Wettskandal in Osnabrück Reichenberger beteuert seine UnschuldSeite 2/2

Sicherlich hat der Präsident in einigen Punkten Recht. Die Vorwürfe gegen Reichenberger scheinen haltlos und haben gegen das Prinzip der Unschuldsvermutung verstoßen. Dennoch macht es sich der Präsident zu leicht, wenn er nun gegen die Medien wettert und unterstreicht, dass sein Verein Leidtragender und nicht Täter im aktuellen Skandal sei.

Rasch laviert seit Freitag ebenso wie DFB-Präsident Theo Zwanziger zwischen Forderungen nach bedingungsloser Aufklärung und merkwürdigen Schutzreflexen, die die Medienschelte und das Unterstreichen der eigenen Opferrolle beinhalten. Doch das ist zu einfach, angesichts der sich abzeichnenden Ausmaße des Skandals. Rasch ist Präsident eines Vereins, der offenbar an Verschiebungen beteiligt war.

Innerhalb des Clubs soll es in der vergangenen Saison Täter gegeben haben – kickende Angestellte des VfL Osnabrück, die nicht nur dem Verein, sondern auch den Fans, anderen Mannschaften, Sponsoren, Wettanbietern, Wettbeteiligten und dem Image einer gesamten Sportart geschadet haben. Der Drittligist und der DFB müssen sich also fragen lassen, warum dieser Wettskandal so lange unerkannt bleiben konnte. Stattdessen fordert VfL-Präsident Rasch, dass das Thema Spielsucht enttabuisiert werden müsse. Da wird ihm keiner widersprechen, aber es lenkt vom Problem ab: Kriminelle haben es nach Angaben der ermittelnden Staatsanwaltschaft in neun Ländern geschafft, Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle vor ihren Wagen zu spannen.

In Osnabrück hofft man, dass der Skandal doch noch irgendwie am Verein vorbeigeht. Schließlich seien die Spieler des aktuellen Kaders sauber. Die Devise lautet offenbar: Ball flach halten. Während des gestrigen Spiels und beim Lila-Weißen Abend spielte der Wettskandal bestenfalls eine untergeordnete Rolle. Keine Plakate, keine Schmährufe, keine Ansprachen oder Erklärungen aus den Fanclubs.

Stattdessen feierte man lieber in der Disco den Heimsieg gegen Dortmund und die Auszeichnung "Tor des Monats", die dem VfL-Spieler Angelo Barletta auf der Bühne verliehen wurde. Reichenberger schunkelte erleichtert mit.

 
Leser-Kommentare
  1. wenn sie von Fußballspielen handeln.

    Diese Pressekonferitis und Eventitis braucht kein Mensch.
    Sie bringt rein gar nichts.
    Wenn der Staat, also wir, einschreiten soll dann nur auf eine Art und Weise: Keine Subventionen mehr für den Spielbetrieb!
    -Will sagen kein Geld für die Nationalmannschaft,
    der DFB ist reich genug
    -Kein Geld und kein Land für Stadionbauten
    Länder und Kommunen brauchen ihre Finanzen für Wichteres.
    -Kein Geld für Polizeieinsätze rund um das Geschehen.
    Es kann nicht angehen, dass für die eigentliche Kriminalität
    kein Geld mehr da ist weil alles für den Fußballgott geopfert wird.

  2. 2.

    Die jetzt 'offensichtliche Falschmeldung' über drei ausgestellte Haftbefehle (unter anderen gegen Thomas Reichenberger), wurde übrigens von niemand anderem als ZEIT ONLINE veröffentlicht - schade, dass es in diesem Bericht nicht erwähnt wird.
    Stattdessen wird weiter versucht, den zuvor Verdächtigten zumindest eine merkwürdige Reaktion auf den Wettskandal vorzuwerfen. Und jetzt nicht nur den selbst von ZEIT ONLINE in die Öffentlichkeit gebrachten Personen, sondern gleich den damaligen Arbeitgeben (VfL Osnabrück) mit dazu - es hat tatsächlich den Anschein, dass nach dem Motto verfahren wird: Irgendeiner wird schon etwas gewußt haben.

    Geradezu süß ist da schon die angedeutete Empörung von aufgebauten Fronten zwischen den vermeintlichen Skandalbeteiligten und der freien Presse. Natürlich ist jeder für sich selbst verantwortlich, Meldungen zu glauben oder zu mißtrauen, egal ob im Internet oder in den klassischen Medien. Den Schaden von Falschmeldungen hat in jeden Fall immer nur die genannte Person - niemals der Veröffentlicher. Schade.

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