Fußball
Trauer um Nationaltorwart Robert Enke
Der Tod von Robert Enke hat im In- und Ausland große Bestürzung ausgelöst. Der Torhüter litt seit Jahren an schweren Depressionen. In Hannover trauern Mitspieler und Fans
© Kay Nietfeld/dpa

Fans von Hannover 96 tragen sich ins Kondolenzbuch ein. Der Tod von Robert Enke löste deutschlandweit Bestürzung aus
Der Tod von Nationaltorwart Robert Enke hat bei den Fußball-Fans von Hannover 96 große Anteilnahme ausgelöst. Hunderte Menschen standen am Mittwoch Schlange, um sich vor der AWD-Arena in Hannover in ein Kondolenzbuch einzutragen. Der Bundesligaklub hatte die Kondolenzliste mit einem Enke-Trikot und drei Kerzen darauf bereits in der Nacht vor dem Haupteingang des Stadions ausgelegt. Viele Fans stellten Kerzen auf und legten zur Erinnerung an den beliebten Spieler Schals und Trikots nieder.
Auf einer Pressekonferenz in Hannover am Mittwochmittag berichtete Enkes Witwe Teresa, dass ihr Mann seit Jahren an schweren Depressionen litt. 2003 habe er sich deswegen erstmals in Behandlung begeben. Bis kurz vor seinem Tod sei er permanent von Ärzten betreut worden. Enke habe die Krankheit geheim gehalten, um sein Privatleben und seine Karriere nicht zu gefährden.
Teresa Enke berichtete vom schweren Kampf der Familie gegen die Depression. "Wir dachten, wir schaffen alles. Wir dachten halt auch, mit Liebe geht das. Man schafft es aber doch nicht", sagte sie.
Die Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) berät nach dem Tod von Torhüter Robert Enke gemeinsam mit der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft um Bundestrainer Joachim Löw über eine Absage des Länderspiels gegen Chile. DFB-Präsident Theo Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach waren am Mittwochvormittag ins Quartier der DFB-Auswahl nach Bonn gekommen. Das Test-Länderspiel gegen den WM-Teilnehmer Chile soll am Samstag in Köln ausgetragen werden. Vier Tage später soll die DFB-Auswahl zum letzten Länderspiel des Jahres in Gelsenkirchen gegen die Elfenbeinküste antreten.
Robert Enke war am Dienstagabend an der Bahnstrecke in Eilvese in der Nähe seines Wohnortes bei Hannover von einem Regionalzug erfasst worden. Nach Angaben der Polizei wurde ein Abschiedsbrief gefunden. Zum Inhalt oder dem Fundort des Schreibens wollt sich Polizeisprecher Stefan Wittke nicht äußern. Es gebe damit aber kaum noch Zweifel an einem Selbstmord, so Wittke.
"Wir sind alle geschockt, uns fehlen die Worte", sagte der Teammanager der Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff. "Das ist ganz furchtbar", sagte der Präsident des Fußball-Bundesligisten Hannover 96, Martin Kind, bei dem Enke unter Vertrag stand. Er war von der Sitzung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zurückgekehrt und bekam am Flughafen den schockierenden Anruf. "Man rechnet mit vielem, aber nicht mit so etwas", sagte Kind.
Wegen einer hartnäckigen Viruserkrankung war Enke wochenlang als Nummer eins ausgefallen und hatte erst kürzlich sein Comeback beim Bundesligisten Hannover 96 gegeben. Dem achtmaligen Nationalspieler wurden gute Chancen eingeräumt, kommendes Jahr bei der Weltmeisterschaft in Südafrika dabei zu sein. Der in Jena geborene Enke hinterlässt eine Ehefrau und eine acht Monate alte Tochter, die das Paar im Mai adoptiert hatte. Seine leibliche Tochter starb 2006 im Alter von zwei Jahren an einem Herzfehler.
Noch am Dienstagabend hatten sich sowohl in der Nähe des Unglücksortes bei dem kleinen Örtchen Eilvese sowie am Fußball- Stadion in Hannover mehrere hundert Menschen versammelt, um Enke zu gedenken. Enkes früherer Club FC Barcelona legte am Dienstag vor dem Pokalspiel gegen Cultural Leonesa eine Schweigeminute ein.
Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger zeigte sich tief betroffen: "Wir sind fassungslos und voller Trauer. Unser ganzes Mitgefühl gilt der Frau von Robert Enke und seiner Familie." Wie die sportliche Leitung der Nationalmannschaft im Hinblick auf die Vorbereitung auf das bevorstehende Länderspiel am Samstag in Köln gegen Chile vorgehen wird, blieb zunächst ungewiss.
Nach der EM und dem Rücktritt von Jens Lehmann war Enke bald Stammtorhüter der DFB-Auswahl geworden. Sein erstes Länderspiel bestritt Enke vor zwei Jahren beim 0:1 gegen Dänemark. Bereits beim Confed Cup 1999 hatte er zum DFB-Kader gehört, blieb aber ohne Einsatz. Insgesamt hütete er in sechs von elf Länderspielen in der Saison 2008/09 das Tor.
- Datum 11.11.2009 - 14:53 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 61
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Nur empfohlene Kommentare anzeigen
Mein herzliches Beileid seiner Frau.
Aufrichties Beileid.
Man kann nur hoffen, dass das erbarmungsloseProfifußballgeschäft
nicht ausschlaggebend für dieses Drama war.
Welch ein Schock!
Mein aufrichtiges Mitgefühl seiner kleinen Familie!
...was ist mit dem Rettungsdienst und der Feuerwehr, welche die aufs übelste zugerichteten menschlichen Überreste beseitigen mussten ?!
Der Lokführer, der vielleicht sein Leben lang geschockt ist und auf Kosten der Allgemeinheit in psychische Behandlung muss ?!
Dessen Ehe, dessen Familienleben vielleicht einen "Knacks" bekommt...
...wenn sich jemand das Leben nimmt, warum muss er andere mit hinein ziehen !
Heute sind wieder 20.000 Kinder verhungert!
Heute sind wieder 3.000 Kinder verdurstet!
Heute ist mindestens 1 Torwart gestorben!
Das ist traurig, sehr traurig!
Glück Auf Kameraden
[...]
:-( Ich faß es nicht ...
[Gekürzt: Bitte bleiben Sie besonders bei einem solch sensiblen Thema sachlich. Danke. Die Redaktion / as]
Diesen Beitrag kann ich persönlich nicht verstehen! Natürlich sterben auch andere, aber dieses Schicksalist schon tragisch!!! Und zu den Herren der Feuerwehr und dem Rettungsdienst, esist sicherlich nicht schön so etwas zu sehen, ABER DAS IST IHR JOB!!!!!! Und jeder der "Kammeraden" weiß das...! Also was soll diese Aussage??!!
Dieser Kommentar ist ja noch schlechter als der vom "Kamerad"!!! Manchaml frage ich mich, wa für Leute lesen denn DIE ZEIT??!! Für dich wäre die Bild besser geeignet!
wird manchmal vom Löffel verdeckt.
Lob an die Ermahnung, dass Rettungsdienste, Mitreisende und vor allem auch Zugführer - obwohl sie Geld dafür bekommen - auch Menschen sind, bei denen man bei "vom Zug erfasst" jedoch sehr schnell zu vergessen scheint, dass es sie gibt.
[...]
Nein, so leid es mir natürlich tut, wenn jemand stirbt, so leid tut es mir auch, die Weitsicht in nur einem Kommentar hier zu lesen und die "Antworten" darauf beachten zu müssen.
Für die Menschen mit dem "Die-bekommen-doch-Geld-dafür-Argument" sei mal die Frage erlaubt, wieviel man ihnen den genau auszahlen müsste, damit sie die Bilder eines "vom Zug erfassten Menschen", welcher sich gerade ihren Zug ausgesucht hat, vergessen.
Nebenbei: Es gibt sicher unmenschliche Berufe, doch selten Berufe ohne Menschen.
[Entfernt. Bitte unterlassen Sie derart geschmacklose Wortspiele. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
Würde der Kommentar wohl auch so ausfallen, wenn die/der eigene Freundin/Frau/Freund/Mann/Bruder/Schwester... oder wen auch immer, der ihnen etwas bedeutet (falls in ihrem Leben vorhanden...?), betroffen wäre?
Echt traurig, traurig, traurig, so ein Kommentar!
Vielleicht doch vorher mal den Kopf einschalten, respektive das Herz, falls noch vorhanden, sprechen lassen!
Kann jedenfalls nicht schaden und bei manchem verhindern, sich mit derart voreiligen, unbedachten und zynischen Kommentaren in einer wie auch immer gearteten Öffentlichkeit selbst zu beweihräuchern auf Kosten anderer! Erbarmen für alle, die soetwas nötig haben!
Meine Trauer und mein Mitgefühl gilt ihm, einem der wenigen loyalen, reflektierten und ausgesprochen angenehmen Menschen seiner bisweilen gruselig anmutenden Zunft, und seiner Familie!
(Für die Aktionisten, Schnellschliesser und Schubladendenker sei angemerkt: Ich liebe Fussball und spiele selbst seit rund 40 Jahren)
Naja, wir sind hier schließlich im Mainstream, oder? Geweint und reflektiert wird woanders...
Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt, sagt die Welt daß er zu früh geht...
... und wenn er es überdies freiwillig tut, dann ist das umso trauriger.
Ich glaube, die wenigsten der Kommentatoren können die Verzweiflung und die Dunkelheit nachempfinden, die einen Menschen umgeben, der den Freitod wählt. Die wenigsten können die Qual nachempfinden, die die Angehörigen bei der Frage "Hätte ich das verhindern können?" peinigt. Ich schließe mich da ein. Aber auch die wenigsten können das Leid ermessen, das die betroffenen Lokführer, Autofahrer oder Helfer erleben. Insofern ist der von evel in Kommentar 40 erwähnte Artikel aus der Süddeutschen wirklich lesenswert!
Ich interessiere mich nicht für Fußball, ich kannte den Namen Robert Enkes nicht. Den Kommentaren zufolge war er ein besonderer Sportler und Mensch, und sein Tod ist ein Verlust für tausende.
Aber Robert Enke ist nicht anonym wie die 999 anderen Menschen, die sich in Deutschland jährlich vor einen Zug werfen. Drei jeden Tag! Er ist nicht anonym, wie die betroffenen Lokführer es meistens bleiben. Drei jeden Tag! Gerade weil soviele ihn kannten und verehrten, können in dieser Stunde auch die Folgen eines Freitodes auf Bahngleisen einer breiteren Öffentlichkeit ins Bewußtsein gehoben werden. Denn ich glaube, daß Menschen, die sich das Leben nehmen, diese Folgen nicht wirklich wollen.
Soll man angesichts des Todes über das Leid der Lebenden sprechen? Ich denke "Ja, auch das muß man", denn für sie geht das Leben weiter.
Die letzten Wochen waren ja nicht leicht für ihn ,(
.
Auf www.emorial.de kann man eine Kerze für ihn anzünden.
also ich frage mich warum man darüber so berichtet
eine kleine anzeige würde reichen, das ist doch alles persönlich, aber heutzutage gilt in den medien, es gibt nichts, was man nicht in der öffentlichkeit breittretet und es ist eine schlagzeile, die vielleicht die auflage erhöht
morgen werden sie von den frühnachrichten und morgenmagazinen den bahnsteig zeigen und ich sehe schon die betroffenen gesichter der moderatoren, die dann sagen "das ist alles so unsagbar traurig" und bei nächsten nachricht wird schon wieder gelacht - das leben geht ja auch weiter
Es ist ganz einfach Fußball, er begeister jedes Wochenende Millionen Menschen in Deutschland. Wenn einer der derzeit besten Spieler des deutschen Nationalsports stirbt ist das schon eine Meldung auf der Starseite Wert
Rest in Peace Robert Enke !
die schon von der Zukunft genervt sind können nicht anders handeln als Enke.
Obwohl ich Selbstmörder nicht verstehe : R.I.P.
jetzt machen sie aber mal halblang. die trauer sei einem doch gekönnt. eine prominente person verdient auch eine große anzeige. sie werden ihre kleine annonce in der regionalzeitung schon bekommen. bei allem respekt, aber ständig diese leute, die sich schon stunden nach dem ereignis über die berichterstattung echauffieren, das ist doch respektlos.
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