Trauer Zehntausende nehmen Abschied von Robert Enke
In einer bewegenden Andacht haben Familie, Kollegen und Fans Abschied von Robert Enke genommen. Anschließend zogen Zehntausende in einem Trauermarsch durch Hannover.
Im Gedenken an Nationaltorwart Robert Enke sind am Mittwochabend nach Polizeiangaben mehr als 35.000 Menschen in einem Trauermarsch durch Hannover gezogen. Leise liefen Fans und Kollegen vom Kröpcke-Platz zum Nordeingang der AWD-Arena am Maschsee. An der Spitze des Trauermarsches trugen unter anderem Hannover 96-Manager Jörg Schmadtke, Trainer Andreas Bergmann und der frühere Nationalspieler Hans Siemensmeyer ein schwarzes Banner mit der Aufschrift "Ruhe in Frieden" sowie einem Konterfei von Enke. Am Stadion lagen 18 Kondolenzbücher aus.
"An dieser großen Anteilnahme sieht man, was Robert Enke den Menschen bedeutet hat. Er hatte nicht nur in Niedersachsen eine große Bedeutung", sagte DFB-Vize-Präsident Karl Rothmund. Am Sonntag soll im Stadion von Hannover 96 um 11.00 Uhr eine Gedenkveranstaltung stattfinden, zu der neben den Fans auch zahlreiche Fußball-Nationalspieler erwartet werden.
"Er hat das Leben geliebt"
Bei einer Trauerfeier hatten zuvor mehrere Tausend Menschen in der Marktkirche von Hannover Abschied von Enke genommen. Auch der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, Bundestrainer Joachim Löw sowie Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack erwiesen ihrem toten Freund und Kollegen in der überfüllten Kirche die Ehre.
Rund 700 Menschen drängten sich in dem Gotteshaus, um die Andacht von Landesbischöfin Margot Käßmann zu hören. Vor der Kirche standen noch mehr als 3000 Menschen.
"Der Tod dieses Sportlers zeigt, dass Fußball nicht alles ist in unserem Leben. Hinter Beliebtheit und Erfolg kann es auch abgrundtiefe Einsamkeit und Verzweiflung geben", sagte Käßmann in ihrer Predigt. "Leid, Schwäche und Krankheit sind Teil unseres Lebens. Dafür darf es keine Pfiffe geben, sondern Empathie und Mitleid. Wie traurig ist es, nicht über Depressionen sprechen zu können, weil das unserer Gesellschaft als Schwäche angesehen wird." Robert Enke habe nicht gewollt, dass andere ihm in diesen Weg folgen. "Er hat das Leben geliebt", sagte Käßmann und schloss mit den Worten der weltweit in den Stadion beliebten Fußball-Hymne: "You`ll never walk alone – nein, du gehst nicht allein."
Hinter Beliebtheit und Erfolg kann es auch abgrundtiefe Einsamkeit und Verzweiflung geben.
Landesbischöfin Margot Käßmann
Enkes Frau Teresa, die als Erste eine Kerze zum Gedenken entzündete, kam in Begleitung von Enkes Eltern sowie Enke-Manager und Freund Jörg Neblung. Teresa Enke hatte am Vormittag auf einer Pressekonferenz von der schweren Depression ihres Mannes, die am Dienstagabend im Selbstmord des 32-Jährigen endeten, erzählt.
Fans hatten weltweit mit Bestürzung auf den Tod Enkes reagiert. Unter den Trauergästen in Hannover waren neben Löws Assistenten Hans-Dieter Flick und Andreas Köpke auch der Trainerstab von Enkes Club Hannover 96 um Coach Andreas Bergmann. Ebenfalls gekommen waren einige seiner Teamkollegen wie Jiri Stajner, Konstantin Rausch und Hanno Balitsch. Auch die früheren 96-Trainer Dieter Hecking und Mirko Slomka nahmen an der Andacht für ihren ehemaligen Schützling teil. Hannovers Landesregierung war durch Innenminister Uwe Schünemann (CDU) vertreten.
Weltweite Anteilnahme
Die chilenische Fußball-Nationalmannschaft, gegen die Deutschland am Sonntag antreten sollte, reagierte mit Trauer auf den Selbstmord Enkes. "Das ist eine ganz traurige Situation, von der Deutschlands Fußball da heimgesucht wird. Wir fühlen mit der Familie", sagte Verteidiger Pablo Contreras dem Radiosender Caracol. Das Spiel war am Mittwoch abgesagt worden.
Zu einer Schweigeminute rief auch der Österreichische Fußballbund (ÖFB) auf. Am Mittwoch soll Wien Robert Enkes gedenken. Vor dem Länderspiel zwischen Österreich und Spanien werde es eine Trauerminute geben, teilte der Fußball-Bund mit.
Auch in England löste Enkes Tod Trauer aus. Die in London erscheinende Tageszeitung The Times widmete dem Tod Enkes am Mittwoch einen großen Artikel in ihrem Auslandsteil. Der Daily Telegraph und die Daily Mail vermeldeten den Tod des Torhüters auf ihren Sportseiten. Die TV-Nachrichtenkanäle von BBC und Sky News sendeten Film-Beiträge, die Enke in Aktion bei einem Spiel von Hannover 96 und beim Training der Nationalmannschaft zeigten.
- Datum 12.11.2009 - 07:15 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 2
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was sie dieser armen Frau Enke zumuten?
Diese Medienwelt ist grausam. Kirchenvertreter eingeschlossen.
Was die Medien abziehen, da stimm ich Ihnen dazu, das ist einfach jenseits aller Grenzen des Takts und Geschmacks.
Allerdings kann die Anteilnahme so vieler Fans für die Angehörigen durchaus auch einen gewissen Trost bieten. Und ich nehme mal an, dass seine Frau der Aufbahrung zustimmen musste..vielleicht hilft es ihr ein wenig..zu wünschen ist es ihr.
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