St.Pauli-Ultras Wie männliche Cheerleader
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Alteingesessene Fans singen: Fußball-Mafia USP

Die Vorgehensweise der Ultras war alleine aus Sicherheitsgründen und auch juristisch bedenklich. Vor allem aber hat der USP weiter Sympathien verscherzt und die Debatte um sie verschärft. Sie gelten bei vielen übrigen St.Pauli-Fans und auch bei einigen Spielern als intolerant und herrisch. Als die Ultras in ihre Blöcke zurückkehrten, sang die Gegengerade, Hort der Alteingesessenen, "Scheiß USP!" und "Fußball-Mafia USP".

Auch im Internet regiert die Wut: "Es hat mich geschockt, wie ich und 200 St.Paulianer mindestens dreißig Minuten daran gehindert wurden, unser Stadion zu betreten", schreibt ein Blogger und macht auf den Widerspruch des erzwungenen Protests aufmerksam: "Es ist abstrus, Fan-Rechte zu fordern, indem man Menschen am Betreten ihres Stadions hindert." Präsident Littmann ergänzt: "Das ist eine Nötigung, die nicht zu tolerieren ist."

Der alte Millentor-Roar war wieder ansatzweise spürbar.

Ein alteingesessener Pauli-Fan

Ultras entstammen einer Fan-Bewegung, die es sich zum Ziel setzt, ihre Mannschaft durchgehend zu unterstützen. Daraus leiten sie für sich eine besondere Position ab, sie wollen sich von anderen abgrenzen. Es geht um Macht und die Frage: Wer ist der bessere Fan?

"Ich habe schon absurde Szenen erlebt", erzählt ein Beteiligter, der auf St. Pauli geboren wurde und seit über dreißig Jahren ans Millerntor geht. "Da stehen Zwanzigjährige aus Bönningstedt mit ihren USP-Schals vor mir und schreien: 'Wir sind St. Pauli und Du nicht!'"

Ultra-Gruppen gibt es in fast jeder Bundesliga-Stadt, doch im multikulturellen und anarchischen St. Pauli wirken sie fremd. Ihre Choreografien sind einstudiert, ihre Gesänge werden von einem Vorsänger mit Megafon angeleitet, der mit dem Rücken zum Spiel steht. Das alles kann sehr laut und beeindruckend sein, doch wirkt es auf Dauer standardisiert, auch weil sich die Melodien und Fahnenspiele über Vereinsgrenzen hinweg ähneln. Ultras sind ein wenig wie männliche Cheerleader.

Wie gut sich ein Fußballspiel anfühlt, wenn Ultras schweigen, konnte man gestern ahnen. Da der USP während des Spiels aus Protest auf den üblichen "Support" verzichtete, waren die Zuschauerreaktionen spontaner, echter, lebendiger. "Zwischendurch war es auch mal so leise, dass man eine Stecknadel fallen hören konnte, dann gab es plötzlich aufbrausenden Beifall für einen gewonnen Zweikampf ", sagt ein Zeuge. "Der alte Millentor-Roar war wieder ansatzweise spürbar."

 
Leser-Kommentare
    • _jrg
    • 29.03.2010 um 18:19 Uhr

    schade, dass ihr den blogger nicht verlinkt habt. warum nicht?

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    • ring2
    • 30.03.2010 um 1:39 Uhr

    Das Zitat ist aus dem Blog ring2
    http://s.ring2.de/611

    ... und inzwischen habe ich an der Thematik weiter herumgedacht ... http://s.ring2.de/615

    (Übrigens Oliver, Danke fürs verlinken und scheunen Gruss an @wblau Zitatlinks auf Zeit.de sind als catchup zum web 1.0 geradezu geboten ;)

    • ring2
    • 30.03.2010 um 1:39 Uhr

    Das Zitat ist aus dem Blog ring2
    http://s.ring2.de/611

    ... und inzwischen habe ich an der Thematik weiter herumgedacht ... http://s.ring2.de/615

    (Übrigens Oliver, Danke fürs verlinken und scheunen Gruss an @wblau Zitatlinks auf Zeit.de sind als catchup zum web 1.0 geradezu geboten ;)

  1. Ist ja peinlich.. [...] Lasst doch die Bewohner in's Stadion, was ist denn los? 'Ultras'... ich dachte sowas gäb's beim HSV.

    Gruß
    Klin

    Bitte bleiben Sie bei einer höflichen Wortwahl. Die Redaktion/sh

  2. Es mag stimmen, dass die Aktion, so wie sie verlaufen ist, nicht ganz glücklich war. Doch muss bedacht werden, es war nicht, wie überall benannt allein usp von denen diese Aktion kam.
    Den Aufruf zu dieser Aktion haben ein Haufen Fanclubs unterschrieben.

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    1. War die Szene in dieser Frage schon vorher gespalten, 2. haben mindestens Fanladen und Sprecherrat keinen Aufruf zur Blockade unterschrieben.

    Nicht die Aktion selbst hat viele Fans wütend gemacht. Denn die Aktion selbst hätten auch viele Skeptiker wohl mitgetragen, geduldet, nicht hintertrieben. Wütend gemacht hat sie der Zwang hinter dieser Aktion, die Entmündigung, die Rigorosität, mit der selbst Kranke und Behinderte drangsaliert wurden, sodass das „Allways Look On The Bright Side of Life“ beinahe zynisch erscheinen musste. Selbst die, die die leere Süd anfangs noch „beeindruckend“ fanden, rückten davon ab, als sie von den beschämenden Hintergründen erfuhren. Damit hat USP nicht nur der Sache einen Bärendienst erwiesen, sondern der Fan-Szene als Ganzes in die Fresse geschlagen.

    Du wirst die gleichen Quellen gelesen (und z.T. auch gesprochen) haben wie ich, also weist du auch, dass das Entsetzen von gestern echt war, die Wut der Leute aufrichtig und die Wunden tief. Für viele ging gestern ein Stück Welt kaputt, einige sagen, unwiederbringlich. Da ist enorm viel Porzellan zerschlagen worden. Das ehrliche Aufarbeiten und das Kitten der Gräben ist keine Sache von ein paar Tagen, das wird viel Arbeit erfordern und ein hohes Maß an Selbstreflektion auf Seiten USPs. Nicht nur dort, aber vornehmlich dort.

    1. War die Szene in dieser Frage schon vorher gespalten, 2. haben mindestens Fanladen und Sprecherrat keinen Aufruf zur Blockade unterschrieben.

    Nicht die Aktion selbst hat viele Fans wütend gemacht. Denn die Aktion selbst hätten auch viele Skeptiker wohl mitgetragen, geduldet, nicht hintertrieben. Wütend gemacht hat sie der Zwang hinter dieser Aktion, die Entmündigung, die Rigorosität, mit der selbst Kranke und Behinderte drangsaliert wurden, sodass das „Allways Look On The Bright Side of Life“ beinahe zynisch erscheinen musste. Selbst die, die die leere Süd anfangs noch „beeindruckend“ fanden, rückten davon ab, als sie von den beschämenden Hintergründen erfuhren. Damit hat USP nicht nur der Sache einen Bärendienst erwiesen, sondern der Fan-Szene als Ganzes in die Fresse geschlagen.

    Du wirst die gleichen Quellen gelesen (und z.T. auch gesprochen) haben wie ich, also weist du auch, dass das Entsetzen von gestern echt war, die Wut der Leute aufrichtig und die Wunden tief. Für viele ging gestern ein Stück Welt kaputt, einige sagen, unwiederbringlich. Da ist enorm viel Porzellan zerschlagen worden. Das ehrliche Aufarbeiten und das Kitten der Gräben ist keine Sache von ein paar Tagen, das wird viel Arbeit erfordern und ein hohes Maß an Selbstreflektion auf Seiten USPs. Nicht nur dort, aber vornehmlich dort.

  3. Die St. Pauli-Ultras geben dem Wort Gruppenzwang eine etwas andere Bedeutung. Andere Menschen, zu zwingen, an einer Aktion teilzunehmen, mit der diese sich nicht gemein machen wollen, ist schlicht faschistoid. Zumahl die praktischen Folgen sogar noch drastischer waren, als hier geschildert. So bekamen manche Fans aufgrund des dichten Gedränges Platzangst und gerieten in Panik. Selbst Behinderte wurden daran gehindert, ihre Plätze einzunehmen. Die Stimmung war überaus agressiv.

    Von was für einem Größenwahn muss man getrieben sein, um sich das Recht herauszunehmen, zahlenden Zuschauern ihr Recht zu nehmen und diese sogar in gefährliche Situationen zu verwickeln? Wie kommen die Ultras auf die Idee, sie wären die wahren Fans und dürften den Sport für sich vereinnahmen? Handeln getreu dem Motto, "wer nicht für uns ist, ist gegen uns", hat schon genug Unheil in der Vergangenheit angerichtet. Ich hoffe, die Gefahr, die daraus erwächst, wird endlich als solche endlich anerkannt.

  4. 1. War die Szene in dieser Frage schon vorher gespalten, 2. haben mindestens Fanladen und Sprecherrat keinen Aufruf zur Blockade unterschrieben.

    Nicht die Aktion selbst hat viele Fans wütend gemacht. Denn die Aktion selbst hätten auch viele Skeptiker wohl mitgetragen, geduldet, nicht hintertrieben. Wütend gemacht hat sie der Zwang hinter dieser Aktion, die Entmündigung, die Rigorosität, mit der selbst Kranke und Behinderte drangsaliert wurden, sodass das „Allways Look On The Bright Side of Life“ beinahe zynisch erscheinen musste. Selbst die, die die leere Süd anfangs noch „beeindruckend“ fanden, rückten davon ab, als sie von den beschämenden Hintergründen erfuhren. Damit hat USP nicht nur der Sache einen Bärendienst erwiesen, sondern der Fan-Szene als Ganzes in die Fresse geschlagen.

    Du wirst die gleichen Quellen gelesen (und z.T. auch gesprochen) haben wie ich, also weist du auch, dass das Entsetzen von gestern echt war, die Wut der Leute aufrichtig und die Wunden tief. Für viele ging gestern ein Stück Welt kaputt, einige sagen, unwiederbringlich. Da ist enorm viel Porzellan zerschlagen worden. Das ehrliche Aufarbeiten und das Kitten der Gräben ist keine Sache von ein paar Tagen, das wird viel Arbeit erfordern und ein hohes Maß an Selbstreflektion auf Seiten USPs. Nicht nur dort, aber vornehmlich dort.

    Antwort auf "allein usp?"
    • ring2
    • 30.03.2010 um 1:39 Uhr

    Das Zitat ist aus dem Blog ring2
    http://s.ring2.de/611

    ... und inzwischen habe ich an der Thematik weiter herumgedacht ... http://s.ring2.de/615

    (Übrigens Oliver, Danke fürs verlinken und scheunen Gruss an @wblau Zitatlinks auf Zeit.de sind als catchup zum web 1.0 geradezu geboten ;)

    Antwort auf "Blogger"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ich war vor ein paar Wochen gegen Oberhausen das erste Mal seit 10 Jahren wieder im Stadion, leider in der Südkurve. Das ständige Dauergesinge war für als alten Fan kaum zu ertragen. Keine Dynamik, nur stumpfes Gesinge - eine Einheitsmaschine, die ich als geradezu ferngesteuert wahrgenommen habe. Dazu eine merkwürdige Selbstzufriedenheit - das Wort Cheerleader trifft es ganz gut!
    Die Aktion beim Rostock-Spiel erhärtet den Verdacht, dass es den Ultras wirklich um nichts anderes geht, als um sich selbst. Ich möchte hier keine direkten Parallelen ziehen, aber das ganze erinnert mich an die Aktion vor dem B-Movie Kino im letzten Jahr, als eine Gruppe anderer (?) Ultras die Vorführung des Films "Warum Israel?" von Claude Lanzmann verhindert hat.

    Es ist einfach nur armselig!

    ich war vor ein paar Wochen gegen Oberhausen das erste Mal seit 10 Jahren wieder im Stadion, leider in der Südkurve. Das ständige Dauergesinge war für als alten Fan kaum zu ertragen. Keine Dynamik, nur stumpfes Gesinge - eine Einheitsmaschine, die ich als geradezu ferngesteuert wahrgenommen habe. Dazu eine merkwürdige Selbstzufriedenheit - das Wort Cheerleader trifft es ganz gut!
    Die Aktion beim Rostock-Spiel erhärtet den Verdacht, dass es den Ultras wirklich um nichts anderes geht, als um sich selbst. Ich möchte hier keine direkten Parallelen ziehen, aber das ganze erinnert mich an die Aktion vor dem B-Movie Kino im letzten Jahr, als eine Gruppe anderer (?) Ultras die Vorführung des Films "Warum Israel?" von Claude Lanzmann verhindert hat.

    Es ist einfach nur armselig!

  5. 7. nervig

    ich war vor ein paar Wochen gegen Oberhausen das erste Mal seit 10 Jahren wieder im Stadion, leider in der Südkurve. Das ständige Dauergesinge war für als alten Fan kaum zu ertragen. Keine Dynamik, nur stumpfes Gesinge - eine Einheitsmaschine, die ich als geradezu ferngesteuert wahrgenommen habe. Dazu eine merkwürdige Selbstzufriedenheit - das Wort Cheerleader trifft es ganz gut!
    Die Aktion beim Rostock-Spiel erhärtet den Verdacht, dass es den Ultras wirklich um nichts anderes geht, als um sich selbst. Ich möchte hier keine direkten Parallelen ziehen, aber das ganze erinnert mich an die Aktion vor dem B-Movie Kino im letzten Jahr, als eine Gruppe anderer (?) Ultras die Vorführung des Films "Warum Israel?" von Claude Lanzmann verhindert hat.

    Es ist einfach nur armselig!

    Antwort auf "http://s.ring2.de/611"
  6. Für Nichthamburger haben 2006 die nett gemeinte Mini-WM für Gibraltar und drei andere nicht UN-Staaten wesentlich weniger zu Pauli gepaßt als ein 5minütiger (!) Boykott.Präsentiert vom dsf und mit Burgerking-Girls die die Mannschaften auf den Rasen führten.Aber eine Generation saturierter altlinker Sitzplatzonkel springt jezt wohl gerne auf den Littmannzug auf .Weiter so, Pauli auf dem Weg zur Folklore die mit anderssein so viel zu tun hat wie der BVB & Schalke mit Arbeiterfußball..

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