Wettskandal Doppeltes Spiel in Europas Ligen

Es ist der größte Wettskandal im europäischen Fußball. Deutschland ist betroffen, aber auch zahlreiche andere Länder. Was genau ist passiert? Wie konnte es so weit kommen?

200 manipulierte Spiele in Europa, darunter 32 in Deutschland: Der europäische Fußball erlebt seinen bislang größten Wettskandal

200 manipulierte Spiele in Europa, darunter 32 in Deutschland: Der europäische Fußball erlebt seinen bislang größten Wettskandal

Die Dimension ist enorm. 200 Tatverdächtige gibt es, 17 Festnahmen und mindestens 200 Spiele, die 2009 möglicherweise manipuliert worden sind. Und für die Ermittler ist das erst der Anfang.

Welche Spiele sind betroffen?

Europaweit sollen es mindestens 200 Spiele sein. In Deutschland sind offenbar 32 Begegnungen betroffen, darunter vier Spiele der Zweiten Liga. Konkrete Spielpaarungen, betreffende Vereine oder Spielernamen gaben die Ermittler nicht bekannt. Laut Medienberichten soll aber der VfL Osnabrück involviert sein. Außerdem seien drei Spiele in der Champions League und zwölf Paarungen in der Europa League, dem ehemaligen Uefa-Pokal, betroffen. Die Ermittler sehen darin aber bisher nur "die Spitze des Eisbergs".

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Wie funktionierte die Manipulation?

Ohne auf Details einzugehen, lassen die Ermittler durchblicken, dass die Betrügereien stets ähnlich abgelaufen sind. Über Mittelsmänner haben die Wettprofis Kontakt zu einzelnen Fußballspielern, Funktionären und Schiedsrichtern aufgenommen und "gegen unterschiedlich hohe Entgelte" den Versuch der Spielmanipulation unternommen. Die Wettprofis haben unterdessen bei europäischen und asiatischen Anbietern hohe Summen auf die durch sie beeinflussten Spiele gesetzt. Vom Ruhrgebiet aus agierten die Drahtzieher demnach in halb Europa.

Hat das Frühwarnsystem versagt? 

Abschließend beurteilen kann man das noch nicht. Aber klar scheint, dass das System der Staatsanwaltschaft nicht direkt geholfen hat. Vielmehr kam der Hinweis auf diesen neuen Fall eher durch Zufall. Und das ist nicht untypisch: Wettbetrug ist eine Randspielart der organisierten Kriminalität. So sind auch die Ermittler nur deshalb auf den Wettskandal gestoßen, weil sie Telefonate von Personen abgehört haben, gegen die in anderem Zusammenhang ermittelt worden war. Der Schluss liegt also nahe, dass eben nicht das Warnsystem den entscheidenden Hinweis geliefert hat

Unter Verdacht: Der VfL Osnabrück ist fassungslos. Tobias Romberg berichtet

Unter Verdacht: Der VfL Osnabrück ist fassungslos. Tobias Romberg berichtet

Nach dem Wettskandal um den Bundesligaschiedsrichter Robert Hoyzer im Jahr 2005 hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Beobachtung des Wettgeschehens verschärft. "Seit 2005 betreiben DFB und Liga in enger Abstimmung das System zur bestmöglichen Überwachung des Wettmarktes, um Unregelmäßigkeiten frühzeitig zu erkennen. Bis zum heutigen Tag haben wir dennoch keine Warnmeldung erhalten", sagt Liga-Präsident Reinhard Rauball.

Sowohl für den DFB als auch seit 1. Juni 2009 für die Uefa übernimmt diese Beobachtung des Wettgeschehens die Firma Sportradar. Das Unternehmen überwacht Quotenbewegungen. 

Für jedes Spiel, auf das man wetten kann, schlagen Buchmacher Quoten vor. Verändert sich die Quote eines Spiels, wird beobachtet, woran das liegen könnte. Fällt also möglicherweise ein Leistungsträger einer Mannschaft aus, was die Gewinnchancen mindert, ändert sich die Quote. Sportradar verfügt dabei über ein weltweites Netzwerk an Experten und eine umfassende Technik. Finden die Experten keinen rationalen Grund für eine Quotenveränderung, melden sie das ihren Kunden, sprich DFB und Uefa.

Leser-Kommentare
    • joG
    • 21.11.2009 um 9:26 Uhr

    ....an Filme aus dem USA der 40er bis 60er Jahren dlJh, die die Situation der damaligen Zeit beschreiben. Ähnlich wie hier war dort die Korruption dort damals in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens präsent und bis in die Höhen der Politik Tatsache. Es bedurfte damals einer massiven nationalen Anstrengung auf breiter Front, die die Empfindlichkeiten gegenüber Korruption langfristig grundlegend änderte. Anders als hier: Man erwartet dort nun, dass Betrug und Korruption unbesehen der Position des Verbrechers bestraft werden.

  1. Brot und Spiele.

    Neben "divide und impera" und "TINA" die wesentlichen Techniken der Medien, eine Politik des "weiter so" zu ermöglichen.

    Ein Albtraum.

  2. Ja, warum sollte der Sport da eine Ausnahme machen. Alle tun so überrascht. Wo viel Geld verdient wird, ist der Betrug nicht weit.
    Beispiel: auf dem Umweltsektor, wird das FCKW-Halo-Verbot ständig auf dem Schwarzmarkt in China umgangen. Hier werden im Jahr zig Milliarden umgesetzt und verdient.
    Nicht umsonst haben wir die große Finanzkrise. Unehrlichkeit
    scheint in einigen Gesellschaftsbereichen zum guten Ton zu gehören.

    • Nimzo
    • 21.11.2009 um 10:55 Uhr

    ...bestellten 115 Parlamentarier von Januar bis Oktober 2009 insgesamt 396 edle Füller, Stifte und Kugelschreiber der Marke Montblanc. Durchschnittlicher Preis pro Luxus-Stift: knapp 174 Euro. Insgesamt erstattete die Verwaltung des Berliner Parlaments den gewählten Mitgliedern Kosten in Höhe von 68.800 Euro für die teuren Schreibutensilien.

    Pro Abgeordnetem macht das fast 600 Euro. Das heißt: Die Politiker, deren Namen und Parteizugehörigkeit die Bundestagsverwaltung verschweigt, kauften sich gleich mehrere Edelstifte auf Kosten der Steuerzahler...

    (Quelle Welt)

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    • joG
    • 21.11.2009 um 11:36 Uhr

    ...keine "Bereicherung", obwohl man eine gewisse "Vorteilnahme" herauslesen könnte. Muss der Wert eigentlich versteuert werden?

    • joG
    • 21.11.2009 um 11:36 Uhr

    ...keine "Bereicherung", obwohl man eine gewisse "Vorteilnahme" herauslesen könnte. Muss der Wert eigentlich versteuert werden?

    • joG
    • 21.11.2009 um 11:36 Uhr

    ...keine "Bereicherung", obwohl man eine gewisse "Vorteilnahme" herauslesen könnte. Muss der Wert eigentlich versteuert werden?

  3. In solch einem Fall sollten sich m. E. nach die Fußballfans zu einer Sammelklage zusammenschließen und ihre Eintrittsgelder zurückfordern.
    Überdies evtl. sogar Schadenersatz verlangen; oder ist die entgangene Zeit in der man betrogen wurde nichts wert ?

  4. Ganz lapidar, nachdem man den Bankenskandal so einigermaßen überlebt hat:
    Wundert das noch irgend jemanden, und wenn ja, wüßte ich gerne warum?
    LG
    Thebiker

  5. Wenn man die heren, angekündigten und geplanten Maßnahmen unserer Staats- und Verbandsinstitutionen, egal ob Wirtschaftkriminalität, Heuschreckenschäden,Bankendesaster, Doping oder Sportwetten mit den Realitäten abgleicht, z.B. die heutige wachsweiche Stellungnahme unseres nationalen Fußballchefs Zwanziger,kommt man zwangsläufig zu folgendem Schluß:

    "Gier und ihre Erwerbspotentiale" gehört als Pflichtschulfach in die Schulen. Anschließend ein Studiengang "Gierwirtschaft". Das sind die Qualifikationen
    der Zukunft.

    PS: Die Menschen sind böse. Was geschieht, wenn das Böse nicht gebändigt wird,kann man mannigfach in den Geschichtsbüchern nachlesen.

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