Oboisten müssen sich oft das Vorurteil anhören, das Spielen dieses schönen Instrumentes mache "verrückt" oder "blöd". Das ist aber ein Vorurteil.

Einer Oboe einen Ton zu entlocken, ist gar nicht so leicht. Zunächst muss der Spieler sich nämlich sein Doppelrohrblatt selbst zurecht schnitzen. Und dann heißt es ganz schön pressen, um Luft zwischen die beiden Blättchen zu bekommen. Zwar ist der Druck im Mund dabei nicht so groß wie etwa beim Trompetespielen, aber der Oboist wird seine Luft nicht so schnell los: Bei ihm fließen nur 150 Milliter Luft pro Sekunde durchs Instrument, im Vergleich zu etwa 470 Milliliter beim Trompeter, wie eine physiologische Untersuchung ergeben hat, die 1964 im Journal of Applied Physiology veröffentlicht wurde. Dieser Luftstau kann, etwa bei einem längeren Solo, schon einmal dazu führen, dass der Kreislauf des Künstlers schlapp macht und ihm schwarz vor Augen wird, erzählt Hansjörg Schellenberger, Oboenvirtuose bei den Berliner Philharmonikern.

Über ernsthaftere Schäden gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Eckart Altenmüller, Professor für Musiker-Medizin an der Musikhochschule Hannover, schließt nicht aus, dass der ständige Druck über längere Zeit zu minimalen Gefäßschädigungen führen könnte, "die für die Kognition nicht gerade förderlich sind".

Schließlich sei noch erwähnt, dass noch niemand eine Studie über den Intelligenzquotienten von Oboisten im Vergleich mit anderen Musikern durchgeführt hat. Hansjörg Schellenberger jedenfalls meint: "Wer Oboe lernt, der ist von Haus aus schon verrückt." Christoph Drösser

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