Kind und Peters über 50 plus 1 "Der böse Investor ist eine kindliche Version"Seite 3/3

Frage: Das Bosman-Urteil hat die Transferbeschränkungen im Wesentlichen aufgehoben und zu Entwicklungen im Fußball geführt, die nicht von allen begrüßt werden.

Kind: Klar, weil wir die Chance, es selbst zu gestalten, nicht genutzt haben, sondern es auf eine Rechtsklärung haben ankommen lassen. Das ist genau das, was ich auch in diesem Fall befürchte.

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Peters: Ich finde es schade, wenn ein Mitglied des Ligaverbandes eine deutliche Mehrheitsmeinung nicht respektiert und stattdessen klagt. Das kann doch nicht unser gegenseitiger Umgang innerhalb der Liga sein!

Frage: Herr Kind, was halten Sie denn von Schalkes Gehaltsobergrenze?

Kind: Dieser Ansatz kann diskutiert werden, muss aber deutlich modifiziert werden. Der Vorschlag darf die bestehenden Bedingungen und Voraussetzungen nicht weiter festschreiben. Ein Verein wie Bayern München mit 280 Millionen Umsatz könnte dann immer nämlich noch ein Vielfaches an Gehalt ausgeben als wir mit unseren 50 Millionen.

Peters: Deswegen habe ich eine Vierjahreswertung vorgeschlagen und dass ein Verein diese Summe im Schnitt einhalten muss. So kann er in einem Jahr aber auch mal eine Impulsinvestition tätigen. Für den sozialen Frieden wäre es besser, wenn wir das einführen würden. Wir gehen ja beide gegen das Gefühl der Wettbewerbsungleichheit an. Wir haben nur unterschiedliche Konzepte, das aufzulösen.

Frage: Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern sträubt sich gegen eine nationale Gehaltsobergrenze und will sie nur europaweit.

Kind: Weil die Probleme auch international bestehen. Also besteht hier auch einheitlicher Regelungsbedarf.

Peters: Die Uefa kann lediglich eine Vorschrift erlassen für Vereine, die international spielen, die interessiert nicht, was ein unterklassiger Klub macht. Aber auch in der Zweiten Liga muss der Wettbewerb geschützt werden. Da kann man mit viel weniger Kapitaleinsatz den Wettbewerb viel leichter verzerren. Es war ja auch kein Zufall, dass Hoffenheim so schnell durch die Zweite Liga gekommen ist.

Es war kein Zufall, dass Hoffenheim so schnell durch die Zweite Liga gekommen ist

Peter Peters, Finanzvorstand von Schalke 04

Frage: Eine naive Frage: Wieso werden denn die Einnahmen aus der Vermarktung wie das Fernsehgeld nicht gleichmäßig verteilt? Damit wäre schon mal ein Faktor beseitigt, der die Großen groß und die Kleinen klein hält.

Kind: Ich finde das schon gut, dass derjenige, der erfolgreicher ist, auch mehr erhält. Ich will als Hannover 96 die Chance haben, erfolgreicher zu werden, ohne diesen Verteilungsschlüssel zu ändern. Ich bin Anhänger des Leistungsgedankens.

Peters: Ja, das bin ich auch. Die Werthaltigkeit von Bayern München am Einspielen der Fernsehbeträge ist ja höher, als das was sie über den Verteilungsschlüssel am Ende bekommen. Das muss man fairerweise einräumen.

Frage: Aber sind nicht die übermächtigen Bayern ein Produkt dieses Systems? Mit dem Fernsehgeld und den Millionen aus der Champions League vergrößern sie ihren Vorsprung auf den Rest der Liga jährlich.

Peters: Meine These ist ja eh, dass diese Festzementierung der Kräfteverhältnisse gerade durch das Geld aus der Champions League erfolgt ist. Da ist nachhaltig der Wettbewerb in den Ligen beeinflusst worden. Dieser enorme Unterschied zwischen Champions-League-, Europa-League- und gar keinem Geld, das sind ja so gigantische Sprünge, die sie über den nationalen Wettbewerb nie kompensieren können. Aber das haben wir in der DFL nicht in der Hand.

Frage: Herr Kind, was passiert mit der Bundesliga, wenn Sie die 50 plus 1-Regel per Klage kippen?

Kind: Ach, die Bundesliga wird es weiter geben, mit schönen, modernen Stadien und attraktivem Fußball. Da wird sich nichts ändern.

Peters: Nur Hannover 96 kommt dann nach oben. (Beide lachen)

Kind: Jedenfalls arbeiten wir dran.

Peters: Also wenn Sie das alles durchgefochten haben und dann am Ende trotzdem nicht nach oben kommen, das wäre aber schlimm!

Kind: Eine Garantie gibt es nicht. Aber ich bin mal optimistisch, dass wir das schaffen.

Das Gespräch führte Christian Hönicke.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 10.11.2009)
 

 
Leser-Kommentare
  1. Es fällt mir ohnhin immer schwerer die ganze Kommerzialisierung im Profi-Fußball noch zu ertragen. Wenn sich Kind durchsetzt, dann ist das für mich ein Grund definitiv kein Geld mehr als Fan (Zuschauer, Pay-TV-Abonnent) auszugeben und mich vom Profi-Fußball ganz abzuwenden. Das ist dann einfach nicht mehr meine Welt, und ich weiß, dass viele Fußballfreunde ähnlich denken.

    • Manu84
    • 10.11.2009 um 13:06 Uhr

    Hehe, kindliche Vision... das ist ihm aber was sehr doppeldeutiges rausgerutscht.

    Und mal zum Beispiel England: Ich glaube, die englischen Fussballfans würden ihre eigene Liga liebend gerne eintauschen gegen unsere Bundesliga. Wo man auch als Student sich einfach mal ein Spiel anschauen kann wenn man Lust dazu hat und nicht ein halbes Jahr drauf sparen muss.

    Dass viele Vereinsobere ohne jeglichen Widerstand den windigsten Investoren hinterherrennen würden zeigt schon der Fall Eckel (http://www.spiegel.de/spo...). Der Fussball gehört im Endeffekt denen, die dafür bezahlen, und das sind letztendlich nicht die Sponsoren und nicht die Investoren, sondern die Fans!

  2. @zeit-leser:
    So traurig es klingt:
    da die Mehrheit der Fußballzuschauer heute keine Fußballfans-, sondern modegesteuerte "Event-Hopper" (oder wie man sagen soll) sind (das wurde spätestens beim 2006-Sommer-Theater überdeutlich),
    juckt es niemanden, wenn die Fußballfans sich vom Profifußball abwenden.

    @Manu84:
    leider nicht unbedingt!
    (bezogen auf ihren Schlußsatz: das Kicken im Park gehört vermutlich den fans, aber der Profifußball nicht - das wäre nämlich ähnlich unwahr, als ob jemand behauptete, die Banken gehören denen, die dort ihr Geld deponieren)

    • Manu84
    • 11.11.2009 um 17:55 Uhr

    Wenn man davon ausgeht, dass die Fussballfans der Grund sind, dass das Spektakel überhaupt in diesem Rahmen stattfinden kann (nämlich als Werbeempfänger etc.), muss man schon sagen, dass es ihr Fussball ist. Und dass die ganzen Stars ohne die Fans uch nur im Park kicken würden.

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