Tragischer Tod Ein nachdenklicher Rückhalt

Robert Enke war eines der größten Talente im deutschen Fußball. Nicht nur sportlich, sondern auch privat musste der Nationaltorhüter viele Rückschläge einstecken.

Tragischer Tod: Robert Enke, Nationaltorhüter, starb mit 32 Jahren

Tragischer Tod: Robert Enke, Nationaltorhüter, starb mit 32 Jahren

Am Wochenende hat es mal wieder Aufregung um die deutschen Fußball-Nationaltorhüter gegeben. Diesmal ging es um Robert Enke. Andreas Bergmann, sein Vereinstrainer bei Hannover 96, hatte sich für ihn verwendet. Er sei nicht damit einverstanden, dass Enke von Joachim Löw nicht für die beiden Länderspiele gegen Chile und die Elfenbeinküste nominiert worden war. Solche Wortmeldungen von mehr oder weniger beteiligten Personen gibt es rund um jedes Länderspiel, aber gestern Abend ist einem wieder einmal bewusst geworden, wie belanglos das eigentlich alles ist. Gestern Abend wurde die Nachricht bekannt, dass Robert Enke tot ist. Er hat sich das Leben genommen.

Der Nationaltorhüter hinterlässt seine Frau und eine acht Monate alte Tochter, die er im Mai adoptiert hatte. Er starb im Alter von 32 Jahren. 

Wir sind alle geschockt, uns fehlen die Worte.

Oliver Bierhoff

Enkes Manager Jörg Neblung bestätigte am späten Abend die Todesursache Suizid. Die Polizei teilte mit, dass Enke gegen 18.25 Uhr in Neustadt-Eilvese bei Hannover von einem Regionalexpress erfasst worden war. Die beiden Lokführer hätten Enke nur noch leblos aufgefunden.

"Wir sind alle geschockt, uns fehlen die Worte", sagte Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft in einer ersten offiziellen Reaktion. Die Nationalspieler hatten sich am Montag zur Vorbereitung auf die beiden Länderspiele in Bonn getroffen, die Nachricht vom Tod ihres Kollegen erfuhren sie nach der ersten Trainingseinheit. Im Kreise der Nationalmannschaft genoss der Torhüter von Hannover 96 ein starkes und gutes Ansehen. Enke wurde gemocht wegen seiner ruhigen, nachdenklichen aber auch fairen und kritischen Art. Angesprochen auf den Konkurrenzkampf um den Platz im deutschen Tor hat er Anfang des Jahres gesagt: "Man muss sich ein bisschen frei machen von der ganzen Hektik rund um diese Torwartgeschichte. Wenn ich das alles an mich ranließe, würde ich ja wahnsinnig werden. Man muss eine Mischung finden aus Ehrgeiz, Anspannung und einer gewissen Lockerheit. Meine Lockerheit ist nicht zur Schau getragen."

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Robert Enke, dessen Vater zu DDR- Zeiten als Sportpsychologe bei Carl Zeiss Jena gearbeitet hat, hat sich immer eine gewisse Distanz zu seinem Beruf und dessen Überdrehung in der medialen Aufbereitung bewahrt. Welche Aufmerksamkeit etwa vor der WM 2006 die Frage erregt habe, ob Oliver Kahn oder Jens Lehmann die Nummer eins im deutschen Tor sein werde, war Enke unverständlich. Er sah es als absurd an, dass die Entscheidung es sogar zur Spitzenmeldung in der Tagesschau gebracht habe. Als gäbe es auf der Welt keine anderen Probleme.

Enkes Tochter starb 2006

Enke selbst hat nicht nur im Sport, sondern auch im Leben ganz andere Probleme bewältigen müssen. Im September 2006 starb seine zwei Jahre alte Tochter, die mit einem Herzfehler zur Welt gekommen war, im Krankenhaus. Gerade wegen dieser Erfahrung wusste Enke viele Dinge realistisch einzuschätzen.

Schon als Teenager war er von Carl Zeiss Jena zu Borussia Mönchengladbach gewechselt. Obwohl er in seiner ersten Saison in der Bundesliga mit den Gladbachern abstieg, wurde er an deren Ende zum Confed-Cup 1999 in den Kader der Nationalmannschaft berufen. Zum Einsatz kam er in Mexiko nicht. Trotzdem wechselte er noch im selben Sommer zu Benfica Lissabon, wurde dort als Ausländer und Torwart Kapitän der Mannschaft. Enkes sportliche Perspektiven galten in jener Zeit als glänzend. Doch dann erlebte er Rückschläge, wechselte immer wieder die Klubs und wurde lieber arbeitslos als unglücklich.

"Er war labil", sagte Hannovers Präsident Martin Kind in einer ersten Reaktion, nachdem er von Enkes Tod erfahren hatte. In der Öffentlichkeit sei das wohl nicht aufgefallen. "Er hat das überlagert." Zumal sich Enke aus der sportlichen Versenkung zurückgearbeitet hat. Beim spanischen Zweitligisten Teneriffa wagte er einen Neuanfang, Ewald Lienen holte ihn dann im Sommer 2004 nach Hannover, wo er sich zu einem der besten Torhüter der Bundesliga entwickelte. Im März 2007, mit knapp 30, debütierte er schließlich in der Fußball-Nationalmannschaft. Es folgten sieben weitere Länderspiele, das letzte im August in Baku gegen Aserbaidschan.

Rätselhafte Viruserkrankung stoppte Enke

Noch vor zwei Monaten schien Enke die besten Aussichten zu haben, bei der Weltmeisterschaft im kommenden Sommer in Südafrika Deutschlands Nummer eins zu sein, ehe eine rätselhafte Viruserkrankung ihn stoppte. Neun Wochen musste Enke pausieren, in der Zwischenzeit machte ihm René Adler mit starken Leistungen den Platz im Tor streitig. In einem Interview sagte Enke zuletzt: "Ich habe sehr viel mitgemacht: beruflich und privat. Ich weiß nicht, ob jemand das Leben lenkt. Aber so viel weiß ich: Man kann es nicht ändern. Man muss sich mit einer Verletzung abfinden, man muss sich damit abfinden, wenn man ein Spiel verliert, und man muss sich damit abfinden, wenn man ein Kind bekommt, das schwer krank ist und stirbt."

Enke hat viele Rückschläge ein- und weggesteckt. So auch diesen. Vor zwei Wochen kehrte er nach seiner Erkrankung zurück ins Tor. "Wir freuen uns alle, dass er wieder spielt", hatte sein Trainer Andreas Bergmann vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln gesagt. "Robert ist in sehr guter Verfassung. Er ist wieder ganz der Alte." Und auch Enke war froh, "dass es jetzt wieder los geht". Am Sonntag gegen den Hamburger SV stand er erneut im Tor. Es war wie so oft bei ihm: Enke spielte souverän und sicher, aber auch unauffällig und ohne Show. Es war sein 196. Bundesligaspiel.

In den vergangenen Wochen war spekuliert worden, dass Enke Hannover im Sommer verlassen könne, vielleicht sogar zum Hamburger SV oder zu Bayern München gehe. Aber zuletzt hieß es wieder, dass er auf keinen Fall den Verein wechseln wolle und sich in Hannover wohl fühle.

Zwei Jahre ist es her, da saß Enke nach dem Training am Maschsee. Es war Sommer, die Sonne schien, und es ging um seine Zukunft. "Eigentlich habe ich es mir abgewöhnt, langfristige Pläne zu machen", sagte er. Aber wenn er es sich aussuchen könnte, würde der gerne noch fünf Jahre Bundesliga spielen und dann zum Abschluss noch einmal zwei bis drei Jahre bei Benfica. "Benfica ist ein Verein, der mir sehr ans Herz gewachsen ist. Und wenn ich im Alter Probleme mit dem Kreuz habe, kann ein bisschen mehr Sonne beim Training ja auch nicht schaden."

Alt ist Robert Enke leider nicht geworden. 

 
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