Humor in der Kabine "Eine Flasche Pommes frites, bitte!"
Haben die Münchner nach der Niederlage in der Champions League noch irgendetwas zu lachen? Philipp Lahm über Humor in der Bayern-Kabine. Das Alles-außer-Fußball-Gespräch
© Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Philipp Lahm im Spiel gegen Bordeaux: Sicher in der Ballannahme und trotz allem mit Sinn für Humor
ZEIT ONLINE: Herr Lahm, heute schon gelacht?
Lahm: Nach so einem Spiel wie gegen Bordeaux ist es einem eher nach Weinen zumute.
ZEIT ONLINE: Und Louis van Gaal kennt nach so einem Spiel sicher auch keinen Spaß, oder?
Lahm: Da hat keiner was zu lachen, aber der Trainer ist nicht so humorlos, wie er teilweise dargestellt wird. Er nimmt auch schon mal einen Spieler in und auf den Arm.
Lahm: Auf jeden Fall. Wir sehen uns ja tagtäglich, da muss man die Gruppe mal mit einem Spruch auflockern können. Wichtig ist aber vor allem der lockere Umgang unter den Spielern.
ZEIT ONLINE: Franck Ribéry, der Klassenclown?
Lahm: Franck ist immer für einen Spaß zu haben. Den Kollegen spielt er Streiche, schüttet Salz in Getränke und solche Scherze.
ZEIT ONLINE: Kann einem das nicht auf die Nerven gehen?
- Alles Außer Fußball
Alles außer Fußball ist die Kolumne von Katja Kraus, Corny Littmann, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Jede Woche geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Die vier sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Littmann, Hitzlsperger, Friedrich und Kraus wollen ihre Meinung sagen, beispielsweise zu den Herausforderungen der Bundesregierung, zum Alltag in der Bundesliga und darüber, wie das zusammenhängen kann.
Lahm: Da muss man mit klarkommen, das hält die Mannschaft am Leben. Außerdem weiß Franck, wo die Grenzen sind.
ZEIT ONLINE: Wo sind Ihre?
Lahm: Bei mir kann man sehr weit gehen. Beim Essen hört der Spaß aber auf. Beim Dessert, es gab Zwetschgenkompott, hat man mir mal die Schokosoße gegen Balsamico-Essig getauscht. Da wurde ich säuerlich.
ZEIT ONLINE: Ist das ein Kindergarten! Welche Brüller hat im Moment Mario Gomez auf Lager?
Lahm: Mario ist ein lustiger Typ. Hat aber schon mal schöner aus der Wäsche geschaut. Klar, die Laune hängt natürlich ab vom Erfolg – von dem der Mannschaft, aber auch vom persönlichen.
ZEIT ONLINE: Auf welche Comedians stehen Sie?
Lahm: Wenn ich Johann König sehe, könnte ich mich kaputtlachen. Hab ihn schon mal live erlebt in München. Und bei Mario Barth klopf ich mir auf die Schenkel.
Alle Kolumnen von Andreas Beck, Philipp Lahm, Tobias Rau und Thomas Hitzlsperger auf unserer Serienseite
ZEIT ONLINE: Wie die meisten Fußballer?
Lahm: Kann sein!
ZEIT ONLINE: Cindy aus Marzahn?
Lahm: Phasenweise lustig.
ZEIT ONLINE: Harald Schmidt?
Lahm: (Pause) Ganz okay, teilweise zu zynisch. Er spielt in einer anderen Liga.
ZEIT ONLINE: Mit welchem Fernsehkomiker sind Sie groß geworden?
Lahm: Mit Didi Hallervorden und Nonstop Nonsens: "Eine Flasche Pommes frites, bitte!"
ZEIT ONLINE: Palim, Palim!
Lahm: Und Gerhard Polt find ich als Bayer großartig (mit Krächzstimme): Oliver, Oliver! Pass auf! Er spielt longline.
ZEIT ONLINE: Und den Leasing-Vertrag der Firma Ismaier?
Lahm: Dieser Crétin! Kenne ich von YouTube, habe ich Kumpels weitergeleitet. An Polt schätze ich, dass er lustig und kritisch ist. Hintergründig, abgründig.
ZEIT ONLINE: Geben Sie doch mal einen frauenfeindlichen Witz aus der Bayern-Kabine zum Besten!
Lahm: Machen wir keine.
ZEIT ONLINE: Ach, kommen Sie!
Lahm: Witze erzählen wir keine. Wir machen Sprüche. Der Letzte, der Witze erzählt hat, war Mehmet Scholl. Er ist beim FC Bayern nicht adäquat ersetzt worden. Der hat manchmal 'ne halbe Stunde am Stück erzählt. Ich hab mich beeiert. Tausende von Witzen aller Art: Blondinenwitze, Schwabenwitze, Häschenwitze.
ZEIT ONLINE: Auch Ossi-Witze? Haben Sie einen drauf, kurz vor dem Jubiläum des Mauersturzes?
Lahm: Ossi-Witze verbietet unser Zeugwart Thomas Reschke. Er ist im Osten groß geworden. Und zwei Meter groß.
ZEIT ONLINE: Auch eine Form von Humor. Wir möchten Ihnen zum Abschluss den, laut einer Studie von Humorforschern, witzigsten Witz der Welt erzählen: "Zwei Jäger befinden sich im Wald, als einer der beiden zusammenbricht. Er scheint nicht zu atmen und seine Augen glänzen. Der andere Jäger zückt sein Handy und wählt den Notruf. Er stößt hervor: Mein Freund ist tot! Was soll ich tun? Er erhält den Ratschlag: Beruhigen Sie sich. Als Erstes, versichern Sie sich, dass er tatsächlich tot ist. Stille – dann ertönt ein Schuss. Zurück am Telefon fragt der Jäger: Okay, was jetzt?"
Lahm: Gut. Wirklich gut. Aber ich habe schon bessere gehört. Kann mir aber keine merken. Ich muss mal wieder Mehmet anrufen. Und beim nächsten Mal erzähl ich Ihnen einen.
Das Gespräch führte Oliver Fritsch.
- Datum 10.11.2009 - 15:03 Uhr
- Serie Alles außer Fußball
- Quelle ZEIT ONLINE
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Dass Philipp Lahm zur seltenen Spezies der Fußballer gehört, denen ein Intellekt vergönnt ist, der es ihnen möglich macht, halbwegs vollständige Sätze hervorzubringen, legitimiert meines Erachtens nicht die schiere Obsession der deutschen Medien für Herrn Lahm, die sich immer dann manifestiert, wenn ein Redakteur mal wieder auf die Idee kommt, eines besagter "Alles-außer-Fußball-Gespräche" zu führen, da diese ja nach Ansicht der Redakteure offenbar in ihrer ganzen Konzeption ach so revolutionär und für den Leser so unvorstellbar unterhaltsam seien.
Die niederschmetternde Wahrheit freilich liegt leider Gottes im Faktum, dass sich diese Gattung des Interviews längst grässlich abgenutzt hat. So psychologisch interessant der Einblick ins Mannschaftsgefüge von professionellen Fußballteams sein mag - Sönke Wortmann hat mit seinem brillianten Film "Deutschland. Ein Sommermärchen" diese Form der Dokumentation zu ihrer Blüte gebracht.
Lange Rede, kurzer Sinn - das Interesse des Lesers für Lausbubenstreiche in der Umkleidekabine, ob Sie es glauben oder nicht, ebbt mit der Zeit ab.
Und die Tatsache, dass Philipp Lahm als als kleinbürgerlicher Biedermann Daherkommender inmitten der Horde des animalischen, ungezügelten Mobs der sonstigen Bundesliga-Kicker sicher einen besseren Interviewpartner abgibt als Lukas Podolski, rechtfertigt wirklich nicht, dass er für jedes Einzelne Interview zu dieser Thematik von den deutschen Medien missbraucht wird - ergo:
Bitte umdenken, Frau ZEIT!
Wer`s nicht lesen will braucht nun wirklich nicht draufklicken.
Mir und vielen anderen Fußballfans gefällt das nette Geplauder mit Herrn Lahm sehr wohl, ich hoffe die werten Macher lassen sich nicht von derlei Kommentaren beirren! Weiter so und chapeau chapeau, HvH
...auch Mehmet Scholl gehört dazu. Ich höre ihn gerne, wenn er Spiele kommentiert. Auch wenn ab und zu eine Stilblüte herauskommt wie vorgestern beim Pokalspiel von Bremen. Zitat:" Die Bremer müssen vorne ihre Chancen nutzen ohne sich hinten zu entblößen." Ich hab'mich beölt vor Lachen!
Wer`s nicht lesen will braucht nun wirklich nicht draufklicken.
Mir und vielen anderen Fußballfans gefällt das nette Geplauder mit Herrn Lahm sehr wohl, ich hoffe die werten Macher lassen sich nicht von derlei Kommentaren beirren! Weiter so und chapeau chapeau, HvH
...auch Mehmet Scholl gehört dazu. Ich höre ihn gerne, wenn er Spiele kommentiert. Auch wenn ab und zu eine Stilblüte herauskommt wie vorgestern beim Pokalspiel von Bremen. Zitat:" Die Bremer müssen vorne ihre Chancen nutzen ohne sich hinten zu entblößen." Ich hab'mich beölt vor Lachen!
Wer`s nicht lesen will braucht nun wirklich nicht draufklicken.
Mir und vielen anderen Fußballfans gefällt das nette Geplauder mit Herrn Lahm sehr wohl, ich hoffe die werten Macher lassen sich nicht von derlei Kommentaren beirren! Weiter so und chapeau chapeau, HvH
Herr von Hammersmark, haben Sie Themenvorschläge für weitere Kolumnengespräche?
Herr Fritsch,
ein Interview mit einem deutschen Fußballer, z.B. Arne Friedrich, nach seiner Teilnahme an der Ostdeutschen Meisterschaft im Tipp-Kick.
Das Ganze findet jedes Jahr über Ostern in Berlin statt.
Überreden müssten Sie Ihn nur selbst.
Kontaktverein wäre Celtic Berlin, die dieses Turnier jedes Jahr mit großem Erfolg und um die 120 Teilnehmern ausrichten.
Gruß
...auch Mehmet Scholl gehört dazu. Ich höre ihn gerne, wenn er Spiele kommentiert. Auch wenn ab und zu eine Stilblüte herauskommt wie vorgestern beim Pokalspiel von Bremen. Zitat:" Die Bremer müssen vorne ihre Chancen nutzen ohne sich hinten zu entblößen." Ich hab'mich beölt vor Lachen!
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