dass ich mit einem mir unbekannten Menschen trauere? Da verlangen Sie zu viel, ich würde eine Anmaßung begehen. Recht verstanden: Mich berührt es, wenn ein Mensch den Freitod wählt. Doch was mir als Journalisten bleibt, ist, Robert Enke als Sportsmann und Torwart zu würdigen.

    Und Frau Enke, die ich nicht kenne und die ich nie gesehen habe, mein Beileid auszusprechen - das halte ich für unangebracht, weil es mir wohlfeil vorkommt. Dass sie großes Leid erfährt, steht außer Frage.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mühli
    • 11.11.2009 um 20:50 Uhr

    LouisdF verlangt keine Anmaßung von Ihnen sondern einfach Mitgefühl als ein menschliches Wesen, wie wir alle sind!

    Mensch Fritsche, machen Sie es sich doch nicht so schwer!!!

    Solch ein Artikel, der sich nur mit dem Sportler Enke, und nicht mit dem Menschen Enke auseianandersetzt, finde ich momentan vollkommen unangebracht. Sie sagen, dass Sie mit einem Ihnen unbekannten Menschen nicht trauern können - dann verstehe ich nicht, warum Sie jetzt über ihn schreiben. Oder wenn Sie es doch für so wichtig halten, über Enke zu schreiben, dann erwähnen Sie doch wenigstens, dass es Sie "berührt, wenn ein Mensch den Freitod wählt".

    • mühli
    • 11.11.2009 um 20:50 Uhr

    LouisdF verlangt keine Anmaßung von Ihnen sondern einfach Mitgefühl als ein menschliches Wesen, wie wir alle sind!

    Mensch Fritsche, machen Sie es sich doch nicht so schwer!!!

    Solch ein Artikel, der sich nur mit dem Sportler Enke, und nicht mit dem Menschen Enke auseianandersetzt, finde ich momentan vollkommen unangebracht. Sie sagen, dass Sie mit einem Ihnen unbekannten Menschen nicht trauern können - dann verstehe ich nicht, warum Sie jetzt über ihn schreiben. Oder wenn Sie es doch für so wichtig halten, über Enke zu schreiben, dann erwähnen Sie doch wenigstens, dass es Sie "berührt, wenn ein Mensch den Freitod wählt".

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