Fußball Babbel geht, Gross kommt

Der VfB Stuttgart greift durch: Trainer Markus Babbel muss den Verein verlassen. Sein Amt übernimmt der Schweizer Christian Gross

Es sieht schlecht aus für den ehemaligen Fußball-Nationalspieler Markus Babbel

Es sieht schlecht aus für den ehemaligen Fußball-Nationalspieler Markus Babbel

Schon wieder ein Trainer-Wechsel: Der VfB Stuttgart hat am Sonntag die Konsequenz aus dem bitteren 1:1 (0:0) gegen den VfL Bochum und der wochenlangen Talfahrt in der Fußball-Bundesliga gezogen und seinen Trainer gewechselt. "Ich freue mich, hier zu sein und will mit der Mannschaft auf die Siegerstraße zurück", sagte Gross bei seiner Vorstellung. Der Schweizer leitete noch am Abend sein erstes Training. Denn bereits am Mittwoch steht für den VfB das wichtige Champions-League-Spiel gegen Unirea Urziceni an. Mit Blick darauf und nach den verheerenden Eindrücken rund um das Bochum-Spiel sah sich der Vorstand zum Handeln gezwungen. Die Fans hatten nach dem Abpfiff randaliert. Und die Mannschaft ist mittlerweile seit acht Ligaspielen ohne Sieg.

"Der Samstag hat uns den Rest gegeben", begründete Manager Horst Heldt den Wechsel. "Wir haben schon wieder mit ansehen müssen, dass die Mannschaft ihr Potenzial nicht abruft." Der 55 Jahre alte Gross soll das nun ändern. "Ich kenne die meisten Spieler sehr gut", sagte er. "Meine Hauptaufgabe bis Weihnachten wird sein, alles aus ihnen herauszuholen und die Fans happy zu machen. Ich bin überzeugt, dass wir aus dieser schlechten Situation herauskommen." Der ehemalige Profi des VfL Bochum hatte bis Juni beim FC Basel gearbeitet.

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Vorgänger Babbel zeigte Verständnis für seine Freistellung. "Ich weiß, dass ein Schlussstrich gezogen wird, wenn die Ergebnisse ausbleiben", sagte er. "Es geht jetzt nicht um Einzelschicksale, sondern nur um den VfB." Der 37-Jährige hatte die Schwaben am 23. November 2008 als Nachfolger von Armin Veh übernommen. In der vergangenen Saison führte er sie noch von Rang elf in die Champions League. In den letzten Monaten konnte er den Absturz auf den 16. Platz jedoch nicht stoppen. Neben Babbel trennte sich der Verein auch von seinen beiden Co-Trainern Rainer Widmayer und Alexander Zorniger. Die Krise des VfB erreichte somit am Wochenende eine neue Dimension.

Nach dem Bochum-Spiel hatten rund 3000 Fans den Stadioneingang belagert. Nach Angaben der Polizei versuchten sogar mehrere hundert, das Vereinsheim zu stürmen. Sie schrien "Scheiß Millionäre" und "Wir haben die Schnauze voll", einige zündeten Knallkörper. Insgesamt wurden zwei Beamte verletzt und drei Fans festgenommen, die Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Bereits vor dem Anpfiff hatten etwa 100 Anhänger versucht, den Mannschaftsbus an der Einfahrt ins Stadion zu hindern. Auch hier musste die Polizei eingreifen. Während der 90 Minuten wurden die Spieler immer wieder ausgepfiffen.

Das Spiel gegen Bochum machte das Dilemma der Stuttgarter deutlich. Die Zusammenarbeit zwischen Babbel und seiner Mannschaft war am Ende zu verfahren. Der Teamchef zeigte sich in den vergangenen Wochen stets entschlossen und selbstbewusst. Er hat davon nur kaum etwas auf seine Spieler übertragen können. Abgesehen vom Beginn der
zweiten Halbzeit, als Serdar Tasci das 1:0 erzielte (63.), bot der VfB in dieser so wichtigen Partie eine mut- und leidenschaftslose Vorstellung. Ein Auflehnen gegen die Krise war nicht zu sehen. Babbels Maßnahmen, Thomas Hitzlsperger als Kapitän abzusetzen und das Training zu verschärfen, blieben wirkungslos.

Der Teamchef hatte sich selbst am Samstag noch vor sein Team gestellt. Die Stimmung im Stadion habe zur Verunsicherung beigetragen, meinte er. Gleichzeitig fiel aber erneut auf, dass einige VfB-Profis ihr eigenes Interesse häufig über das des Vereins stellen. Tasci erklärte nach dem Spiel, verärgert darüber zu sein, dass nicht er, sondern Matthieu Delpierre zum neuen Kapitän ernannt wurde. Roberto Hilbert hatte nach einer Auswechselung schon einmal seine Schienbeinschoner vor die Trainerbank gepfeffert.

Babbel schritt dagegen nie ein. Dass er außerdem keine Stammelf fand und ständig das taktische System wechselte, schwächte seine Autorität zusätzlich. Am Samstag kam der VfL Bochum nach einer Roten Karte für Diego Klimowicz (81.) selbst in Unterzahl zum 1:1 durch Christian Fuchs (89.). Dazu verletzten sich beim VfB auch noch Zdravko Kuzmanovic und Hitzlsperger (Verdacht auf Muskelfaserriss). Die Aussichten sind nicht gut. "Aber ich freue mich trotzdem auf das Spiel gegen Urziceni", sagte Gross. Babbel ist er nach Lucien Favre (Hertha), Dieter Hecking (Hannover) und Marcel Koller (Bochum) bereits der vierte Trainer, der seit dem ersten Spieltag seinen Stuhl räumen musste.
 

 
Anders als in Stuttgart hält sich beim Hamburger SV der Unmut der Fans noch in Grenzen. Dabei ist ihr Team in der Meisterschaft ähnlich lange sieglos wie der VfB. Noch zehren die Hamburger vom starken Saisonstart. Das lange Warten auf den ersten Bundesliga-Erfolg seit zwei Monaten ging auch beim 0:0 gegen Hoffenheim nicht zu Ende. "Hoffentlich wird diese Serie kein Trauma", klagte Nationalspieler Piotr Trochowski nach der siebten sieglosen Partie.

Ein großer Gewinner des Wochenendes war der FC Bayern. Bereits acht Punkte lag der Rekordmeister nach dem achten Spieltag hinter dem HSV, ist aber mittlerweile in der Tabelle an den Hanseaten vorbeigezogen. Mit dem 2:1 gegen Mönchengladbach verbesserten die Münchner ihre Ausgangsposition. Nur noch vier Zähler beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Leverkusen. Ein Sieg im Champions-League-Duell am Dienstag in Turin, der den Weg in das Achtelfinale ebnen würde, könnte doch noch besinnliche Weihnachten bescheren. "Das ist ein Endspiel", sagte Trainer Louis van Gaal voller Hoffnung auf einen weiteren Befreiungsschlag.

Mehr missmutig als erfreut kommentierten die Leverkusener den besten Saisonstart ihrer Vereinsgeschichte. "Mich interessiert der Rekord nicht", schimpfte Torhüter Rene Adler aus Frust über die dürftige Vorstellung des Tabellenführers beim 0:0 in Hannover. Trotz einer beeindruckenden Serie von 15 Spielen ohne Niederlage fand Trainer Jupp Heynckes in der Kabine deutliche Worte. Angreifer Stefan Kießling brachte Verständnis dafür auf: "So können wir einfach nicht spielen."

Ebenfalls auf Rekordkurs befindet sich Borussia Dortmund. Nach dürftigem Saisonstart setzt das Team von Trainer Jürgen Klopp zum Sturmlauf auf die internationalen Plätze an. Das 4:0 über Nürnberg versetzte die Fans bereits zwei Wochen vor der Feier zum 100. Geburtstag ihres Clubs in Partylaune.

Große Aufregung gab es in Frankfurt und Wolfsburg. Im giftigen Rhein-Main-Derby zwischen der Eintracht und Mainz (2:0) avancierte Maik Franz zum Hauptdarsteller. Wann immer es in der Partie hektisch wurde, war der als Raubein bekannte Abwehrspieler beteiligt. "Seit heute weiß ich, warum die ganze Liga so über ihn redet", kommentierte FSV-Manager Christian Heidel verärgert. FSV-Stürmer Aristide Bancé zeigte Franz nach dem Schlusspfiff den Mittelfinger und muss deshalb mit einem Nachspiel vor dem DFB-Kontrollausschuss rechnen.

In Wolfsburg sorgte Schiedsrichter Guido Winkmann beim 2:2 gegen Freiburg für reichlich Gesprächsstoff. "Das war wieder eine Klasse-Leistung des Referees", kommentierte "Wölfe"-Coach Armin Veh sarkastisch. Mehr noch als über den ersten Gegentreffer durch Mohamadou Idrissou aus Abseitsstellung ärgerte sich der Coach über das Strafstoßtor von Ivica Banovic zum zwischenzeitlichen 1:2. Das angebliche elfmeterreife Foul an Daniel Caligiuri war auch nach dem Studium der TV-Bilder nicht zu erkennen. "Wir werden momentan ziemlich intensiv benachteiligt", klagte Veh.
 

 
Leser-Kommentare
  1. .
    es gibt einen Punkt, an dem der Vorstand (und der eigene Manager) einen Trainer aus der Schusslinie nehem müssen, um ihn selbst nicht zu beschädigen.

    Die Beispiele Ewald Lienen beim 1. FC Köln und Thomas Doll Beim HSV zeigen, was passieren kann, wenn man zu lange zögert.

    Die Trennung ist für beide Seiten konsequent.

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