Fußball-Presseschau Wettbetrug trifft niedrige Ligen
In China gibt es Insiderinformationen zu kaufen: Das Ergebnis niederländischer Partien soll vorab festgestanden haben. In Griechenland bleiben Betrüger eher unter sich.
© Johannes Simon/Bongarts/Getty Images

Kriminelle, die Fußballspiele manipulieren wollen, setzen dafür offenbar vor allem auf die unteren Ligen
17 Länder sind von Wettbetrug im Fußball betroffen, berichtet der Spiegel. Bisher waren neun bekannt. Zudem sollen sich die Manipulationen nicht mehr auf Fußball beschränken, Basketball und Tennis seien ebenfalls im Visier der Ermittler, hieß es. Die Verbindungen von Ante Sapina, dem aus der Hoyzer-Affäre bekannten Drahtzieher aus Berlin, reichen bis nach Asien, das einen Brennpunkt der Manipulationen bildet. So habe ein Mittelsmann aus Malaysia Gelder gewaschen und in Hongkong deponiert.
Häufig wird vermutet, dass der laxe Umgang mit Manipulationen und die mangelnde Strafverfolgung in Asien Mitursache für den Umfang des Skandals seien. So berichtet das niederländische NRC Handelsblad in seiner internationalen Ausgabe, dass die Ergebnisse einiger Zweitligaspiele in den Niederlanden vom vergangenen Wochenende bereits im Vorhinein festgestanden hätten.
Der Journalist Oscar Garschagen hatte demnach in Schanghai Kontakt zu einem Buchmacherbüro, welches gegen eine Aufnahmegebühr von 1500 Euro Zugang zu Insiderinformationen bietet. Alle in jenem Büro angebotenen niederländischen Partien seien bereits mit den jeweiligen Trainern und Teilen der Spieler abgesprochen gewesen. Die Kontaktperson hätte auch Partien aus der ersten niederländischen Liga anbieten können sowie aus Thailand, den Philippinen und Indonesien. "Je niedriger die Liga, desto leichter ist die Manipulation, am schwierigsten ist es in der englischen Premier League", schreibt das NRC Handelsblad. Yang Ming, Mitarbeiter der staatlichen chinesischen Presseagentur Xinhua, nennt die Manipulationen "ein Geschwür, das den chinesischen Fußball zerstört hat und sich jetzt nach Europa ausbreitet".
Ni Tao kommentiert in der englischen Ausgabe des Shanghai Daily die Gründe für die chinesische Misere beim Kampf gegen Manipulationen: "Ist der chinesische Fußball so verkommen, dass er eine Schocktherapie benötigt, um den Deckel von der Jauchegrube der Korruption und Verdorbenheit zu bekommen? Es gab schon in der Vergangenheit einige Versuche, Fußballwetten zu säubern, doch war dabei die Unterstützung stets schwach."
Laut Ni Tao gibt es zwei Hauptgründe, warum manche chinesischen Spieler besonders anfällig für das Verschieben von Partien seien: "Erstens sind diese meistens bei schlecht bezahlten unterklassigen Teams beschäftigt. Haben sie den Schritt zur Manipulation erst einmal getan, schwindet das Unrechtsbewusstsein zunehmend und die Gier nach weiteren Einnahmen wird immer größer." Und Zweitens sei das chinesische Fußballsystem "ein Teil des Problems. Der chinesische Fußballverband hat bislang nicht viel mehr als Lippenbekenntnisse zustande gebracht im Kampf für das Fair Play".
Wetten gebe es überall auf der Welt, doch gerade in China produziere der Fußball eine beunruhigende Vielzahl an Schlagzeilen. Ti Nao rät den Verantwortlichen in China, endlich ihre unwirksamen Strategien zu ändern und sich dem mühseligen Abnutzungskampf gegen die Manipulationen zu stellen.
Aus neun am Skandal beteiligten Ländern werden 17, Griechenland aber war überraschend bei den ersten neun nicht dabei. Dennoch existiert auch dort schon seit Längerem ein Manipulationsvorwurf, an dessen Aufklärung der Verband wenig Interesse zeigt. Ferry Batzoglou von der Neuen Zürcher Zeitung berichtet von Erkenntnissen der Uefa, die auf dem Überwachungssystem für Wettbetrug beruhen, dass 22 Partien der griechischen zweiten Liga "wahrscheinlich" manipuliert gewesen seien, 15 davon sogar "höchstwahrscheinlich".
Da 11 der 18 Teams der Liga beteiligt gewesen seien, vermutet die Uefa, das Ganze habe System. "Wer aber glaubt, dass sich der griechische Verband oder die griechische Strafjustiz bis dato mit dem Fall befasst hätten, irrt. Die Selbstreinigung im griechischen Fußball dürfte Utopie bleiben." Der Verantwortliche des Verbandes verzögere die Aufklärung und leite nicht mal die nötigen Verfahren ein. "Auch ist nicht bekannt, dass die Justizbehörden nach der Veröffentlichung der Vorfälle von Amts wegen Ermittlungen eingeleitet haben – woanders wäre dies undenkbar."
Ein Grund dafür sei, dass "in Griechenland vornehmlich einheimische Klubpräsidenten die Fäden bei den Manipulationen ziehen – und daran via Wetteinsätze kräftig verdienen." Im von der Staatsanwaltschaft Bochum verfolgten Wettbetrug ginge es aber um international agierende Betrügerbanden. In Griechenland hingegen pflege man auch bei Manipulationen das Motto: "Wir Griechen bleiben lieber unter uns."
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- Datum 30.11.2009 - 17:32 Uhr
- Serie Fußball-Presseschau
- Quelle ZEIT ONLINE
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