Im europaweiten Fußball-Wettskandal sind die mutmaßlichen Drahtzieher jüngsten Erkenntnissen zufolge auch mit gewaltsamen Methoden vorgegangen: Nach Einsicht in die Ermittlungsunterlagen seines verdächtigen Mandanten Deniz C. sagte der Rechtsanwalt Burkhard Benecken, die Beschuldigten hätten auch auf Mannschaftsärzte und Köche von Luxushotels eingewirkt. Der Anwalt beruft sich auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum. Die Ärzte und Köche seien angewiesen worden, "einzelne Spieler im Sinne russischer Methoden zu vergiften, damit diese für einzelne Partien ausfallen".

Wie der Anwalt weiter ausführte, stufen die Ermittler die Wettaffäre laut Aktenlage als Fall für die Abteilung "Organisierte Kriminalität" ein, da die Verdächtigen sich nicht wie andere Wettbetrüger zuvor darauf beschränkt hätten, mit List und Täuschung vorzugehen. Das entscheidende Kriterium dieses weltweiten Netzwerks sei die Gewalt. Man schrecke nicht mehr davor zurück, Menschen in Keller einzusperren oder Spieler zu betäuben. Es seien Geldflüsse von zig Millionen Euro im Spiel, so dass auch Vermögenswerte verschleiert werden sollten.

Beneckens Mandant C. sitzt seit vergangenem Donnerstag in Untersuchungshaft. Ihm wird erpresserischer Menschenraub und gewerbsmäßiger Bandenbetrug in acht Fällen vorgeworfen. Den Ermittlungsakten zufolge soll der 30-Jährige aus Herten eine der zentralen Figuren der europaweit tätigen Wettmafia sein und mit sechs anderen Verdächtigen auf manipulierte Partien in der Schweiz, Belgien, Türkei, Slowenien und Kroatien gewettet haben. Dabei habe C. einen Gewinn von rund 990.000 Euro gemacht.

Des Weiteren wird der Hertener laut Benecken beschuldigt, "dass er im Juni 2008 einen Wettanbieter aus Nürnberg verschleppt und drei bis vier Tage in einem Keller in Herten eingesperrt habe, mit der Intention, von dieser Person 100.000 Euro Wettschulden zu bekommen". Der Anwalt sagte, er wolle diese Vorwürfe unbedingt entkräften. Sein Mandant habe bei Wetten insgesamt mehr verloren als gewonnen.

Unterdessen teilte der Zweitligist Fortuna Düsseldorf am Donnerstag mit, dass die Polizei zwei Spieler seiner Regionalliga-Mannschaft vernommen hat. Der Verein bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des Express. Maximilian Schulze Niehues, Torwart der U 23, und Kapitän Ben Abelski wurden im Zusammenhang zu Spielen der zweiten Mannschaft befragt. Das Verhör steht laut dem Verein im Zusammenhang mit den aktuellen Ermittlungen in der Manipulationsaffäre und geschah auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Bochum.

Die Fortuna geht aber davon aus, dass die Spieler nicht als Beschuldigte, sondern als Zeugen vernommen wurden. "Die Spieler haben nach intensiven Gesprächen mit dem Verein mündlich und schriftlich erklärt, dass sie hinsichtlich Manipulationen der Spiele ihrer Mannschaft weder mitgewirkt haben noch irgendeine Kenntnis davon haben», sagte der Fortuna-Vorstandsvorsitzende Peter Frymuth. Für den Verein gelte die Unschuldsvermutung.

Über die Anzahl der eventuell verdächtigen Partien wollte Frymuth sich jedoch nicht äußern. Laut der Rheinischen Post sollen drei Regionalliga-Spiele betroffen sein, die von der Fortuna-Reserve allesamt verloren wurden. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum wollte zu der Polizei-Aktion auf Anfrage keine Stellung nehmen.