Stimmt’s? Müde macht müde

Stimmt es, daß Gähnen ansteckend ist? Michael Schröder, Zürich

Ja. Und die Wissenschaft vermutet, daß der Mechanismus derselbe ist wie beim Lachen, das ebenfalls auf andere überspringen kann. "Empathie" heißt die Fähigkeit des Menschen, Gefühlsregungen seiner Artgenossen nachzuempfinden.

Schon Säuglinge ahmen unwillkürlich die Mimik ihrer Eltern nach, Gähnen inklusive. Wenn uns jemand etwas Trauriges erzählt, schauen wir traurig. Ist der andere gut gelaunt, blicken auch wir zuversichtlich aus der Wäsche. Wissenschaftler haben herausgefunden, daß nicht nur das Gefühl die Mimik prägt, sondern daß dies auch umgekehrt gilt: Indem wir den anderen nachahmen, beschwören wir auch die entsprechenden Gefühle in uns herauf. So erzeugt das Konservenlachen in Fernsehkomödien tatsächliche Belustigung - und das ansteckende Gähnen führt zu tatsächlicher Müdigkeit.

Das läßt sich übrigens auch bei Affen beobachten, was auf eine lange evolutionäre Tradition hindeutet. Offenbar war es für unsere Vorfahren wichtig, daß die ganze Horde gleichzeitig zu Bett ging - schon allein damit keiner den Schlaf der anderen für üble Machenschaften ausnutzen konnte. Christoph Drösser

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Audio: www.zeit.de/audio

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service