Wettskandal Uefa verdächtigt weitere Vereine in Osteuropa
Im größten Wettskandal des europäischen Fußballs stehen weitere fünf Vereine unter Verdacht. Betroffen sind Qualifikationsspiele der Champions und der Europa League.
Der größte Wettskandal in der europäischen Fußball-Geschichte zieht weitere Kreise: Neben den bisher bekannten Clubs aus neun Ländern sind nun auch Vereine aus Albanien und Lettland in den Fokus der Ermittler geraten. Der kontinentale Dachverband Uefa nannte fünf osteuropäische Vereine, die in Spielmanipulationen verwickelt sein sollen.
Betroffen sind insgesamt sieben Spiele, darunter eins zur Champions-League-Qualifikation des KF Tirana aus Albanien bei Stabaek IF. Die sonstigen sechs verdächtigen Partien fanden in der Qualifikation zur Europa League statt. Genannt wurden ebenfalls aus Albanien KS Vllaznia, FC Dinaburg aus Lettland, NK IB Ljubljana aus Slowenien und der ungarische Honved Budapest.
Die Ungarn wiesen die Vorwürfe prompt zurück. "Der Club ist sich sicher, dass er in keiner Weise von dieser Affäre betroffen ist", hieß es in einer Presseerklärung. "Zugleich kann es in jedem Club – auch bei Honved Budapest – Spieler geben, die aus egoistischen materiellen Motiven heraus dazu bereit sind, ihren Club, ihre Mannschaftskameraden und ihre Fans zu verraten."
Die von der Uefa nun veröffentlichen Spiele gehörten bisher nicht zu den rund 200 verdächtigen Begegnungen, die die ermittelnde Staatsanwaltschaft Bochum im Visier hat. Die Behörde war bisher von 12 Begegnungen in der Europa League und drei in der Champions League ausgegangen.
Laut der Uefa sind möglicherweise auch drei Schiedsrichter und ein Offizieller des Verbands involviert; die entsprechenden Namen wurden nicht bekannt gegeben. Welche Auswirkungen die neuen Verdachtsfälle auf den laufenden Wettbewerb in der Champions League haben, war zunächst noch unklar.
Die Mitteilung der Uefa erfolgte nach einem dreistündigen Treffen an ihrem Sitz im schweizerischen Nyon, an dem die Verbandsvertreter aus Österreich, Belgien, Bosnien, Kroatien, Ungarn, Slowenien, die Schweiz, die Türkei und Deutschland teilnahmen. Diese neun Länder waren laut den Ermittlungsbehörden von den Wettmanipulationen betroffen.
Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) war Generalsekretär Wolfgang Niersbach in Nyon dabei. "Alle sind an einer raschen, lückenlosen Aufklärung interessiert. Trotzdem dürfen wir nicht in Hektik verfallen, sondern müssen den Behörden die nötige Zeit geben. Und wie bitter auch immer die Wahrheit sein mag: Sie muss komplett auf den Tisch, und die Sanktionen werden knallhart sein", sagte Niersbach.
In Deutschland, wo nach Informationen der Bochumer Ermittler 32 Spiele manipuliert sein sollen, gerät der Regionalligist SC Verl immer stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit. Der Verein teilte am Mittwoch mit, dass ein weiterer Spieler möglicherweise in Manipulationen verwickelt sein soll. "Es sind nach unseren Erkenntnissen drei Spieler betroffen, einer von ihnen ist nicht mehr hier beschäftigt", sagte der zweite Vorsitzende der Ostwestfalen, Jochen Scholz. Am Vortag hatte der Club bereits zwei Spieler vom Spiel- und Trainingsbetrieb suspendiert. Beide haben nach Vereinsangaben keine Geständnisse abgelegt.
Unterdessen sorgte DFB-Präsident Theo Zwanziger mit Äußerungen für Irritationen. In einem Interview hatte er eingeräumt, er sei schon seit Längerem in die Ermittlungen eingeweiht gewesen. Allerdings sei der DFB nicht offiziell unterrichtet worden. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) reagierte verärgert: "Wir waren sehr verwundert, als wir die Zitate von Dr. Zwanziger gelesen haben – und haben daraufhin den direkten Kontakt gesucht", sagte DFL-Präsident Reinhard Rauball.
Inzwischen habe Zwanziger einen Irrtum eingeräumt, sagte Rauball. "Der DFB-Präsident hat mir gegenüber in einem Telefongespräch erklärt, dass er seine Äußerungen so getätigt und autorisiert habe. Ihm sei jedoch erst später bewusst geworden, dass er sich geirrt habe", sagte der Liga-Boss. "Er sei allgemein über Gerüchte in Bezug auf Spielmanipulationen im europäischen Raum von der Uefa informiert worden, nicht aber über die Tätigkeit der Staatsanwaltschaft Bochum und Verdachtsmomente in Deutschland", gab Rauball das Telefonat mit Zwanziger wieder.
- Datum 25.11.2009 - 19:49 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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