Philipp Lahm zum Welt-Aids-Tag "Ist es schlecht, wenn ich helfen will?"
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Lahm: Keinesfalls. Nur wenige Fußballer haben gestiftet. Für mich gehört es dazu, weil ich im Leben sehr viel Glück hatte. Ich hatte eine schöne Kindheit, ich wurde als Sportler gefördert. Da ist es für mich eine Verpflichtung, davon auch etwas weiterzugeben.

ZEIT ONLINE: Wie gehen Sie mit dem Vorwurf um, das Engagement sei nur eine Art Ablasshandel: Ich engagiere mich, weil ich so wohlhabend und prominent bin, um meinen Lebensstandard rechtfertigen zu können?

Lahm: Solche Kritiker haben auch recht: Ich verdiene gut, mir geht es gut. Doch ist es schlecht, wenn ich helfen will? Wenn es jeder tun würde, dem es gut geht im Leben, dann würde es vielen Menschen besser gehen. Mit dem Vorwurf kann ich leben. Der Spaß, den etwa Kinder in meinem Sommercamp haben, spricht für mein Engagement.

ZEIT ONLINE: Wann kam Ihnen erstmals der Gedanke, eine Stiftung zu gründen?

Lahm: Am Anfang standen Anfragen, etwa von karitativen Einrichtungen und Kinderhilfswerken. Dann kam der Welt-Aids-Tag, dann meine Reise nach Südafrika. All diese Organisationen zu unterstützen, schließe ich ja nicht aus, wenn ich eine eigene Stiftung gründe. Aber ich wollte auch selbst entscheiden können, wo ich helfe, mich in meinem eigenen Werk wieder finden. Das hat auch mit meinem Elternhaus zu tun.

ZEIT ONLINE: Wie sind sie denn erzogen worden; woher kommt diese helfende Haltung?

Lahm: Ich habe immer Liebe und Zuneigung erhalten. Ich war schon mit fünf Jahren beim Verein. Man lernt dadurch so viel im Umgang mit Menschen; mit Lehrern, Trainern und Mitspielern. Am wichtigsten ist das zu Hause, das muss stimmen. Und bei vielen stimmt das nicht.

ZEIT ONLINE: Hat man Ihnen die Hilfsbereitschaft anerzogen?

Alles Außer Fußball

Alles außer Fußball ist die Kolumne von Katja Kraus, Corny Littmann, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Alle zwei Wochen geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Die vier sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Littmann, Hitzlsperger, Friedrich und Kraus wollen ihre Meinung sagen, beispielsweise zu den Herausforderungen der Bundesregierung, zum Alltag in der Bundesliga und darüber, wie das zusammenhängen kann.

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Lahm: Durchaus. Ich hatte Vorbilder. Meine Mutter arbeitet seit Jahren ehrenamtlich als Jugendleiterin bei einem Verein in München, wo auch Waisenkinder spielen. Wenn man solches Engagement mitbekommt, prägt das.

ZEIT ONLINE: Sprechen Sie unter den Fußballkollegen auch über so etwas?

Lahm: Wenn es in den Medien Thema ist, reden wir auch über soziales Engagement der Fußballer. Teilweise mit ganz positiver Wirkung: Luca Toni hat mir sogar einmal ein paar signierte Fußballschuhe gegeben, damit ich sie für die Stiftung versteigern lassen kann. Auf diese Weise steckt man vielleicht auch andere an, sich selbst stärker zu engagieren.

ZEIT ONLINE: Sind sie ein Vorbild für andere Fußballprofis?

Lahm: So weit würde ich nicht gehen. Ich hoffe, ein Vorbild zu sein für viele Kinder und Jugendliche.

ZEIT ONLINE: Einige Fans sehen ihr Werben für die Bild-Zeitung kritisch, wie bei Facebook zu lesen ist. Wie ist diese Kampagne für eine Zeitung, die es mit Persönlichkeitsrechten oder der Korrektheit mitunter nicht so genau nimmt, mit ihrem sozialen Engagement in Einklang zu bringen?

Lahm: Diese Zeitung lesen viele Menschen. Bild berichtet auch über den Welt-Aids-Tag. Es kommt mir darauf an, so viel Menschen wie möglich zu erreichen, darunter die Bild-Leser und die ZEIT-ONLINE-Leser.

Mit Philipp Lahm sprach Tilman Steffen

 
Leser-Kommentare
    • Manu84
    • 01.12.2009 um 9:46 Uhr
    1. Bild

    Danke, dass das Wirken der Prominenten für die Bild-Zeitung mal angesprochen wird in einem Interview. Leider scheinen die Hemmungen, sich [ entfernt: Bitte verzichten Sie auf polemisierende Bezeichnungen. Danke. Die Redaktion/m.e. ], bei Politikern und Prominenten in den letzten Jahren gesunken zu sein. Und leider finden sich von Seiten der Mittäter, in diesem Fall Phillip Lahm, auch immer wieder Entschuldigungen, die die Zusammenarbeit mit Bild rechtfertigen. Jeder sollte sich klar darüber sein: wenn er mit Springer zusammenarbeitet, wenn er in den Zeitungen Werbung schaltet oder auch nur ein Interview gibt, ist er mitschuldig an der nächsten Sau, die durchs Dorf getrieben wird, an der nächsten Schmierkampagne gegen irgendjemanden, an der nächsten als Information getarnten Werbekampagne für Versicherer oder Stromerzeuger.

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