Wettskandal Doppeltes Spiel in Europas LigenSeite 2/2

Wie sind Sportwetten in Deutschland organisiert?

Seit dem Fall Hoyzer wird über Sportwetten debattiert. Immer wieder gibt es Forderungen, einen Straftatbestand Wettbetrug ins Gesetz aufzunehmen. Den gibt es in dieser Form aber noch nicht, weshalb meist wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs ermittelt wird.

Eine Art Wettmonopol hat der staatliche Anbieter Oddset inne. In anderen europäischen Ländern ist der Markt liberalisierter. Viele Wetten werden online abgegeben, deren Anbieter sitzen aber meist im Ausland. Denn per Internet dürfen von deutschem Boden seit dem 1. Januar 2009 keine öffentlichen Glücksspiele mehr veranstaltet oder vermittelt werden. Private Wettbüros gibt es in Deutschland auch, allerdings längst nicht mehr so viele wie noch vor einigen Jahren.

Das staatliche Wettmonopol hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls verändert. Grund ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom März 2006. Danach war das staatliche Glücksspielmonopol in seiner bestehenden Form rechtswidrig. Die Karlsruher Richter verknüpften einen Erhalt mit strengen Auflagen. Die staatlichen Anbieter müssten die Menschen künftig umfassender und effektiver als bisher vor den Gefahren der Spielsucht schützen. Außerdem untersagten die Richter eine Erweiterung des staatlichen Angebots. Sowohl bei privaten Wettbüros in Deutschland als auch bei staatlichen gilt zudem als Sicherung meist ein Gewinnlimit zwischen 10.000 und 50.000 Euro je Wette.

Wie laufen die Fußballwetten ab?

Als besonders manipulationsanfällig gelten Wetten auf konkrete Ereignisse, also Einwürfe in einer speziellen Minute oder Ecken und Freistöße zu bestimmten Zeitpunkten. Allerdings sehen Experten darin nicht die große Gefahr. Kaum ein Buchmacher nimmt auf solche Wetten große Summen an. Bei den bisherigen Wettbetrugsfällen haben die Akteure auf ein konkretes Endergebnis, eine Tendenz des Spiels – Sieg, Niederlage, Unentschieden – oder auf den Torevorsprung einer Mannschaft getippt.

Es gibt Schätzungen, die von einem jährlichen deutschlandweiten Wett-Umsatz von rund acht Milliarden Euro ausgehen. Allerdings führt nicht jede Manipulation zum Erfolg. Die Erfolgsquote bei den manipulierten Wetten liege bei etwa 50 Prozent, sagte die Bochumer Staatsanwaltschaft. 

Die Türkei soll besonders betroffen sein. Wie reagiert der türkische Sport?

"Schwarze Wolken" seien über dem türkischen Fußball aufgezogen, kommentierte das Sportblatt Fanatik. "Ein furchtbarer Verdacht", hieß es beim TV-Sender CNN-Türk. Der Skandal erschüttere das ganze Land, berichtete der Sender Haber7. 29 türkische Spiele sollen von dem Wettskandal betroffen sein – auch Partien in der "Süper Lig", der höchsten Spielklasse.

Der türkische Fußballverband war ähnlich wie der DFB offenbar nicht in die Ermittlungen einbezogen worden. Funktionäre ließen sich mit der Auskunft zitieren, weder der Verband selbst noch die türkische Wettgesellschaft Iddaa sei über die Verdachtsfälle informiert worden. In unbestätigten Berichten hieß es, einige hoch bezahlte Stars und türkische Nationalspieler könnten in den Fall verwickelt sein. Namen wurden nicht genannt.

Es wäre nicht der erste Manipulationsfall in der Türkei. Im Jahr 2002 war bekannt geworden, dass Schiedsrichter von Wettbetrügern auch mit Besuchen von Prostituierten bezahlt worden waren. Der mutmaßliche Drahtzieher der Betrügereien verteidigte sich mit dem Hinweis, solche Zockereien gehörten in der Türkei zum Alltag: "Wenn das, was ich getan habe, illegal ist, dann müssten alle türkischen Fußball-Ligen dichtmachen."

Erschienen im Tagesspiegel.

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 21.11.2009 um 9:26 Uhr

    ....an Filme aus dem USA der 40er bis 60er Jahren dlJh, die die Situation der damaligen Zeit beschreiben. Ähnlich wie hier war dort die Korruption dort damals in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens präsent und bis in die Höhen der Politik Tatsache. Es bedurfte damals einer massiven nationalen Anstrengung auf breiter Front, die die Empfindlichkeiten gegenüber Korruption langfristig grundlegend änderte. Anders als hier: Man erwartet dort nun, dass Betrug und Korruption unbesehen der Position des Verbrechers bestraft werden.

  1. Brot und Spiele.

    Neben "divide und impera" und "TINA" die wesentlichen Techniken der Medien, eine Politik des "weiter so" zu ermöglichen.

    Ein Albtraum.

  2. Ja, warum sollte der Sport da eine Ausnahme machen. Alle tun so überrascht. Wo viel Geld verdient wird, ist der Betrug nicht weit.
    Beispiel: auf dem Umweltsektor, wird das FCKW-Halo-Verbot ständig auf dem Schwarzmarkt in China umgangen. Hier werden im Jahr zig Milliarden umgesetzt und verdient.
    Nicht umsonst haben wir die große Finanzkrise. Unehrlichkeit
    scheint in einigen Gesellschaftsbereichen zum guten Ton zu gehören.

    • Nimzo
    • 21.11.2009 um 10:55 Uhr

    ...bestellten 115 Parlamentarier von Januar bis Oktober 2009 insgesamt 396 edle Füller, Stifte und Kugelschreiber der Marke Montblanc. Durchschnittlicher Preis pro Luxus-Stift: knapp 174 Euro. Insgesamt erstattete die Verwaltung des Berliner Parlaments den gewählten Mitgliedern Kosten in Höhe von 68.800 Euro für die teuren Schreibutensilien.

    Pro Abgeordnetem macht das fast 600 Euro. Das heißt: Die Politiker, deren Namen und Parteizugehörigkeit die Bundestagsverwaltung verschweigt, kauften sich gleich mehrere Edelstifte auf Kosten der Steuerzahler...

    (Quelle Welt)

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    • joG
    • 21.11.2009 um 11:36 Uhr

    ...keine "Bereicherung", obwohl man eine gewisse "Vorteilnahme" herauslesen könnte. Muss der Wert eigentlich versteuert werden?

    • joG
    • 21.11.2009 um 11:36 Uhr

    ...keine "Bereicherung", obwohl man eine gewisse "Vorteilnahme" herauslesen könnte. Muss der Wert eigentlich versteuert werden?

    • joG
    • 21.11.2009 um 11:36 Uhr

    ...keine "Bereicherung", obwohl man eine gewisse "Vorteilnahme" herauslesen könnte. Muss der Wert eigentlich versteuert werden?

  3. In solch einem Fall sollten sich m. E. nach die Fußballfans zu einer Sammelklage zusammenschließen und ihre Eintrittsgelder zurückfordern.
    Überdies evtl. sogar Schadenersatz verlangen; oder ist die entgangene Zeit in der man betrogen wurde nichts wert ?

  4. Ganz lapidar, nachdem man den Bankenskandal so einigermaßen überlebt hat:
    Wundert das noch irgend jemanden, und wenn ja, wüßte ich gerne warum?
    LG
    Thebiker

  5. Wenn man die heren, angekündigten und geplanten Maßnahmen unserer Staats- und Verbandsinstitutionen, egal ob Wirtschaftkriminalität, Heuschreckenschäden,Bankendesaster, Doping oder Sportwetten mit den Realitäten abgleicht, z.B. die heutige wachsweiche Stellungnahme unseres nationalen Fußballchefs Zwanziger,kommt man zwangsläufig zu folgendem Schluß:

    "Gier und ihre Erwerbspotentiale" gehört als Pflichtschulfach in die Schulen. Anschließend ein Studiengang "Gierwirtschaft". Das sind die Qualifikationen
    der Zukunft.

    PS: Die Menschen sind böse. Was geschieht, wenn das Böse nicht gebändigt wird,kann man mannigfach in den Geschichtsbüchern nachlesen.

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