Theo Zwanziger, Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), scheiterte vor dem Landgericht Augsburg mit einem Widerspruch gegen eine einstweilige Verfügung. Zwanziger war von der Augsburger Zivilkammer untersagt worden, die Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Schiedsrichterbeobachter Manfred Amerell und den Bundesliga-Schiedsrichter Michael Kempter mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche zu vergleichen.

In der mündlichen Verhandlung war zwischen den beiden Parteien der genaue Wortlaut eines Zitates von Zwanziger unstrittig, wie der Vorsitzende Richter Rainer Brand sagte. "In anderen Lebensbereichen stellen wir fest, dass nach 40 Jahren die Leute sich melden, weil sie vorher keinen Mut dazu gehabt haben", hatte der DFB-Chef am 12. März bei einer Pressekonferenz gesagt.

"Es handelt sich um eine unwahre Tatsachenbehauptung", sagte Richter Brand zur Begründung. Das Zitat verletze das Persönlichkeitsrecht, weil sexueller Missbrauch von Kindern mit einer Beziehung zwischen zwei Erwachsenen gleichgestellt werde. Obwohl Amerell nicht erwähnt worden sei, habe jeder gewusst, wer mit dieser Bemerkung gemeint gewesen sei.

Zu der mündlichen Verhandlung war nur Amerell persönlich erschienen. Zwanziger ließ sich vom Berliner Medienanwalt Christian Schertz und von DFB-Justiziar Jörg Englisch vertreten.

Amerell erhob in der Verhandlung schwere Vorwürfe gegen den DFB-Chef. "Ich lasse mich von Herrn Dr. Zwanziger nicht in die Nähe von Straftätern bringen. Ich verwahre mich dagegen, dass ich hier so verglichen werde", sagte er.

Der 63 Jahre alte Amerell lastete dem DFB an, dass er im Gegensatz zu den vier betroffenen Schiedsrichtern, die ihn in eidesstattlichen Versicherungen der sexuellen Belästigung bezichtigt hatten, vom Verband "nie in vergleichbarer Weise angehört" worden sei. Die Frage der Wahrheit werde sich noch stellen, meinte Amerell: "Und die Wahrheit wird rauskommen."