WM-Qualifikation Irland hat sein Wembley

Frankreich qualifiziert sich durch ein 1:1 gegen Irland für die Weltmeisterschaft. Verdient hat es die Equipe Tricolore nicht. Ein Kommentar von Ulrich Dehne

Niedergeschlagene Fans: Irland hat sich nicht für die Weltmeisterschaft 2010 qualifiziert

Niedergeschlagene Fans: Irland hat sich nicht für die Weltmeisterschaft 2010 qualifiziert

20.000 irische Fans im Stade de France steht das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Irlands Torwart Shay Given stürmt mit offenem Mund auf den schwedischen Schiedsrichter zu. Giovanni Trapattoni, Trainer der Insulaner, gestikuliert in der ihm typischen Art verzweifelt am Spielfeldrand. Sie alle sind Zeuge einer Ungerechtigkeit geworden, die ihr Team um den verdienten Lohn gebracht hat: die Aussicht, sich durch ein Elfmeterschießen für die Weltmeisterschaft qualifizieren zu dürfen. Die Aussicht, dass sich das bessere Team durchsetzt. Die Aussicht auf Gerechtigkeit nach über 190 Minuten Einsatz und Leidenschaft.

Das Fußballdrama ereignete sich in der 103. Minute im Rückspiel der WM-Qualifikation zwischen Frankreich und Irland. Die "boys in green" führen in der Verlängerung nach einem kampfstarken und dominanten Auftritt in Paris mit 0:1 und sind drauf und dran, das Hinspielergebnis (0:1 für Frankreich in Paris) zu egalisieren. Stürmer Thierry Henry wird im Strafraum auf Brusthöhe angespielt. Zweimal berührt der Kapitän den Ball mit der Hand, führt ihn auf seinen Fuß. Der Schiedsrichter sieht diese Regelwidrigkeit nicht. So verschafft sich Henry den Vorteil der das Ergebnis des Spiels ad absurdum führt. Denn nun kann er den Ball kontrolliert in die Mitte passen, wo William Gallas unbedrängt das Tor und den Ausgleich erzielen kann. 1:1 - das Ergebnis, das Frankreich den Weg zur WM 2010 in Südafrika ebnet.

Anzeige

Gerecht ist das nicht. Irland war in beiden Partien die bessere Mannschaft, hätte die WM-Teilnahme eher verdient gehabt. Schon im Hinspiel in Dublin, überzeugte das Team von Trapattoni eher als der Favorit Frankreich. In puncto Leidenschaft, Taktik und Zielstrebigkeit waren die Iren ihrem Gegner überlegen. Doch ein Sonntagsschuss von Nicolas Anelka reichte aus, um die irischen Qualitäten zu übertrumpfen.
Durch die Niederlage ließ sich Irland im Rückspiel nicht beirren. Irland kämpfte, Irland spielte, Irland traf. Das ausgleichende 0:1 in der 32. Minute durch Robbie Keane war der gerechte Lohn für großartigen Einsatz und Moral. Auch danach hatten die Gäste die besseren Chancen.

Frankreich spielte blutleer, ohne erkennbares System, scheinbar auch ohne unbedingten Willen. Erst in der Nachspielzeit legte die Mannschaft des umstrittenen Trainers Domenech einen Gang zu, kam zu ersten ernsthaften Torgelegenheiten. Doch erst Henrys schlitzohrige Ballführung ermöglichte ein positives, französisches Endergebnis. Ein unverdienter und im Übrigen für alle Seiten unbefriedigender Ausgang.

Da ist Irland mit Trainer Trapattoni. Der Italiener hat der Mannschaft Ordnung und Disziplin eingeimpft. Hierfür wird er von den irischen Fans respektiert, nicht unbedingt geliebt. Doch die Anhänger erkennen an, dass seine Spielweise das Team auf ein hohes fußballerisches Niveau gehoben hat. Der Weltmeisterschaft wird diese seltsame, aber anspruchsvolle Mischung aus Insel- und Systemfußball fehlen. Das Spiel der Iren lebt nicht von den individuellen, technischen Stärken, sondern viel eher durch das Ineinandergreifen der einzelnen Bestandteile. Dynamische Spieler wie Damien Duff, Kevin Kilbane und Robbie Keane bilden eine Einheit.

Leser-Kommentare
  1. Die absolut unverdiente WM-Qualifikation Frankreichs ist nicht nur unglücklich für Irland, sie ist auch ein Unglück für Frankreich selbst. So muss es nämlich weiter den äußerst unbeliebten weil völlig konzeptlos agierenden Trainer Domenech ertragen. Mit diesen Weltklasse-Spielern im Kader und den tollen Fans, die trotz der armseligen Auftritte immer noch hinter der Mannschaft stehen, hätte Frankreich etwas besseres verdient.

  2. Der Kommentar geht inhaltlich voll am eigentlichen Thema vorbei. Hier kommentiert ein idealistischer Fußballfan. Es ist doch egal, wer "besser" gespielt hat.

    Jeder charakterlich gefestigte Mensch (es soll ja auch Fußballer mit Charakter geben) der den Fairplay-Anspruch wirklich ernst nimmt, wäre zu dem Schiedsrichter hingegangen und hätte sich selbst des Handspiels "bezichtigtt" bzw. einfach zugegeben, dass er den Ball mit der Hand geführt hat.

    Henry hat das nicht gemacht sondern die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters nicht korrigiert. Erst als das Spiel zu Ende war hat er im vollen Bewußtsein der Folgenloßigkeit den Regelverstoß zugegeben.

    Henry ist ein charakterloser Betrüger, der den Fairplay-Gedanken nicht würdig vertritt.

    Zu seiner Ehrenrettung könnte bestenfalls angeführt werden, dass es wahrscheinlich 99,9 % aller Profisportler genau so gemacht hätten.

    Die französische Förderation wird sich entschuldigen. Vielleicht. Ein Wiederholungsspiel werden sie sicher nicht anbieten. Warum soll man die Quali aufs Spiel setzen. Ob mit betrügerischen Methoden erreicht oder nicht.
    So viel Charakter gibt es im Profisport leider nicht.

  3. Im Zeitalter der überwachung und Beweisbarkeit ist das schwer zu ertragen, aber der Schiedrichter hat nun mal das letzte Wort. Wenn er sich irrt, dann hat mal leider Pech gehabt.

    Ich finde das völlig OK und bin auch kein Befürworter von technischen Mätzchen, um das Spiel überschaubarer zu machen. Für mich ist die Verantwortung und Autorität des Schiedsrichters teil des Spiels und vor allem, und das finde ich viel wichtiger, sollten auch Regionalligisten und Kinder auf dem Bolzplatz das Gefühl haben richtigen Fußball zu spielen. Das Spiel, für das man einen Ball und zwei Tore braucht, nicht das mit den Sensoren und der Hochgeschwindigkeitskamera.

    Sportliche Grüße,

    Sphinxfutter

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Fehlentscheidungen hin oder her. Es ist ungerecht und schade, ein Spiel so zu entscheiden!
    Wenn man sich anschaut, wie es Usus geworden ist, brutalst zu faulen und mit erhobener Hand aufzustehen, nach dem Motto, ich war's nicht, ich habe nichts gemacht oder im Strafraum über die eigenen Füsse zu fallen und dann jammernd 3 Minuten liegen zu bleiben, um dann, vollkommen unverletzt, selbst den Elfmeter zu verwandeln, dann sind Torkameras und Zeitlupen zumindest für den vierten Unparteiischen längst überfällig, wie es zum Beispiel im Eishockey schon ewig der Fall ist.
    Es gibt tatsächlich auch Sportarten, da gibt es selbst auf Weltniveau keinen Scheidsrichter und Fouls oder Fehler werden vom Spieler selbst angezeigt, aber bei der Fussballermentalität braucht man sich da keine Illusionen zu machen.

    Fehlentscheidungen hin oder her. Es ist ungerecht und schade, ein Spiel so zu entscheiden!
    Wenn man sich anschaut, wie es Usus geworden ist, brutalst zu faulen und mit erhobener Hand aufzustehen, nach dem Motto, ich war's nicht, ich habe nichts gemacht oder im Strafraum über die eigenen Füsse zu fallen und dann jammernd 3 Minuten liegen zu bleiben, um dann, vollkommen unverletzt, selbst den Elfmeter zu verwandeln, dann sind Torkameras und Zeitlupen zumindest für den vierten Unparteiischen längst überfällig, wie es zum Beispiel im Eishockey schon ewig der Fall ist.
    Es gibt tatsächlich auch Sportarten, da gibt es selbst auf Weltniveau keinen Scheidsrichter und Fouls oder Fehler werden vom Spieler selbst angezeigt, aber bei der Fussballermentalität braucht man sich da keine Illusionen zu machen.

  4. Die FIFA sollte das Spiel annullieren und es neu ausspielen lassen. Schon aus niederen Gründen wurde das mehrmals gemacht. Wenn die Iren nicht noch einmal die Chance bekommen, das Spiel gegen die Franzosen auf faire Weise austragen zu können, wird das traumatische Folgen haben, für beide Länder und für die FIFA. Zudem hat Irland eindeutig besser gespielt, im Hin- und im Rückspiel. Die FIFA muss nun den von ihr so oft gebrüllten Dogmen des Fairplay folgen!

  5. Dieser Vorfall zeigt außerdem wieder einmal die Rückständigkeit der FIFA beim Thema Regelverstoß. Bei allen anderen Sportarten wäre nämlich ein solches Debakel undenkbar. Selbst beim Rugby, dem lange Zeit als reinen Amateursport betriebenen Bruder des Fußballsports gibt es mittlerweile die neueste Technik während Vereins- und Länderspielen. Bei der letzten WM in Frankreich (!) konnten die Schiedsrichter auf Sensoren, Funksprechanlagen und Videoaufnahmen zurück greifen um faire und eindeutige Entscheidungen zu treffen. Regelverstöße werden vollständig und streng geahndet, verbotene Handspiele gibt es zwar im Rugby nicht, aber jegliches auch nur kleine Foul ist eine gelbe Karte und sieht der Schiedsrichter mal etwas nicht, dann seine Linienrichter oder sein Kollege am Bildschirm. Wieso die FIFA nicht endlich ins 21. Jahrhundert eintritt, ist mir unverständlich. Vor allem bei solchen wichtigen Spielen.

  6. Dieses Spiel (auf das die Franzosen wahrlich nicht stolz sind...) haette mit einem begrenzten Einsatz von Video-Entscheidungen zu einem fairen Ausgang gefuehrt. Im Rugby sind "online" Video-Entscheidungen nur bei sehr wichtigen Situationen zugelassen, "offline" koennen Fouls aber auch nachtraeglich geahndet werden.
    Dass im Weltfussball diese einfachen Massnahmen nicht eingefuehrt werden, hat vor allem zur Folge, dass wichtige Spiele im Sinne von uebergeordneten Interessen manipuliert werden koennen. Derlei Faelle sind in der deutschen, italienischen und serbischen Liga bereits ans Licht getreten, und sind bei hochdotierten Spielen nur wahrscheinlicher.
    Es gibt also definitiv einen Nutzen falscher Entscheidungen, nur ist dieser nicht sportlich.

    PS: Der Vorname von Herrn Anelka ist Nicolas (und nicht Fabian...)

  7. nämllich ungeschriebene. Wenn der Schiri einen unberechtigten Elfer gegeben hat, dann hat man den Ball dem Torwart zugeschoben und den Elfer nicht verwandelt.

    Allerdings war das im untersten Amateurbereich (A-Klasse) und kein bezahlter Fußball.

    Ein Spieler in der Bundesliga, der einen unberechtigten Elfer nicht verwandelte, sondern dem Torwart zuschieben würde, wäre bei seinem Verein erledigt. Es wäre vereinsschädigendes Verhalten, weil es um´s Geld geht. Und da hört so ziemlich alles auf, auch das fair play.

  8. es ist unglaublich, dass in den nationalen topligen europas und eben auch bei topspielen der nationalmannschaften kein videobeweis eingeführt wird, dann gäbe es diese fehlentscheidungen nicht

    es geht um zig ja hunderte millionen euro und dann gibt es so was, der spieler, der das macht und hinterher seinen fehler (in der hitze des gefechts kann so was schon mal passieren) nicht zugibt, sollte für mehrere spiele und für die weltmeisterschaft gesperrt werden, bei einer durch einen strafentscheid bewertete niederlage frankreichs durch diese grobe unsportlichkeit wäre diese total überbewertete mannschaft sowieso weg von der wm in südafrika

    in anderen sportarten geht das auch mit dem videobeweis ganz problemlos, dann würde das foulspiel weniger, die spuckattacken würden aufhören und im strafraum würde sich auch keiner einfach so fallen lassen, weil das ganze ja auffallen und konsequezen haben würde

    ganz egal wie die fifa entscheidet, henry ist bei den menschen als fußballer unten durch, dieses handspiel wird er noch bereuen, so oder so - thierry henry ist ein synonym für den unsportlichen, betrügenden profisportler, und auch der französischen nationalmannschaft wird das schaden

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service