IOC-Ehrenmitglied Walther Tröger"So viel Einfluss hat das IOC gar nicht"

Nicht alle im IOC sind bereit, für Menschenrechte alles aufs Spiel zu setzen, sagt Ehrenmitglied Walther Tröger im Interview. Das Komitee sei mehr als nur der Präsident.

Frage: Herr Tröger, das Internationale Olympische Komitee und der Weltfußballverband Fifa haben ihre großen Veranstaltungen zuletzt nach Südamerika und Asien gegeben, um neue Märkte zu erschließen. Wäre es da nicht konsequent, wenn auch der nächste IOC-Präsident nicht aus Europa käme?

Walter Tröger: Das ist ein wichtiger Aspekt, aber es gibt im IOC heute keine Unbekannten mehr. Man hat Beziehungen über die Kontinente, das gleicht es ein bisschen aus. Die Europäer stellen drei von sechs Kandidaten. Ich glaube nicht, dass sich in den ersten beiden Durchgängen schon eine Mehrheit ergibt.

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Frage: Ist Thomas Bach der Favorit?

Tröger: Vor ein paar Monaten war er der Favorit, ob er es immer noch ist, weiß ich nicht. Im IOC ist alles möglich. Alle sechs Kandidaten sind präsidiabel, mehr oder weniger.

Frage: Wäre Ihnen bei einem Kandidaten weniger wohl, wenn er gewählt würde?

Tröger: Nein, es gibt aber sehr unterschiedliche Charaktere. Es sind Leute dabei, die das IOC sehr ausgeglichen leiten würden, und andere, die schon ein wenig mehr diktatorisch wären. Aber das IOC ist in seinem Präsidium so gut aufgestellt, dass man das schon unter Kontrolle bekommt.

Frage: Wie groß ist denn überhaupt der Einfluss eines IOC-Präsidenten?

Tröger: Ich war ja auch acht Jahre in der Exekutive, als Juan Antonio Samaranch noch Präsident war. Samaranch war schon bestimmend, ein kleiner Machiavelli. Vor allem hatte Samaranch überall seine Agenten und Späher. Es gab keine Gegenbewegung, in der nicht einer drinsaß, der von Samaranch da hingeschickt worden war. Er wusste immer alles. Unter den sechs Kandidaten ist kein Samaranch. Keiner, der so die Tricks und den Umgang mit anderen Leuten beherrscht, ohne selbst viele Fehler zu machen. Wenn überhaupt einer dazu fähig wäre, dann Thomas Bach. Aber er ist auch ruhiger geworden.

Frage: Sie meinen es also als Kompliment, dass keiner so ist wie Samaranch?

Tröger: Ja. Wissen Sie, der Wind ist auch härter geworden. Samaranch hat zu einer Zeit begonnen, in der das IOC, ich will nicht sagen nicht-existent war. Aber es waren viele ältere Herrschaften drin, es war kein Geld da und Samaranch hat was draus gemacht. Jetzt ist das IOC in jeder Hinsicht auf Augenhöhe mit allen anderen Bewegungen der Welt, den Vereinten Nationen oder der Wirtschaft. Als Samaranch begonnen hatte, gab es auch Doping und politische Fragen, er ist ja mitten in die Phase der Boykotte reingekommen. Aber die Medien haben sich noch nicht groß ums IOC gekümmert. Heute hat man sich sehr viel schneller eine Ohrfeige eingefangen.

Frage: Ein so starker Präsident wie Samaranch es war, kann man heute also gar nicht mehr werden?

Tröger: Völlig richtig. So wie Samaranch es zumindest bis zur Salt-Lake-City-Korruptionsaffäre war. Da hat er dann Schwächen gezeigt.

Leserkommentare
  1. Sog. Menschenrechte?
    Abschaffen diese "Mafia"!

  2. dann hat es das aber sehr gut verborgen.

    Ich würde das IOC ernster nehmen, wenn sie offen sagen würden, dass sie ein internationales Wirtschaftsunternehmen sind und nichts sonst. Wie Apple oder BMW.

    Eine Leserempfehlung

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