Gelsenkirchen/Hannover/Stuttgart - Keine fünf Minuten ist der Schlusspfiff vergangen, da hat Gerd Schröter-Kochmann schon abgesperrt. Der Grill ist aus, die letzte Flasche Bier verkauft, die Spieler von Scholven und Schaffrath sind auf dem Weg unter die Dusche. Es ist Sonntagnachmittag, kurz vor 17 Uhr. Dort, wo Kreisligist Hansa Scholven früher ein Vereinsleben hatte, stehen jetzt noch drei Zuschauer unter dem alten Abdach am Rande des Platzes. In Schalke-Schals gewickelt trinken sie den letzten Schluck Bier, ehe es nach Hause geht. Die Bundesliga ruft.

Noch dreißig Minuten bis zum zweiten Sonntagsspiel. Schalke 04 empfängt den Hamburger SV, es ist ein Sonntag Ende Oktober. Das Geschrei aus der Arena hört man bis nach Scholven, das nur eine Autobahn-Abfahrt weiter seine Heimstatt hat. Selbst Leute aus Scholvens Vorstand setzen sich heute lieber in die Arena, als ihren Verein im Derby gegen Schaffrath zu unterstützen. "Ab 16 Uhr stehe ich hier ziemlich alleine da", sagt Schröter-Kochmann, Vorsitzender der Scholvener. "Aber ich kann die Leute ja nicht anschnallen, die machen das ehrenamtlich."

Ende 2008 unterschrieb die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit dem Pay-TV-Sender Sky, der damals noch Premiere hieß, für ihre sechsunddreißig Profivereine einen TV-Vertrag bis 2013. Jährliche Einnahmen: 412 Millionen Euro. Seit September findet nun jeweils schon um 15.30 Uhr ein Sonntagsspiel der Bundesliga statt, zu sehen live im Pay-TV. Damit tritt die Bundesliga erstmals in direkte Konkurrenz zum Amateurfußball, der seine Spiele traditionell am Sonntag um 15 Uhr austrägt.

Auf dem DFB-Bundestag im April haben die Vertreter der Amateurvereine diesen gegen die Regeln verstoßenden Vertrag abgesegnet – im Nachhinein. Gegen den Willen vieler Amateurvereine, die vor dem Bundestag eine Unterschriftenliste übergaben.

Nach der ersten Saisonhälfte ist der kriselnde Sender mit dem neuen Spielplan hochzufrieden. "Die Abonnenten nehmen das Angebot an, das ist richtig gut eingeschlagen", sagt Ralph Fürther von der Sky-Sportkommunikation. Die Nutzungszahlen sollen laut Fürther um sechzig Prozent gestiegen sein. Genauere Erklärungen oder Einschaltquoten will Sky nicht herausgeben. Wert legt Fürther aber darauf, angeblich keine Protest-Mails oder Abbestellungen bekommen zu haben. Und überhaupt finde doch über das gesamte Wochenende verteilt Erstligafußball statt. "Ein Spiel am Sonntag zerstört doch nicht den Amateurfußball", sagt Fürther.

Auch Hermann Korfmacher, als Vizepräsident des DFB für die Amateure zuständig, glaubt, dass die Bundesliga-Sonntagsspiele keinen Einfluss auf die Zuschauerzahlen der Amateurvereine haben. Bei einer Präsidiumssitzung habe er die 21 Landesverbandspräsidenten befragt und alle hätten eine negative Wirkung verneint. "Klar sind wir über das Spiel nicht erfreut, aber die Schwarzseherei ist doch sehr übertrieben", sagt Korfmacher.