Fußball in Afrika "In nur vier Wochen zum Weltklassespieler"
Otto Pfister trainierte neun afrikanische Nationalteams. Im Interview sagt er, Afrika habe die talentierteren Spieler und erklärt, warum sie dennoch keine großen Titel gewinnen.
© ISSOUF SANOGO/Getty Images

Otto Pfister (r.) als Kameruns Trainer im Gespräch mit seinem Spieler
ZEIT ONLINE: Herr Pfister, ist es sinnvoll sechs Monate vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft den Afrika-Cup auszutragen?
Otto Pfister: Natürlich ist das nicht optimal. Die nominierten Spieler haben keine Pause. Während in den meisten europäischen Ligen über Weihnachten der Spielbetrieb ruhte, mussten sie ins Trainingslager für den Africa-Cup. Und nach der Saison beginnt gleich die Vorbereitung für die WM. Da wird man irgendwann müde. Aber der Afrika-Cup ist für die Leute dort nun mal wahnsinnig wichtig.
ZEIT ONLINE: Wichtiger als die WM?
Pfister: Für die Afrikaner ja. Der Africa-Cup elektrisiert den ganzen Kontinent. Bei der Weltmeisterschaft kommt eine afrikanische Mannschaft mal ins Viertelfinale, wenn es gut läuft. Meistens ist schon nach der Gruppenphase Schluss. Aber beim Afrika-Cup treffen die 16 besten Teams aus Afrika aufeinander. Die Wirkung ist unglaublich.
- Otto Pfister, 72
Der gebürtige Kölner betreute in seiner knapp 40-jährigen Trainerkarriere Teams aus 15 Ländern, darunter neun afrikanische Nationalmannschaften. Zuletzt trainierte Pfister bis zum 27. Mai 2009 Kamerun. Während der WM 2006 in Deutschland war er Nationaltrainer Togos. 1992 wurde er zum "Trainer des Jahres“ in Afrika gewählt.
ZEIT ONLINE: Könnte man nicht auf den zweijährigen zugunsten eines vierjährigen Turnus verzichten, wie das Berti Vogts als Nationaltrainer von Nigeria einmal gefordert hat?
Pfister: Das ist eine Tradition. Wer das ändern will, hat keine Ahnung von der Bedeutung des Turniers für die Menschen in Afrika.
ZEIT ONLINE: Sie sind 2008 mit Kamerun beim Afrika-Cup bis ins Finale vorgestoßen. Vor fünf Monaten haben Sie Ihren Vertrag in Kamerun gekündigt.
Pfister: Man hat ohne mein Wissen den Assistenztrainer ausgewechselt. Da habe ich nicht mitgemacht. In einer solchen Situation muss man konsequent sein. Das ist eine Frage des Charakters. Vielen Trainern fehlt der Mumm. Wenn ich als Trainer in der Zeitung über mich lese, dass ich am Wochenende meine letzte Chance bekomme, dann würde ich gleich Tschüss sagen. Bei uns in Deutschland gibt es Trainer, die lassen sich das Spielchen gefallen.
ZEIT ONLINE: Bei der WM 2006 verließen Sie wegen eines Streits mit dem togoischen Verband das Mannschaftsquartier, ein wohl einmaliger Vorgang in der WM-Geschichte.
Pfister: Wenn ich merke, dass etwas der Mannschaft schadet, dann ist Schluss. Es ging um Geld, das den Spielern zustand. Weil die Sache nicht wie versprochen geregelt wurde, habe ich gekündigt. Da war ich eiskalt. Wenig später einigte ich mich mit dem Staatspräsidenten auf eine Fortsetzung meiner Arbeit. Es sind sicherlich nicht alle Funktionäre in Afrika so. Aber es gibt einige, die nutzen ihre Position im Fußball dafür aus, um ihre soziale Situation zu verbessern. In Afrika ist der Fußball noch populärer als in Europa. Es geht um viel Geld. Alle Beteiligten versuchen, davon etwas abzubekommen. Als Nationaltrainer ist man permanent damit konfrontiert.
ZEIT ONLINE: Dennoch haben Sie immer wieder neue Herausforderungen in Afrika gesucht.
Pfister: Trotz des ganzen Theaters überwiegen die positiven Seiten. Ich will mit meinen 72 Jahren immer noch reisen, mich weiterbilden, neue Kulturen kennenlernen. Außerdem: Was gibt es Schöneres, als mit Weltklassespielern zu arbeiten. Das ist doch besser als nur dumm herumzusitzen. Der Otto Rehhagel ist genauso alt wie ich und will auch noch nicht aufhören.
ZEIT ONLINE: Wo stünde der afrikanische Fußball, wären die Rahmenbedingungen besser?
Pfister: Wahrscheinlich hätte es dann schon einen Weltmeister aus Afrika gegeben. So ist der Durchbruch schwer. Es fehlt Stabilität, die Infrastruktur und Geld. Wenn Kamerun oder Ghana solche Möglichkeiten hätten wie Deutschland … Fünf Wochen Vorbereitung am Tegernsee, mit der Familie im Hotel. Aber für so etwas fehlen die finanziellen Mittel. Es herrscht deshalb keine Chancengleichheit. Südafrika ist von der Infrastruktur her noch am weitesten. Aber der WM-Gastgeber hat in diesem Jahr wenige Talente und konnte sich nicht einmal für den Afrika-Cup qualifizieren.
ZEIT ONLINE: Was macht die Spieler aus Afrika so besonders?
Pfister: Es ist die Schnelligkeit und die Intuition, die Spieler wie Eto’o oder Adebayor einzigartig macht. Sie haben eine natürliche Geschmeidigkeit in ihren Bewegungsabläufen und im Umgang mit dem Ball. Bei vielen Spielern in Deutschland ist dagegen alles antrainiert. Die Afrikaner haben Musik und Fußball im Blut. Daher gibt es ein riesiges Potenzial an erstklassigen afrikanischen Nachwuchsleuten.
ZEIT ONLINE: Was dubiose Spielervermittler das große Geschäft wittern lässt.
Pfister: Viele Talente geraten leider an Agenten, denen es nur ums Geld geht. So wie Nii Lamptey, einer von meinen Buben aus der U-17-Nationalmannschaft von Ghana, mit denen ich 1991 Weltmeister wurde, und eines der größten Talente im afrikanischen Fußball überhaupt. Nii kam als 14-Jähriger nach Belgien. Sein Agent verhökerte ihn danach ständig weiter, ohne dass Nii irgendwo richtig Fuß fassen konnte. Der arme Junge landete nach 14 Transfers in zwölf Jahren wieder in Ghana.
ZEIT ONLINE: Samy Kuffour stammt ebenfalls aus ihrem erfolgreichen U 17-Team.
Pfister: Der FC Bayern München hat es richtig gemacht. Die kümmerten sich um den Buben, gaben ihn in die Obhut einer Gastfamilie, wo ihm die Mama etwas Ordentliches gekocht hat. Man steckte ihn nicht einfach nur in eine Zwei-Zimmer-Wohnung, so wie Abédi Pelé, als der in den 80er Jahren in die Schweiz geholt wurde. Man hat Abédi sich selbst überlassen. Er war frustriert. Bei Olympique Marseille, wo man Erfahrung mit Spielern aus Afrika hatte, wurde Abédi in nur vier Wochen zum Weltklassespieler.
ZEIT ONLINE: Sind afrikanische Spieler schwieriger zu führen?
Pfister: Der Umgang ist einfacher als mit europäischen Profis. Spieler mit afrikanischen Wurzeln tragen ein höheres Maß an Grundzufriedenheit in sich. Sie haben in der Kindheit schon so viel Elend gesehen. Deshalb halten sie ihr Geld zusammen und schlagen nicht in Diskotheken über die Stränge. Afrikaner sind mental sehr stark. Ein verlorenes Spiel kann sie nicht so leicht erschüttern.
ZEIT ONLINE: Werden wir Sie bei der WM in Südafrika als Trainer wiedersehen?
Pfister: Nach Stand der Dinge werde ich als temporärer Co-Kommentator des Schweizer Fernsehens dabei sein. Aber für den Fall, dass ich eine Mannschaft übernehme, gibt es eine Ausstiegsklausel. Mal schauen, was passiert.
Die Fragen stellte Roland Wiedemann.
- Datum 07.01.2010 - 16:18 Uhr
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Rassismus! Ich muss lesen, dass "Es ist die Schnelligkeit und die Intuition, die Spieler wie Eto’o oder Adebayor einzigartig macht. Sie haben eine natürliche Geschmeidigkeit in ihren Bewegungsabläufen und im Umgang mit dem Ball. Bei vielen Spielern in Deutschland ist dagegen alles antrainiert. Die Afrikaner haben Musik und Fußball im Blut."
Wo kann ich diesen Trainer verklagen...
positive Zuschreibungen sind kein Rassismus ;O) ist doch logisch oder? Bei der ganzen "Rassismus"diskussion geht es ganz rational und sachlich zu. Weiß doch jeder :O)
positive Zuschreibungen sind kein Rassismus ;O) ist doch logisch oder? Bei der ganzen "Rassismus"diskussion geht es ganz rational und sachlich zu. Weiß doch jeder :O)
positive Zuschreibungen sind kein Rassismus ;O) ist doch logisch oder? Bei der ganzen "Rassismus"diskussion geht es ganz rational und sachlich zu. Weiß doch jeder :O)
Dann müsste ich ja auch schreiben dürfen: Es ist die taktische Intelligenz und der Siegeswille, die europäische Spieler einzigartig macht. Sie haben ein natürliches Verständnis dafür, wie man Spiele gewinnt. Bei vielen Spielern in Afrika, ist das alles nur antrainiert. Die Europäer haben das Sieger-Gen.
;)
Dann müsste ich ja auch schreiben dürfen: Es ist die taktische Intelligenz und der Siegeswille, die europäische Spieler einzigartig macht. Sie haben ein natürliches Verständnis dafür, wie man Spiele gewinnt. Bei vielen Spielern in Afrika, ist das alles nur antrainiert. Die Europäer haben das Sieger-Gen.
;)
Dann müsste ich ja auch schreiben dürfen: Es ist die taktische Intelligenz und der Siegeswille, die europäische Spieler einzigartig macht. Sie haben ein natürliches Verständnis dafür, wie man Spiele gewinnt. Bei vielen Spielern in Afrika, ist das alles nur antrainiert. Die Europäer haben das Sieger-Gen.
;)
Warum lesen sie dieses Interview, als stünde hier ein diplomatisch geschickter, in PolCor geschulter Staatsmann? Bei Gott, es ist doch nur ein Trainer...
Warum lesen sie dieses Interview, als stünde hier ein diplomatisch geschickter, in PolCor geschulter Staatsmann? Bei Gott, es ist doch nur ein Trainer...
Warum lesen sie dieses Interview, als stünde hier ein diplomatisch geschickter, in PolCor geschulter Staatsmann? Bei Gott, es ist doch nur ein Trainer...
solche Kommentare wie den Ihrigen liest, die vor aluter Verbitterung alles ernst nehmen.
solche Kommentare wie den Ihrigen liest, die vor aluter Verbitterung alles ernst nehmen.
solche Kommentare wie den Ihrigen liest, die vor aluter Verbitterung alles ernst nehmen.
Ach du meine Güte, richardrund, und Sie möchten Herrn Pfister wegen Rassismus verklagen? Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie irgendwann so schön tanzen können wie Afrikaner. Entspannen Sie sich und hören Sie Musik z.B. aus Mali, Senegal etc. Nur Mut, christliche Seele...
[ entfernt: Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/m.e. ]
Für mich ist überhaupt nicht nachvollziehbar, warum "Fünf Wochen Vorbereitung am Tegernsee, mit der Familie im Hotel." eine Begründung für eine erheblich bessere Leistung sein sollen.
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