Babbels Rauswurf beim VfB Der Fan, die unterschätzte Macht

Die finanzielle Bedeutung der Fans hat abgenommen. Mächtig ist die Kurve aber nach wie vor: Das zeigt die Entlassung von Markus Babbel beim VfB.

Aufgebrachte Stuttgarter Fans müssen von der Polizei in Schach gehalten werden.

Aufgebrachte Stuttgarter Fans müssen von der Polizei in Schach gehalten werden.

Unlängst hat uns der ehemalige Bayern-Manager Uli Hoeneß erklärt, dass die Bedeutung der Fans im Stadion für seinen Klub abgenommen hat. 1979, so berichtet er, hätten die Zuschauer noch 85 Prozent der Einnahmen ausgemacht, im vergangenen Jahr seien es nur noch 18 Prozent gewesen. Marketing, Fernsehrechte, Sponsoreneinnahmen, Vip-Logen, das alles bringt den Vereinen inzwischen mehr als der gemeine Karten kaufende Fan. Wofür dieser in der modernen Fußballwelt zuständig ist, hat ebenfalls Uli Hoeneß erklärt, als er vor zwei Jahren auf der Jahreshauptversammlung kritische Fans beschimpfte: "Für die Scheißstimmung seid ihr doch verantwortlich." Diese Verantwortung freilich sollte man nicht unterschätzen.

Am Samstagabend haben die Fans des VfB Stuttgart beim trostlosen 1:1 gegen Bochum richtige Scheißstimmung erzeugt. 3000 Fans demonstrierten vor dem Klubhaus, es kam zu unschönen Szenen, gewalttätige Ausschreitungen, Morddrohungen. Die Fans haben damit die Mannschaft entnervt und Teamchef Markus Babbel vier Wochen nach dem Tod von Robert Enke empört. Doch so unentschuldbar einige Entgleisungen sind, der heftige Protest hat das Meinungsbild im Präsidium des VfB Stuttgart gekippt. Dieses hat im Anschluss an den Aufstand der Fans Teamchef Markus Babbel entlassen, obwohl es vor einer Woche noch eine Jobgarantie ausgesprochen hatte. Was beweist, dass die Fußballfans vielleicht nicht mehr wichtig für die Klubkasse sind und dass das Niveau mancher bescheiden ist. Mächtig aber sind sie nach wie vor.

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(Erschienen im Tagesspiegel vom 07. Dezember)
 

 
Leser-Kommentare
  1. Uli Hoeneß´ Aussage über die sinkende Bedeutung der Stadioneinnahmen für die Clubs ist wirtschaftspolitisch betrachtet richtig, einen sinkenden "Machtfaktor" der Fangemeinden daraus abzuleiten wäre jedoch gefährlich. Der Fußballkonsument der Gegenwart unterstützt seinen Verein heutzutage eher indirekt. Die Massenware Bundesliga lässt für viele keinen Stadionbesuch mehr zu, da der Run auf die Tickets enorm zugenommen hat. Die Fans konsumieren den Sport jetzt mit Pay-TV-Abo´s, Trikotkauf, Besuchen auf dem Trainingsglände u.ä. Aus all diesem fließt Geld in die Vereine.
    Warum eine "Verproletarisierung" der Fans (siehe Beispiel Stuttgart) aber hiermit im Zusammenhang steht, ist vielen nicht bewußt - die Spieler sind zu abstrakt-medialen Figuren im virtuellen Play-Station Format geschrumpft. Die abstraktere Form der Identifikation mit Spielern und Verein lässt offenbar Hemmschwellen sinken - bis hin zu Busattaken und körperlichen Ausrastern. Der Fußball wandelt sich - die Fans auch!

  2. 2. Fan

    Nur schade, daß sich die Vereine immer öfter dem Mob der Straße bzw. der Kurve beugen. Das Beispiel Hertha zeigt doch, daß es am Trainer alleine auch nicht liegt.

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