ZEIT ONLINE: Herr Rau, Sie sind Lehramtsstudent. Welche Eigenschaften sollte ein guter Lehrer besitzen?

Tobias Rau: Ein Lehrer muss die Schüler motivieren können und darf nicht nur darauf bedacht sein, seinen Lehrstoff durchzuboxen. Er sollte nicht nur die Stärken fördern, sondern den Schüler auch dazu bringen, sich dort zu verbessern, wo er Schwächen hat. Es ist wichtig, den Einzelnen im Blick zu haben und zu versuchen, auf ihn einzugehen. Ich hatte das Glück, von einigen sehr guten Lehrern unterrichtet worden zu sein. Sie haben den Unterricht so interessant gestaltet, dass ich mich engagiert habe, obwohl ich zunächst mit einigen Themen nichts anfangen konnte.

ZEIT ONLINE: Wie wichtig ist autoritäres Verhalten?

Rau: Ohne Autorität geht es nicht. Die Schüler müssen ihren Lehrer respektieren. Es gibt allerdings zwei verschiedene Arten von Autoritäten. Da ähneln sich Lehrer und Fußballtrainer. Ein Trainer wie Felix Magath ist eine Autoritätsperson, weil er seine harte Linie durchzieht. Als Kumpeltyp kann ich aber genauso Autorität besitzen. Allerdings sollte eine gewisse Distanz immer gewahrt bleiben.

ZEIT ONLINE: Gab es nie Probleme mit einem Lehrer, sind Sie nie bestraft worden?

Rau: Ich musste einmal eine zweiseitige Strafarbeit auf Französisch schreiben mit dem Thema: Deshalb darf ich keine Schneebälle werfen.

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ZEIT ONLINE: In der Schule gibt es oft den Streber, der in der Klasse nicht beliebt ist. Gibt es diesen Typ auch im Profifußball?

Rau: Das kann man nicht miteinander vergleichen. Es gibt zwar den besonders fleißigen Spieler, der nach dem Training Extra-Einheiten schiebt. Der ist deswegen aber nicht unbeliebt.

ZEIT ONLINE: Lästern die Kollegen nicht gerne über des Trainers Liebling?

Rau: Nur im Scherz, wenn ein Spieler nach einer guten Leistung vom Coach besonders gelobt wurde. Sicherlich bevorzugt ein Trainer den Spielertyp, dessen Art, Fußball zu spielen, ihm besonders gefällt. Doch das hat nichts mit übertriebenem Eifer zu tun.