Es stimmt. Und wir reden hier nicht von Millimetern: John Komlos, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität München, berichtet zum Beispiel, dass die Einwohner der ostdeutschen Bundesländer in den vergangenen zehn Jahren um zwei Zentimeter gewachsen sind (genauer gesagt: der durchschnittliche 18-Jährige). Dabei werden vor allem die Beine der Menschen länger.

Die Körpergröße hat also viel mit den gesellschaftlichen Verhältnissen zu tun. Auxologie nennt sich die interdisziplinäre Forschungsrichtung, die solchen Zusammenhängen nachspürt.

Und die Auxologen gehen davon aus, dass die Körpergröße ein viel besserer Indikator für das allgemeine Wohlergehen der Menschen ist als nackte Wirtschaftsdaten wie etwa das Bruttosozialprodukt.

Der kontinuierliche Wachstumstrend hält in Europa seit etwa 150 Jahren an - davor gab es auch Schrumpfprozesse, etwa mit dem Beginn der industriellen Revolution. Am meisten zugelegt haben die Niederländer: Einst ein eher kleinwüchsiges Volk, sind sie heute die größten in Europa. Die Auxologen machen Faktoren wie die vorgeburtliche Betreuung, die Ernährung und das Sozialsystem dafür verantwortlich. Seit der europäischen Einigung holen aber die Mittelmeerländer kräftig auf.

Nicht nur in Europa geht der Trend nach oben: Auch die Japaner sind in den vergangenen 70 Jahren um zehn Zentimeter in die Höhe geschossen. Dagegen stagniert die Körpergröße der US-Amerikaner - die wachsen eher in die Breite als in die Höhe.

Wo soll das alles enden? Sicher wird der Mensch so schnell nicht zur Giraffe - die Veränderung ist ja keine genetische, sondern beruht nur auf Umweltfaktoren. Zurzeit wächst der Durchschnittseuropäer immer weiter, einen halben bis einen Millimeter pro Jahr. John Komlos geht davon aus, dass der Trend noch über mehrere Generationen anhalten wird. Christoph Drösser

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