Vancouver und Umwelt Die grünsten Spiele der Olympia-Geschichte
Christof Siemes vergibt den Organisatoren im Fach Umwelt gute Noten. Nachhaltig wird Olympia aber erst, wenn die Milliarden, die zuschauen, grün denken und handeln.
© Kevork Djansezian/Getty Images Sport

Zu Fuß geht's doch auch - Olympia-Fans auf dem Weg zu Wettkämpfen
Seien wir ehrlich: Am umweltfreundlichsten wären diese Spiele gewesen, wenn sie gar nicht stattgefunden hätten. Aber das ist unfair, schließlich ginge es der guten, alten Mutter Erde insgesamt wohl am besten, wenn wir Menschen uns ganz vom Acker machten. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten sind diese Spiele also wohl "grün" und "nachhaltig", das sind jedenfalls die Begriffe, die das Organisationskomitee VANOC sich an die Brust heftet wie Weltkriegsveteranen ihre Orden. "Die Umwelt ist, neben Sport und Kultur, die dritte Säule der olympischen Bewegung", sagt Ann Duffy, Corporate Sustainability Officer bei VANOC. "Vancouver 2010 und London 2012 sind die ersten, die diesen dritten Pfeiler 'dicker' machen wollen."
Vancouver hat ja auch einen Ruf zu verlieren als grüne Metropole. Immerhin ist hier Greenpeace entstanden; nachhaltige Stadtplanung gab es schon, als andere Städte noch unkontrolliert das Land um sich herum verschlangen. Obwohl die Einwohnerzahl in den vergangenen zwanzig Jahren um mehr als die Hälfte gewachsen ist, dehnte sich das Stadtgebiet nicht nach außen aus.
Umweltschutz ist hier Alltag: "Let’s be earth conscious!" steht sogar auf dem Serviettenbehälter der Gone Village Eatery, wo ich jeden morgen frühstücke und nur so viele blassbraune Öko-Tücher nehmen soll, wie ich wirklich brauche.
Die Veranstalter denken in anderen Dimensionen: "Nur" 270.000 Tonnen schwer soll der CO2-Fußabdruck sein, den die Spiele in der Weltklimageschichte hinterlassen, inklusive Vorbereitungszeit und Nachwehen. Das klingt viel und ist doch ein ehrgeiziges Ziel für so eine Mammutveranstaltung, die ja zur Produktion von all dem künstlichen Eis und Schnee die Energie nur so rausbläst.
"Grüne Spiele" erreicht man nicht, indem wir Journalisten brav unseren Müll trennen, nachdem wir beim offiziellen Sponsor, der Burgerbraterei mit dem großen M, jede Menge Verpackungsmaterial und Einwegplastikflaschen in Empfang genommen haben. Nein, Olympia grün machen heißt groß denken, und so wurden für die Spiele einige der umweltfreundlichsten Gebäude aller Zeiten gebaut.
In Vancouver müssen alle neuen Bauten ohnehin die Anforderungen für ein so genanntes LEED-Zertifikat ("Leadership in Energy and Environmental Design") erfüllen. Dieses vom US Green Building Council entwickelte Zertifizierungssystem beinhaltet unter anderem Vorgaben für die Energieeffizienz und die verwendeten Baumaterialien.
Auch bei den Zertifikaten gibt es eine Art Medaillenspiegel mit Gold und Silber und sogar Platin – das ist bislang nur einmal überhaupt vergeben worden, an das Vancouver Convention Center, in dem während der Spiele das Internationale Fernsehzentrum untergebracht ist. Der besondere Clou des Baus ist sein Dach, groß wie vier Fußballfelder und eine innerstädtische Oase mit 400.000 Pflanzen, zwischen denen Vögel, Insekten, sogar kleine Säugetiere und vier Bienenvölker mit insgesamt rund 240.000 Mitgliedern leben. Ihr Honig fließt gleich vom Dach in die Küche des Centers.
Die Häuser des Olympischen Dorfs im sanierten Stadtviertel Southeast False Creek haben ein goldenes Zertifikat bekommen und die ganze Anlage eins in Platin. Begrünte Dächer sollen die Hälfte des CO2-Bedarfs des Viertels ausgleichen, Solaranlagen und effiziente Wärmedämmung sparen Energie. Regenwasser wird naturgemäß aufgefangen für die Klospülung und ähnliches, außerdem wird die Abwärme wieder genutzt.
Auch im Olympic Oval, der Eisschnelllaufbahn in Richmond, wird über das 100 mal 200 Meter große Dach Regenwasser gesammelt, für die Toiletten, aber auch für einen Teich und die sommerliche Bewässerung der Grünanlagen. Im Dach steckt auf gute Weise der Wurm drin: Es besteht ausschließlich aus Abfallholz, in dem der Borkenkäfer gehaust hat. Dass die Restwärme, die die Kühlgeräte der Eisflächen abgeben, nahezu vollständig wieder eingefangen und zur Warmwasserbereitung und für die Heizung genutzt wird, versteht sich da fast von selbst.
- Datum 27.02.2010 - 10:23 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 4
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







alles Marketing. Solange überall die Globalisierung voranschreitet ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es ist nicht mal das, es ist ein Witz. Aber die Leute sind bekloppt genug, um sich an diesen Faden festzuhalten, keine Sorge. Ich kann für mich behaupten, ich habe von dieser Veranstaltung, was Sportliches angeht, nichts mitbekommen. Außer dem verunglückten Bobfahrer, aber ansonsten, nichts, nada: Klaudia Dorfstein hat eine Silbermedaille in Hochschrauben gewonnen? Robert Pustekuchen hat Gold in Asphaltfurzen? So what?
"die grünsten Spiele der Olympia Geschichte".
Das ist auch ein Scherz oder? Ich möchte jetzt nicht zu den Griechen zurück, aber verglichen mit den Spielen von vor hundert oder fünfzig, wahrscheinlich auch zwanzig Jahren, waren es bestimmt nicht die "grünsten". Es ist auch eine Frage der Größe. Diese Veranstaltungen werden immer größer. Und sie werden vielleicht ein bisschen umweltfreundlicher, aber nicht in dem Maße wie sie wachsen.
es als ein Indiz für die derzeitige geistig-kulturelle Verfaßtheit der westlichen Gesellschaften. Nie ist der Stoffdurchsatz höher gewesen als heute - und mit Blick auf Bevölkerungswachstum und Industrialisierung außerhalb der westlichen Welt ist ein Sinken der Durchsätze kaum zu erwarten. Das was real läuft, ist die ENTKOPPLUNG, im Grunde ist dies ja das Wesen der Verdichtung der menschlichen Populationin den Städten. Aber solche Mythen vom Bienenvolk auf dem Gründach, und dem Regenwasser in der Klospülung kommen immerwieder. - Gerade letztes Beispiel. Die Begeisterung aus der grünen Ecke wird ja wohl von Verantwortungsträgern aus dem Bereich Wasserwesen nicht uneigeschränkt geteilt, und dies durchaus auch mit nachvollziehbaren Argumenten. (i.d.R. funktioniert sowas kaum kostendeckend. Und dort, wo es reichlich Dachablaufwasser gibt, ist auch das Leitungswasser kaum ein knappes Gut.) Aber nichtsdestotrotz ist das ein beliebtes Element von der grünen Spielwiese.
"Bisher ueberhaupt nur einmal vergeben ..."
????
http://www.greatbuildings...
Der bullshit in der ZEIT wird immer schlimmer. Nicht mal mehr googlen koennen die Praktikanten ...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren