Deutschland - Argentinien Der Star und der Arbeiter
Zwei Trainer, ungleiche Situationen: Während Diego Maradona sich und sein Team feiert, offenbart das Spiel gegen Argentinien Joachim Löws Probleme.
© Torsten Silz/AFP/Getty Images

Jemand einen Autogrammwunsch? Diego Maradona feiert den Auswärtssieg in München
München – Es war in der 90. Minute. Der Ball rollte wie ferngesteuert von einem argentinischen Fuß zum anderen. Nach den ersten fünf Ballwechseln pfiffen die deutschen Fans, nach den nächsten zwanzig beklatschten sie aus Hohn die Argentinier. Die deutschen Spieler schauten zu, wie der Gegner kombinierte. Ihr Trainer stand hilflos daneben.
Ein Freundschaftsspiel gegen Argentinien kann eine deutsche Mannschaft voranbringen. So ein Klassiker kann die Stimmung, den Zusammenhalt im Team verbessern. Er kann aber auch – so wie am gestrigen Abend – alle bestehenden Probleme sichtbar und nichts besser machen.
Wenn es so viele Probleme gibt, dass es gefährlich werden könnte, sollte man positiv denken und darüber reden. Joachim Löw hat es versucht. Nach dem schwachen 0:1 gegen Argentinien (nachzulesen im Live-Protokoll) saß er vor den Journalisten und redete im Jetzt-Nicht-Alles-Schlecht-Machen-Modus.
Der Jetzt-Nicht-Alles-Schlecht-Machen-Modus geht so: Das Spiel nach vorne? "Das hat mir nicht gefallen, aber sagenwirmalauch (das ist bei Löw immer ein Wort) als Cacau im Spiel war, da war da mehr Bewegung." Die Defensive? "Da haben wir relativ ordentlich gespielt, sagenwirmalauch gegen ein starkes argentinisches Team." Das zentrale Mittelfeld? "Schweinsteiger und Ballack können zusammen spielen, aber sagenwirmalauch da fehlt es noch in der Feinabstimmung."
Im letzten Testspiel vor der Bekanntgabe des WM-Kaders hat das deutsche Team seine Schwächen offenbart: Im Tor, in der Abwehr, im Mittelfeld, in der Offensive und vor allem im Zusammenspiel dieser Mannschaftsteile. Kein Spieler hat für seine Nominierung geworben. Auch wenn der Bundestrainer es nicht sagen wollte: Wenn das Spiel gegen Argentinien ein Test für die WM gewesen sein soll, dann ist er gescheitert.
Diego Armando Maradona und Joachim Löw wollen beide im Sommer Weltmeister werden. Die Begegnung in der Münchner Arena war für die Trainer der letzte ernste Test vor dem Turnier. Löw hatte während des Spiels meist die Hände in der Hosentasche, starrte auf das, was seine Spieler falsch machten. Maradona küsste jeden seiner ausgewechselten Spieler auf die Wange. Dass der Bundestrainer nach der geplatzten Vertragsverhandlung nicht völlig entspannt bei der Arbeit zu sein scheint, war besonders im Vergleich mit seinem Pendant aus Argentinien zu bemerken.
Wie sehr lässt sich eine Fußballmannschaft von den Problemen in ihrem Umfeld beeinflussen? Joachim Löw und die Verantwortlichen des DFB wollten von dem Dissens um die auslaufenden Verträge nichts mehr wissen. Das Spiel gegen Argentinien sollte wieder den Fußball in den Vordergrund rücken. Doch das Spiel war schwach. Und die Frage, was die Probleme auf dem Spielfeld mit denen abseits des Rasens zu tun haben, wird sich nun auch künftig aufdrängen.
Maradona hat mit seinem Charisma alle in München beeindruckt.
Auf der anderen Seite Maradona. Joachim Löw ist ein modebewusster Mensch, doch im Vergleich mit ihm ist er ein einfacher Arbeiter. Maradona ist der Popstar aus einer Trainer-Castingshow. Was für eine Show! Als sich Thomas Müller nach dem Spiel auf dem Platz neben Maradona setzen wollte, verließ dieser aus gespieltem Protest und mit einem Grinsen im Gesicht die Pressekonferenz. Er wusste nicht, dass Müller ein Nationalspieler ist. Viele Journalisten beklatschten den kurzzeitigen Abgang und holten sich ein Autogramm.
Nachdem die Pressesprecher Maradona wieder auf die Bühne geholt hatten, bedankte der sich bei Gott, dass Lionel Messi Argentinier ist und sagte, dass sein Team bei der WM eine sehr gute Rolle spielen werde. Man hat ja die Bilder vom fetten Maradona noch vor Augen, aber knapp hundert Tage vor der WM sieht der argentinische Coach nicht übergewichtig, sogar gesund aus.
Nach den bisherigen Erfahrungen zu urteilen, hat Maradona als Trainer im Vergleich mit Joachim Löw wenig Ahnung von Strategie. Aber wie wichtig ist das Fachwissen eines Fußballlehrers, wenn wenige Monate vor der WM die Atmosphäre in der Nationalmannschaft gestört ist? Maradona hat mit seinem Charisma viele in München und wahrscheinlich auch sein Team beeindruckt. Joachim Löw hat seinen eigenen Modus. Ihm bleiben nur wenige Wochen, seine Mannschaft damit zu erreichen.
- Datum 04.03.2010 - 09:20 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Als Nichtfußballer sehe ich Dinge vielleicht etwas anders. Natürlich geht es um das Verlieren und Gewinnen. Nur wie kann ein Fußballtrainer, namens LÖW, gute Arbeit leisten, wenn in seinem Kopf der neue Werbevertrag (TUI)oder die Vertragsverlängerung mit entsprechenden Zahlungen die entscheidende Rolle spielen - das Geld also eine viel höhere Wertigkeit als der Fußballsport hat. Aus eigener Erfahrung kann ich wirklich behaupten, dass Geld wirklich nicht alles ist...!
Herzliche Grüsse
Klaus Metzger
HILDESHEIM
...ist der Löw leider.
Denn sonst hätte er längst Podolski und Friedrich aussortiert und sich in seinem Spielsystem konsequent nach vorne orientiert (in jedem Wortsinn) und würde nicht ein Offensivsystem mit Angsthasenmantalität kombinieren.
Und er hätte sich früher vom wenig DFB-dienlichen Bierhoff distanziert und wäre mit den wenigen Millionen zufrieden, die er bekommt.
bessere Söhne, die nicht so eitel und geldgierig sind wie Löw.
DFB wache auf !
nun fühlt sich Maradonna als Größter und seine Klappe ist auch danach. Es scheint als sei die Mißstimmung aus den oberen Fußballetagen in die Knochen der deutschen Spieler geraten.
wäre er längst zurückgetreten, aber die Gier nach Geld hält ihn und Bierhoff wohl noch in den Ämtern. Statt Fußballleidenschaft Leidenschaft für Zahlen auf dem eigenen Konto. Man darf nicht vergessen, dass Löw als Trainer für das Nationalteam bereits ca. 15 Millionen eingesackt hat. Und am Schluss kommt ein müdes Gekicke wie gestern heraus. Wenn da das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, verspeise ich einen Lederfussball ungekocht auf der Stelle!
Sie werden noch deutlicher und nennen Zahlen! Dankeschön.
Klaus Metzger
Sie werden noch deutlicher und nennen Zahlen! Dankeschön.
Klaus Metzger
"Und die Frage, was die Probleme auf dem Spielfeld mit denen abseits des Rasens zu tun haben, wird sich nun auch künftig aufdrängen."
Argentinien hat zweifelsohne die besseren Einzelspieler als das deutsche Team. Die Gauchos spielen seit jahren in den europaeischen Topvereinen und sind dort wichtigste Stuetzen.
Wenn die Mannschaft nicht schlecht eingestellt ist wie noch im viertelfinale vor 4 Jahren, dann ist sie besser als das deutsche Team. Soviel steht fest.
Die deutsche Mannschaft hat bereits in den Spielen davor nicht ueberzeugt und da gab es noch kein gerede ueber den Vertrag.
Ausserdem sind die Freundschaftsspiele nicht gerade eine deutsche Staerke.
Wer das Geschawetz ueber den vertrag mit der Leistung edr Spieler in verbindung bringt liefert ihnen eine billige Ausrede.
Besonders im taktischen Bereich aber war das gestern noch ganz schwach. Loew kann da zwar nicht alles veraendern, aber es ist schon auch seine Schuld, dass man da gestern so schlecht ausgesehen hat.
Man muss hoffen, dass das beid er Wm besser wird und dass man ein wenig Losglueck hat. Eine Garantie auf das Halbfinale wird es nicht geben.
Das war doch ein typisches Spiel für eine deutsche Mannschaft in Vorbereitung auf ein internationales Turnier. Seit nun 20 Jahren geht das so: erst eine durchschnittliche Leistung in der Vorbereitung und sich dann im Turnier irgendwie durchwurschteln, um am Ende gefeierter Dritter zu werden. Neben den ganzen Millionen, die da (un-)verdient werden, sollten sich die DFB-Kicker und der Trainer bewusst machen, dass jede Generation ein moralisches Anrecht auf einen Weltmeistertitel hat... Es wird Zeit Jungs!!!
Was Herrn Löw angeht würde ich sagen: Erstmal die Millionen mit tollem Fußball begeistern und dann die Millionen kassieren, nicht andersrum!
Das ist gelebtes Leben mit unglaublichen Höhen und Tiefen versus Wannabe mit Deko-Schal und Quelle-Katalog-Posing.
Zugegeben. Der Vergleich ist ziemlich unfair, da Maradonnas Leben wirklich einzigartig ist und zumindest die Höhen des Argentiniers für Löw nicht mal in Reichweite lagen.
Trotzdem darf man zur Zeit ruhig etwas boshaft werden, nach all dem großen Getue in den letzten Jahren, dieser provinziellen Vertragsverlängerungsposse vor wenigen Wochen und den südwestdeutschen Präferenzen Löws bei der Spielerauswahl. Was zählt ist "auffem Platz". Und da ist schon seit längerer Zeit wieder der gute, alte Rumpelfußball eingekehrt. Von einer Philosophie oder wenigstens einer Handschrift des Trainers, einer Grundstruktur des Teams ist nichts zu sehen. Das gab es zwar schon öfter kurz vor großen Turnieren (Vogts, Ribbeck, Völler), aber da gab es auf der Trainerbank wenigstens "ehrliche" adidas-Traininsanzugsträger und nicht dieses - und da sind wir wieder beim Ausgangspunkt "wannabe" - New York-Rio-Tokyo-Getue. Deshalb wünsche ich mir für die WM noch eine kleine Personalrochade und den erfolgreichen Horst Hrubesch - im Paket mit Hermann Gerland - auf die Trainerbank.
Okay, es ist ein fromer Wunsch, aber den dürfen auch Atheisten manchmal haben... ;-)
Mit diesem Vorschlag wäre ich sofort einverstanden! :-)
Obwohl ich von Maradonna als Trainer nicht viel halte, war Argentinien in allen Belangen einfach besser, hatte mehr Torchancen und zeigte unserem Team seine Grenzen auf. Mit der gestrigen Leistung würde unser Team bei der WM mit viel Glück die Vorrunde überstehen, aber keinesfalls über das Viertelfinale hinauskommen.
Mit diesem Vorschlag wäre ich sofort einverstanden! :-)
Obwohl ich von Maradonna als Trainer nicht viel halte, war Argentinien in allen Belangen einfach besser, hatte mehr Torchancen und zeigte unserem Team seine Grenzen auf. Mit der gestrigen Leistung würde unser Team bei der WM mit viel Glück die Vorrunde überstehen, aber keinesfalls über das Viertelfinale hinauskommen.
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