Stimmt’s?Rot-weißer Standard

Ist eigentlich an dem Gerücht etwas Wahres dran, dass der Weihnachtsmann im vertrauten Rot-Weiß ein Werbegag von Coca-Cola war? Marko Ehrt, Schopfheim von C. Drösser

Nein. Auch wenn sich die Limonadenfirma selbst gern damit brüstet.

Die Figur des Weihnachtsmanns hat sich ganz allmählich zu dem heutigen Stereotyp entwickelt. Der heilige Nikolaus wurde schon in vergangenen Jahrhunderten in Europa als Geschenkebringer verehrt, allerdings immer als hoch gewachsene, ernste Bischofsfigur, mit Gewändern in ganz unterschiedlichen Farben. Als holländischer Sinter Klaas gelangte er nach Amerika, und dort beschrieb ihn 1821 der Dichter Clement C. Moore in seinem Gedicht A Visit from St. Nicholas erstmals als kleines, fröhliches Dickerchen - allerdings in Elfengröße. Illustratoren wie Thomas Nast zeichneten "Santa Claus" dann schon in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in der Gestalt, die wir heute kennen, allerdings meist in Schwarzweiß.

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Erst in den zwanziger Jahren schließlich begann der heute übliche rot-weiße Weihnachtsmanndress über die anderen Farben zu dominieren. Am 27. November 1927 schrieb die New York Times: "Ein standardisierter Santa Claus erscheint den New Yorker Kindern. Größe, Gewicht, Statur sind ebenso vereinheitlicht wie das rote Gewand, die Mütze und der weiße Bart." Erst 1931 erschien die erste Coca-Cola-Anzeige mit dem rot-weißen Weihnachtsmann, entworfen von dem Grafiker Haddon Sundblom. Aber sicherlich haben die alljährlichen Werbefeldzüge zur Verbreitung des Einheitsweihnachtsmanns beigetragen. Christoph Drösser

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Audio: www.zeit.de/audio

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  • Serie stimmts
  • Quelle (c) DIE ZEIT 52/1999
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