Sportlich läuft es bestens für den FC St. Pauli. Durch den gestrigen 2:0-Sieg gegen Hansa Rostock (Torschützen Ebbers und Naki) ist der Kiezclub auf den Aufstiegsrang 2 zurückgekehrt. Dennoch sieht sich der Verein gerade einer intensiven Debatte über Fan-Kultur ausgesetzt, die an zwei Fronten verläuft.

Die Vorgeschichte: Für das Problemspiel gegen Hansa Rostock beschloss die Clubführung um den Präsidenten Corny Littmann in Abstimmung mit der Liga und der Polizei, das Kontingent der Gästekarten von 1700 auf 500 zu reduzieren. Beide Fan-Lager sind verfeindet, beim bislang letzten Aufeinandertreffen auf St.Pauli im März 2009 war es zu Schlachten auf der Feldstraße in der Nähe des Stadions gekommen.

Erste Front: Mit dieser Entscheidung hat sich der Vorstand von den kritischen St.Pauli-Fans weiter entfernt. Littmann wird zwar einerseits als Macher geschätzt, weil er St.Pauli ökonomisch (und sportlich) saniert hat. Andererseits gilt er einer speziellen basisdemokratischen Fraktion als Absolutist und Kapitalist.

Die St.Pauli-Fans solidarisierten sich mit den Rostockern, auch weil sie fürchteten, dass dieses Beispiel Schule machen könnte. Die Rostock-Fans wiederum verzichteten gänzlich auf das Auswärtsspiel, lediglich sieben Abgesandte erschienen gestern auf der Nordtribüne des Millerntors. Vor dem Anpfiff verschwanden sie wieder.

Im Stadion protestierten beide Seiten im abgestimmten Wortlaut gegen Littmann und die Beschneidung von Fan-Rechten: "Stellt euch vor, es ist Fußball, und keiner darf hin!", hieß es auf Transparenten, "Kein Kick ohne Fans!" oder "Hier stirbt der Fußball".

Dabei hätte es bleiben können, doch gab es eine Fan-Gruppierung, die sich durch einen besonderen Protest auszeichnen wollte und den zweiten Konflikt heraufbeschwor: Die Ultras Sankt Pauli (USP) riefen dazu auf, die ersten fünf Minuten des Spiels zu boykottieren. Vielmehr: Sie setzten den Boykott unabgestimmt durch, indem sie die ganze Südtribüne versperrten. Die Südtribüne besteht aus Stehplätzen, die den Ultras "gehören" – aber auch Sitzplätzen für "Nicht-Ultras".