Tatsächlich sind viele US-Wolkenkratzer von indianischen Arbeitern errichtet worden, vor allem von Irokesen - genauer gesagt Mohawks aus dem Kahnawake-Reservat. Die Tradition geht zurück bis ins Jahr 1886, als eine kanadische Firma eine Eisenbahnbrücke über den St.-Lorenz-Strom errichtete, und noch heute arbeiten viele junge Indianer in der Hochbaubranche. Es gibt sogar ein speziell auf sie zugeschnittenes Trainingsprogramm im US-Staat Illinois, bei dem sie sich in einem 14wöchigen Kurs auf die Kletterarbeit vorbereiten können.

Nichts spricht jedoch dafür, daß den amerikanischen Ureinwohnern unser Schwindelgefühl abgeht. Tatsächlich ist es wohl einfach eine Sache der Übung und eine Frage des Mutes. Zu diesem Schluß kam 1958 der Anthropologe Morris Freilich in einer Feldstudie, bei der er indianische Arbeiter befragte. Sein Fazit: Auch der Indianer kennt die Angst vorm Fallen - er schluckt sie halt mannhaft herunter. Christoph Drösser

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