Rau über Kritik von Lahm "Mit Uli Hoeneß kann man immer reden"
Tobias Rau, ehemaliger Profi des FC Bayern, über die Kritikfähigkeit Uli Hoeneß', Philipp Lahms Berater und fingierte Interviews. Das Alles-Außer-Fußball-Kolumnengespräch
© Vladimir Rys/Bongarts/Getty Images

Tobias Rau über seinen ehemaligen Arbeitgeber: "Der FC Bayern München ist etwas anderes. Der Pressesprecher koordiniert dort alle Anfragen und überprüft die Interviews"
ZEIT ONLINE: Herr Rau, aus aktuellem Anlass reden wir über das Thema Interviews von Profifußballern.
Tobias Rau: Ich weiß, worauf Sie anspielen: Ja, ich habe das Interview von Philipp Lahm am Samstag gelesen.
ZEIT ONLINE: Was dachten Sie als ehemaliger Bayernprofi, direkt nach der Lektüre?
Rau: Krass, das wird mit Sicherheit nicht ohne Folgen bleiben.
ZEIT ONLINE: Zum Beispiel?
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Rau: Aus der Ferne ist es schwer, sich eine Meinung zu den aktuellen Ereignissen zu bilden. Ich kann mir aber vorstellen, dass Philipp mit dem Interview einen Plan verfolgt hat. Er ist intelligent. Vielleicht bündelt sich der ganze Trubel jetzt auf dieses Interview. In der Vergangenheit war es in München oft so, dass jemand in einer Krise die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat und die Mannschaft auf dem Platz positiv reagierte. Wenn viele Emotionen dabei sind, kann das Kräfte freisetzen.
ZEIT ONLINE: Zunächst hat es Geld freigesetzt. Lahm muss mehr als 50.000 Euro Strafe zahlen. Wie hoch war Ihre höchste Geldstrafe von Uli Hoeneß?
Ich kann übrigens gut verstehen, dass der Verein Philipp bestraft. Hoeneß muss durchgreifen, aber dennoch hat das Interview viel aufgerüttelt
Rau: Nichts in dieser Größenordnung. Ich kann übrigens gut verstehen, dass der Verein Philipp bestraft. Hoeneß muss durchgreifen, aber dennoch hat das Interview viel aufgerüttelt.
ZEIT ONLINE: Musste Lahm sich öffentlich äußern, da man mit interner Kritik beim FC Bayern auf taube Ohren stößt?
Rau: Nein, dass denke ich nicht. Mit Uli Hoeneß kann man immer reden, so war es zumindest, als ich dort Profi war. Mit ihm kann man lange und heiß diskutieren, ein offenes Ohr hat er immer.
ZEIT ONLINE: Haben Sie schon mal ein Interview gegeben, welches nicht vom Verein freigegeben war?
Rau: In Bielefeld oder Wolfsburg konnten die Spieler Interviews geben, ohne dass der Pressesprecher des Vereins autorisiert hat. Dort hat höchstens in Krisenzeiten der Manager in der Kabine gesagt, er möchte über die aktuellen Vorkommnisse nichts in der Zeitung lesen. Dann wusste jeder Spieler bescheid. Aber der FC Bayern München ist etwas anderes. Der Pressesprecher koordiniert dort alle Anfragen und überprüft die Interviews. Bei der Menge von Anfragen ist das für die Spieler eine große Erleichterung.
ZEIT ONLINE: Sie finden die Regel gut, dass Spieler sich nicht frei in der Öffentlichkeit äußern dürfen?
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Rau: Ich denke, durch die Regel haben die Spieler des FC Bayern weniger Stress. Andere Vereine müssen diese Handhabung aber nicht übernehmen.
ZEIT ONLINE: Wie wichtig ist ein persönlicher Berater für einen Nationalspieler?
Rau: Ich glaube Roman Grill, Philipps Berater, ist einer der besten Berater, die es im Geschäft gibt. Aber Interviews werden nicht von Beratern gegeben.
ZEIT ONLINE: Wie wichtig ist einem Spieler seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit?
Rau: Klar macht man sich darüber Gedanken, wie man in der Öffentlichkeit ankommt. Aber ich habe nie Interviews gegeben, um mich besser darzustellen. Ich glaube, auch Philipp ging es nicht darum. Im Übrigen sind Interviews für Fußballer, trotz der Möglichkeit, sie vor der Veröffentlichung freizugeben, oft schwierig.
ZEIT ONLINE: Sie haben schlechte Erfahrungen gemacht?
Rau: Ja, besonders mit den Boulevard-Medien. Dort werden einem die Sätze oft im Mund umgedreht. Schauen Sie: Auch in diesem Interview möchte ich nicht so wirken, als wisse ich – der Student aus Bielefeld – was momentan in München passiert. Aber Sie fragen danach.
ZEIT ONLINE: Herr Rau, Sie haben zwei Jahre in München gespielt. Interessiert Sie das Thema nicht?
Rau: Doch, wir haben heute in der Uni auch schon darüber gesprochen. Über den FC Bayern hat ja fast jeder seine eigene Meinung. Es bleibt spannend.
Die Fragen stellte Steffen Dobbert
- Datum 09.12.2009 - 14:58 Uhr
- Serie Alles außer Fußball
- Quelle ZEIT ONLINE
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