Stimmt’s? Grünes Gift

Bei Tomaten schneide ich immer den Teil, wo der Stängel angewachsen war, raus, weil ich irgendwann gelernt habe, dass der giftig sein soll. Stimmt das? Phil, via ZEIT-Forum

An dieser Stelle erst einmal Lob und Dank an die Teilnehmer der "Stimmt's"-Debatte im ZEIT-Forum (www.debatte.zeit.de), die unter mannigfaltigen Decknamen nicht nur viele interessante Fragen stellen, sondern auch nach Quellen zu deren Beantwortung stöbern.

Im Fall der Tomaten war die Antwort schnell gefunden: Ja, die grünen Stellen an der Tomatenfrucht enthalten ein giftiges Alkaloid, Solanin genannt. Aber man muss schon Unmengen davon verdrücken, damit die toxische Wirkung eintritt.

Solanin ist in Nachtschattengewächsen enthalten, die in der Gestalt von Kartoffeln und Tomaten auf unserem Teller landen. Zu den Symptomen einer Solaninvergiftung gehören Kopfschmerzen, Brechreiz, Durchfall und Sehstörungen. Das Alkaloid in der Tomate ist recht robust und übersteht auch den Kochvorgang. Bei der Reifung geht es dagegen fast komplett verloren und wird unter anderem in den Farbstoff umgewandelt, der das Gemüse so schön rot macht.

Nun zur quantitativen Seite: Ab etwa 25 Milligramm ist der Verzehr von Solanin toxisch, ab 400 Milligramm tödlich, sagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Bei unreifen grünen Tomaten wurde ein Solaningehalt zwischen 9 und 32 Milligramm auf 100 Gramm gemessen. Nehmen wir einmal an, ein Zehntel jeder Tomate sei noch grün, dan müsste man zwischen 800 Gramm und 2,8 Kilogramm Tomaten essen, damit das Gift wirkt. Schneller erreicht man diese Menge natürlich, wenn man eingelegte grüne Tomaten isst. Christoph Drösser

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Audio: www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • spade
    • 05.01.2012 um 7:43 Uhr

    Die Frage bezog sich auf den grünen Teil der Tomate, an der der Stängel angewachsen war. Das Grün stammt vom Chlorophyll und nicht vom Solanin. Nach Wikipedia korreliert das Chlorophyll nicht direkt mit der Biosynthese des Solanins. Solanin findet sich vorwiegend in unreifen Tomaten, in einer Menge von 9 bis 32 mg pro 100 g. Bei reifen Tomaten dürfte das Solanin in den verzehrüblichen Mengen keine Rolle spielen. Daher könnte die Frage so zugespitzt werden: Handelt es sich beim Wegschneiden der Stängelansätze um eine vernünftige Vorsichtsmaßnahme oder eine übertriebene Verschwendung von Lebensmitteln?

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