Wirtschaftsstudie Über den Wert des Fußballs
Mehr als fünf Milliarden Euro jährlich ist der Profifußball wert, behauptet die DFL anhand einer Studie. Muss der Staat deshalb die Polizeikosten tragen?
© Johannes Simon/Bongarts/Getty Images

Fußballspiele haben einen erhöhten Polizeibedarf – selbst in der 3. Liga wie hier beim Spiel Bayern München II gegen den FC Ingolstadt
Die Vereinigung der 36 Bundesligavereine Deutsche Fußball Liga (DFL) hat eine Studie präsentiert, die enorme Zahlen bereit hält: Mehr als fünf Milliarden Euro betrage die jährliche Wertschöpfung des Profifußballs, mehr als hunderttausend Jobs stünden in Deutschland mit ihm in Zusammenhang, und der Bund profitiere durch Steuereinnahmen in Höhe von mehr als eineinhalb Milliarden Euro jährlich.
Die Zahlen, die sich auf die Erste und Zweite Liga in der Saison 2007/08 beziehen, seien "konservativ" berechnet, "sie markieren eine Untergrenze", heißt es in dem Papier der Unternehmensberatung McKinsey. "Der Fußabdruck, den die Bundesliga hinterlässt", sagte DFL-Chef Christian Seifert, "ist größer als erwartet". Was Seifert weniger betonte: Die DFL hat die Studie mitfinanziert, inhaltlich unterstützt und an ihrer Verbreitung in den Medien geholfen.
Die Ergebnisse hinterlassen Fragen: Kann man Wertschöpfung mit volkswirtschaftlichem Nutzen gleichsetzen? Muss man die rund achtzig Millionen, die die DFL jährlich von ARD und ZDF erhält, nicht als Subvention betrachten? Wie viel Geld teilstaatlicher Sponsoren fließt in den Profifußball? Profitiert der Profifußball nicht von Vorleistungen der Gesellschaft, etwa im Stadionbau und durch Infrastruktur? Müsste die Medienbranche ohne Fußball, wie McKinsey nahe legt, tatsächlich mehr als einen von hundert Beschäftigen kündigen?
Auch dürfte es kein Zufall sein, dass die DFL jetzt mit den Zahlen an die Öffentlichkeit geht. In der kommenden Woche, am 23. April, treffen sich die Innenminister des Bundes und der Länder sowie der Städte- und Gemeindetage mit Vertretern der DFL und des DFB, um über die Frage zu debattieren: Muss sich der Fußball finanziell an Polizeieinsätzen beteiligen?
Laut Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) müsse die Polizei umgerechnet 1300 Polizeistellen jährlich für die Sicherung von Fußballspielen bereithalten. Eine Planstelle schlägt mit 80.000 Euro zu Buche, sprich: Die Sicherheitskosten betragen mehr als einhundert Million Euro pro Jahr – für den Steuerzahler. Auch diese Zahlen seien vorsichtig kalkuliert, die Dritte Profiliga, die 2008 gegründet wurde, sei noch nicht einmal einberechnet.
Für Rainer Wendt, den Bundesvorsitzenden der DPolG, kommen die Ergebnisse McKinseys nicht überraschend. "Dass der Fußball ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist", sagt er "ist nichts Neues". Wendt kämpft seit Jahren für eine Gebührenregelung, die Fußballverbände an den extremen Sicherheitskosten beteiligt. Dass sein politischer Gegner nun mit wirtschaftlichen Großzahlen protzt, empfindet Wendt als Bestätigung. "Offenbar fühlt sich der Fußball in Erklärungszwang. Doch die Studie zeigt: Fußball ist nicht in erster Linie Kultur, sondern Kommerz."
Dagegen führt Liga-Chef Seifert "Verfassungsrechte" ins Feld. Auf Nachfrage war bislang nicht zu klären, welche genau. Doch aus der Vergangenheit ist bekannt, dass die Fußballvertreter es als alleinige Aufgabe des Staates betrachten, für Sicherheit zu sorgen. Wendt hingegen sieht im Fußball eine quantitative Grenze deutlich überschritten. In die Pflicht nehmen will er auch andere Großveranstalter, zum Beispiel Konzertorganisatoren.
Dass die Polizei auch Mai-Kundgebungen oder Kirchentage mit enormen Aufwand begleitet, zählt für Wendt nicht. "Es gibt ein Grundrecht auf Demonstration oder freie Religionsausübung. Ein Grundrecht auf Fußball gibt es nicht", sagt er. "Auch wenn man den Eindruck hat, dass das einige gerne so hätten".
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- Datum 14.04.2010 - 17:37 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 43
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NEIN!
heute ist das nur noch eine Anlaufstelle für Unruhestifter,
eine Angelegenheit bei der Unsummen im Spiel sind,die kein
Fussballer verdient, warum soll ein Spieler Millionen wert sein,ein Luxusleben führen
und wir die Unkosten tragen für den Polizeineinsatz,?
heute ist das nur noch eine Anlaufstelle für Unruhestifter,
eine Angelegenheit bei der Unsummen im Spiel sind,die kein
Fussballer verdient, warum soll ein Spieler Millionen wert sein,ein Luxusleben führen
und wir die Unkosten tragen für den Polizeineinsatz,?
Der Sport ( wenn man denn bezahlten Fußball "Sport" nennen darf ) erinnert an Gergovia: Jeder verkauft jedem Wein und Kohlen. Als Steuerzahler wünsche ich mir auch, dass ich sämtliche Dienstleistungen der Behörden und Verwaltungen ohne zusätzliche "Gebühren" erhalten könnte. Und was die "Leistungen" angeht: Wir können nun mal nicht die geschossenen Tore gegen Devisen eintauschen, wie wir es mit "richtigen" Produkten tun können.
Ich will gar nicht wissen woran das liegt dass dieses Thema erst jetzt endlich mal angesprochen wird, nach so vielen Jahren in denen die DFL unmenschliche Geldsummen geschaufelt hat.
"Es gibt ein Grundrecht auf Demonstration oder freie Religionsausübung. Ein Grundrecht auf Fußball gibt es nicht" bestes Zitat ever!
heute ist das nur noch eine Anlaufstelle für Unruhestifter,
eine Angelegenheit bei der Unsummen im Spiel sind,die kein
Fussballer verdient, warum soll ein Spieler Millionen wert sein,ein Luxusleben führen
und wir die Unkosten tragen für den Polizeineinsatz,?
Die Frage hier mit Schwerpunkt auf finanziellen und unter Kosten-/ Nutzenaspekten zu diskutieren, liegt nahe, geht aber ins Leere. Selbstverständlich handelt es sich um eine Diskussion mit dem Ziel der Umverteilung. Tritt man einen Schritt zurück, um das Gesamtgeflecht aus anderer Perspektive zu sehen, stolpert man alsbald über weitere Fragen, welche wohl die Beteiligten wohl nicht beantworten werden – wahrscheinlich, weil heute niemand mehr den Zusammenhang zu beschreiben weiß, in welchem heute Übliches sich entwickelt hat. Zuvieles hat sich mit den Jahren verändert, z. B. ist der Profifußball heutiger Ausprägung wohl eher als Unterhaltung mit sportlichem Hintergrund denn als Sport im ideellen (und förderungswürdigen) Sinn zu bezeichnen. Andererseits lenkt Profisport so wunderbar von den täglichen Problemen ab; kann sein, dass die Politik am gegenwärtigen System gar nicht so viel ändern will?
Verwunderlich nur, dass der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft sich für eine Veränderung stark macht. Was hat er davon? Er ist Beamter. Sein Dienstherr ist in dieser Frage angesprochen, nicht er. Und der Dienstherr als Politiker könnte es reizvoll finden dem Wählervolk einen Schaukampf zu bieten und es im Übrigen – wenn schon nicht mit Brot, denn doch wenigstens mit subventionierten Spielen – bei Laune zu halten. Mein Tipp: Nichts wird sich ändern. Leider!
Das sehe ich ganz genau so.
Und mir fällt auf, dass Journalisten in Meldungen über Polizeieinsätze gegen "Linke" und andere Staatsfeinde ziemlich oft die (angeblichen) Kosten des Polizeieinsatzes erwähnen, bei "Sport"-veranstaltungen sehr selten oder nie.
Wie war das mit dem Thema "Meinungsmache"?
Im Übrigen bin ich der Meinung, wenn jemand sich für Sport interessiert, soll er gefälligst selbst Sport treiben! Ich halte es allenfalls für akzeptabel, wenn jemand samstagsnachmittags beim Spiel seines Regionalvereins zusieht. Alles andere ist Geldmacherei, hat mit Sport fast nichts zu tun und ist eine Verhinternung der zahlenden Zuschauer.
Ja. Wirtschaftsunternehmen sollen die Kosten ihrer Produkte tragen und nicht auf die Allgemeinheit abwälzen. Kann ja von der Steuer abgesetzt werden.
Ich schlage vor, die Kosten zu dritteln: Staat, Verein, Zuschauer - jeder zahlt seinen Anteil.
Ein kurzer Kommentar zu den "100,000 Jobs", die da angeblich auf dem Spiel stehen. Als Student hab ich mal einen solchen "Job" gemacht: Beim HSV als Leiharbeiter Sitzkissen über die VIP-Sessel ziehen. Grauenhafte Arbeit und volkswirtschaftlich vermutlich ohne jeden Wert. Wenn ich mich recht erinnere, gabs für einige von uns 5 Euro und ein paar Zerquetschte pro Stunde. Unfassbare Ausbeuterei ohne jeden Wert, hab ich genau einmal gemacht. Das muss jetzt nicht repräsentativ sein, aber mir schien es damals so, als lief da eine ganze Menge über Kurz- und Leiharbeit.
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