Trauerfeier
Tausende nehmen Abschied von Enke
Etwa 40.000 Menschen trauern um den ehemaligen Torhüter. Enkes Witwe wollte, dass sich die Fans in "einem adäquaten Rahmen" von ihrem Idol verabschieden konnten.
© Sean Gallup/Getty Images

Tausende nehmen Abschied von Robert Enke. Der Sarg des Nationaltorwarts wurde in der AWD Arena aufgebahrt
Es war die größte Trauerfeier, die es je für einen deutschen Sportler gegeben hat. In Hannovers Arena herrschte eine ungewöhnliche Stadion-Atmosphäre: Friedliche Andacht, viel Stille, Trauermusik und einfühlsame Reden. Und langanhaltender Beifall – etwa als der Sarg des Nationaltorhüters Robert Enke von ehemaligen Mitspielern von Hannover 96 aus dem Stadion getragen wurde.
Rund 40.000 Fans erwiesen am Sonntag in der AWD-Arena ihrem Idol die letzte Ehre. Neben der Familie Robert Enkes nahmen Prominente aus Fußball, Politik und Gesellschaft an der Trauerfeier teil, darunter die gesamte Nationalmannschaft, der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann und Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder.
Martin Kind, Vereinspräsident von Hannover 96 würdigte Enke für seine sportlichen Leistungen und hob besonders die menschlichen Qualitäten des Torhüters hervor. "Seit Dienstagabend verharrt Hannover in tiefer Trauer", sagte Oberbürgermeister Stephan Weil. "Es ist sehr still in Hannover, aber gleichzeitig ist die Stadt zusammengerückt."
Der Sarg Enkes war mit mehreren Kränzen im Mittelkreis des Stadions aufgebahrt. Genau dort, wo Enke noch vor einer Woche beim Bundesligaspiel gegen den Hamburger SV als Kapitän von Hannover 96 bei der Platzwahl gestanden hatte.
DFB-Kapitän Michael Ballack und Per Mertesacker legten eine Kranz nieder. Alle Nationalspieler verneigten sich am Sarg.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff sprach der Witwe Enkes seine Hochachtung für ihren tapferen Auftritt am Mittwoch aus. DFB-Präsident Theo Zwanziger appellierte in seiner Rede an die Menschlichkeit und den Blick über den Sport hinaus. "Denkt nicht nur an den Schein. Denkt auch an das, was in den Menschen ist, an Zweifel und Schwäche", sagte Zwanziger.
Die Tränen flossen vor allem, als die 17 Jahre alte Schülerin Alina Schmidt die Vereinshymne "96 – alte Liebe" sang. Nicht fetzig-rockig wie vor dem ersten Heimspiel der Saison gegen Mainz, als Enke im Tor stand,
sondern gefühlvoll und nur von zwei Gitarren begleitet.
Außenstehenden mag diese Form und Dimension einer Trauerfeier übertrieben vorkommen. Doch "es war der Wunsch von Teresa Enke, dass sich die vielen Fans in einem adäquaten Rahmen von Robert verabschieden können. Das wäre auf einem kleinen Friedhof nicht möglich gewesen", erklärte 96-Pressechef Andreas Kuhnt. Nachdem bereits am Mittwoch 35.000 Menschen schweigend zum Stadion gegangen waren, um ihre Anteilnahme auszudrücken, war eine kleinere Lösung undenkbar.
Nach der Trauerfeier wird Enke im engsten Familienkreis auf dem Friedhof in Neustadt am Rübenberge neben seiner 2006 gestorbenen Tochter Lara beigesetzt.
Enke hatte am vergangenen Dienstag im Alter von 32 Jahren Suizid begangen. Enkes Frau Teresa hatte auf einer Pressekonferenz berichtet, dass Enke an schweren Depressionen litt.
- Datum 15.11.2009 - 15:59 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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der Aufwand Robert Enke scheint mir doch maßlos übertrieben zu sein. Stille Trauer wäre mir persönlich lieber als diese öffendliche Abarbeitung
im gezwungen zur Schau getragenen Leichenbittermienen.
So es hilft, Journalisten vom Friedhof und ab heute auch von der Familie fernzuhalten, scheint mir aus rein rationalen Gründen eine öffentliche Trauerfeier gerechtfertigt.
Bleibt zu hoffen, dass ab heute alle ihre Ruhe haben.
Und die richtigen Schlüsse aus dem Suizid des Robert Enke gezogen werden, auf Seiten der Fußballverantwortlichen und auch der (Boulevard)Medien, die selten zimperlich mit dem Mißerfolg anderer umgehen.
um einen depressiven Sportler der, wie sich am Beispiel Sebastian Deisler zeigt, wohl nur in der Konsequenz des Freitodes Mitgefühl und Aufmerksamkeit solchen Ausmaßes "erfährt". Enke hat die Befürchtung nicht gebraucht zu werden, krank gemacht. Der Kreis schließt sich mit dem Wissen, als depressiver Torhüter für`s Business "unbrauchbar" zu sein. Und der Fan will Sieger sehen – ist somit in den meisten Fällen nur an der Meisterschaft interessiert.
Für einen kurzen Moment hat Enke die Menge zum Verstummen gebracht. Nicht mehr und nicht weniger.
dass Menschen mehr Interesse am Suizid eines Sportlers haben, als am Suizid eines unauffälligen Zivilisten.
Sind denn die anderen 9000 deutschen Selbstmörder im Jahr weniger wert, als Herr Enke? Und wenn ja, warum?
Die Menschheit ist schon eine sehr seltsame Spezies.
dass Menschen mehr Interesse am Suizid eines Sportlers haben, als am Suizid eines unauffälligen Zivilisten.
Sind denn die anderen 9000 deutschen Selbstmörder im Jahr weniger wert, als Herr Enke? Und wenn ja, warum?
Die Menschheit ist schon eine sehr seltsame Spezies.
.....eines jeden Menschen ist eine Trauer wert, nur sind die von Ihnen genannten 9.000 Toten nicht so bekannt und die Suzuidehaben meistens einen privaten Hintergrund. Robert Enke war bekannt, eine Person der Öffentlichekeit. Die Reaktion dieser Öffentlichkeit war zu Lebenszeiten Robert Enkes u.a. mit daran beteiligt, dass er mit seinem Leben nicht zurecht kam. Ist doch ganz einach zu verstehen. Es hat ja auch seine Vorteile, dass bei den anderen vielen Toten diese Öffentlichkeit nicht an der Trauer teilnimmt. Es ist doch qualitativer Unterschied einer Trauer.
Eine große und bewegende Trauerfeier, die selbst unserer "Angie" nicht zu Teil werden wird.
Aber warum das alles und der damit verbundene Aufwand?
Täglich sterben Menschen durch einen Suizid, weil sie von der Gesellschaft im Stich gelassen werden oder einfach Angst haben, sich zu outen.
Sich in einer Gesellschaft zu outen, die nix anderes im Sinn hat, als hart, uneinsichtig und unbarmherzig mit ihren Menschen umzugehen; das verlangt sehr viel Mut.
Feige ist der, der sich dieser Herausforderung nicht stellt und davon rennt.
Aber schauen wir uns doch einmal um:
Wie viele Menschen rennen einfach davon, sehen weg, schließen die Augen oder halten ihre Ohren zu?
Sind diese Menschen aber alle Feige?
Sie haben Angst, ja Angst um ihren guten Ruf, ihre Existenz und um ihre Persönlichkeit.
Aber warum?
Weil die heutige Gesellschaft die Menschen dazu treibt, sich zu verstellen und zu schauspielern.
Das fängt in der Schule an und hört beim Einstellungsgespräch auf.
Wir leben doch nur noch mit Lügen und belügen uns in Wirklichkeit selbst - mit allen Konsequenzen!
So es hilft, Journalisten vom Friedhof und ab heute auch von der Familie fernzuhalten, scheint mir aus rein rationalen Gründen eine öffentliche Trauerfeier gerechtfertigt.
Bleibt zu hoffen, dass ab heute alle ihre Ruhe haben.
Und die richtigen Schlüsse aus dem Suizid des Robert Enke gezogen werden, auf Seiten der Fußballverantwortlichen und auch der (Boulevard)Medien, die selten zimperlich mit dem Mißerfolg anderer umgehen.
Es war der Wunsch der Witwe und der Wunsch vieler Menschen, die sonst nicht gekommen wären und denen die Möglichkeit des Abschieds ein wenig Trost verschafft hat.
Als solches sollte es auch respektiert werden.
Deutschland trauert nicht nur um einen Sportler, sonder darum, eine Gesellschaft geschaffen zu haben, in der nur derjenige, der perfekt und makellos ist, der funktioniert und effizient ist, einen Platz hat.
Mit Robert Enke ist wieder ein Stück Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben und eine zivilisierte Gesellschaft gestorben. Damit ist auch ein Teil der Verletzlichkeit, des Schmerzes und des verloren Seins wachgerufen worden, den jeder von uns in sich trägt. Viele spüren diese Wahrheit, einige Wissen um die Gründe, kaum einer kann einen Ausweg aufzeigen.
Ein guter Grund zu trauern.
Wie leben seit Jahren in einer Kultur der Hysterie, sei es die Vogelgrippe, PISA, die Wirtschatfskrise, die Schweinegrippe, das Interview des Herrn Lahm oder der Freitod des Robert Enke: Ständig wird übertrieben, ständig wird hysterisch und unangemessen reagiert und zwar zuerst und vor allem von den Medien, die nichts anderes im Sinn haben als noch lauter zu schreien, damit sie nicht überhört werden, damit sie ihr Geld verdienen! Was sich seit Tagen um Robert Enke abspielt, ist genau so unglaubwürdig wie Berichte über alles andere.
Jeder, der in einem bestimmten Bereich tätig ist, sich also in diesem Bereich auskennt (seien es die Banker, die Lehrer, die Politiker, die Fußballer oder wer auch immer) weiß, dass die Berichterstattung über diese Realitäten meistens sehr weit von eben diesen Realitäten entfernt ist, und leider Gottes auch zunehmend die Darstellungen von so genannten Qualitätsmedien. Manchmal beschleicht einen das ungute Gefühl, dass jeder dieser Wirklichkeits-Darsteller (Journalisten) nur auf die ultimative Katastrophe wartet. Der Geifer rinnt durch sehr viele Berichte.
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